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Arbeitsmarkt

06.11.2019

Kurzarbeit: Ist sie Fluch oder Segen im Landkreis Günzburg?

Acht Firmen aus dem Landkreis Günzburg haben derzeit Kurzarbeit angemeldet und werden von der Agentur für Arbeit unterstützt.
Bild: Bernhard Weizenegger

Christine Jung von der Agentur für Arbeit erklärt, wie Unternehmen entlastet und Jobs gesichert werden.

Etwa 0,5 Prozent der Arbeitnehmer aus dem Landkreis sind derzeit bei der Agentur für Arbeit für das Kurzarbeitergeld angezeigt. Das geht aus den Zahlen hervor, welche die Agentur auf Nachfrage unserer Zeitung zusammen getragen hat. Zuletzt sind acht Betriebe im Landkreis betroffen – mit insgesamt 395 Beschäftigten. Aus den Zahlen geht allerdings nicht hervor, ob die Betroffenen tatsächlich in Kurzarbeit sind, oder nur für die Lohn-Förderung angemeldet sind.

Christine Jung von der Arbeitsagentur in Donauwörth erklärt den Hintergrund des Instruments Kurzarbeit: „Sie ist dazu da, Betriebe zu entlasten, die vorübergehend Auftragsausfälle haben.“ So soll den Unternehmen geholfen werden, schwierige Wirtschaftszeiten zu überbrücken. Auch unabwendbare Ereignisse, etwa verursacht durch einen Brand oder eine Naturkatastrophe, können vom Kurzarbeitergeld abgedeckt werden, so Jung.

Es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden

Bevor die Fördergelder fließen, sind Voraussetzungen zu erfüllen. So muss mindestens ein Drittel der Belegschaft betroffen sein mit einem Bruttolohnausfall von mindestens zehn Prozent – Auszubildende sind ausgeschlossen. Der Arbeitsausfall muss unvermeidbar sein und kann nicht durch Umstrukturierungen im Unternehmen aufgefangen werden.

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Die Entscheidung, in Kurzarbeit zu gehen, muss der jeweilige Betrieb den Arbeitnehmern vorher ankündigen. Häufig wird dazu eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat abgeschlossen. Wenn kein Betriebsrat vorhanden ist, ist eine Einverständniserklärung aller Mitarbeiter, die von der Kurzarbeit betroffenen sein werden, einzuholen. Schließlich muss ein Betrieb, der die Einführung von Kurzarbeit in Betracht zieht, dies der Agentur für Arbeit melden – in der Behördensprache heißt das „anzeigen“.

Maximal ein Jahr kann das Kurzarbeitergeld gezahlt werden

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, ersetzt das Amt einen Teil des Lohnausfalls, beziehungsweise erstattet das Geld den Arbeitgebern. Das sind bis zu 60 Prozent des Nettogehalts, bei Arbeitnehmern mit Kindern werden bis zu 67 Prozent gezahlt. Der Arbeitgeber muss sich weiterhin an den Kosten der Sozialversicherung beteiligen. Die Alternative sei, dass Betriebe ihre Angestellten konjunkturbedingt kündigen oder Insolvenz anmelden, so Jung. Die Kurzarbeit kommt also allen zugute – auch den Arbeitnehmern, die ihren Job behalten können.

Eine Förderung bei dauerhaftem Abbau der Arbeitsplätze ist nicht möglich. „Das Kurzarbeitergeld kann maximal ein Jahr gezahlt werden“, sagt Christine Jung. Erst wenn ein Betrieb drei Monate kein Lohnersatz erhalten hat, kann er erneut den Bedarf an Kurzarbeitergeld anmelden.

Es wird in den Betrieben kontrolliert

Damit Unternehmen die finanzielle Förderung nicht missbrauchen, gibt es Kontrollen vor Ort in den Betrieben. „Wir kontrollieren die Arbeitszeiten.“ Das Kurzarbeitergeld wird nämlich nur für die tatsächlich ausgefallenen Arbeitsstunden gewährt.

In manchen Fällen kann auch nur für eine Abteilung Kurzarbeitergeld gewährt werden, etwa in der Produktion. „Im Landkreis Günzburg ist derzeit vor allem die metallverarbeitende Industrie von Kurzarbeit betroffen.“ Das habe vermutlich mit der Weltwirtschaft zu tun. Wegen Strafzöllen und politischen Ungewissheiten tue sich die Metallindustrie derzeit schwer, so Jung.

Zu den acht Firmen aus dem Landkreis, die bei der Agentur angezeigt sind, zählt auch ein Großhandel und ein Planungsbüro. Die Zahl der gemeldeten Betriebe sei nur bedingt aussagekräftig, ob es der heimischen Wirtschaft gut geht, erklärt Jung. Nicht nur konjunkturelle Gründe seien dafür verantwortlich, dass Betriebe Zeitarbeitergeld beziehen. „Manchmal wurde einfach nur falsch kalkuliert.“ Klar ist aber auch: Die betroffenen Arbeitnehmer haben oft Ängste um ihre berufliche Zukunft, wenn ihre Firma in Kurzarbeit geht.

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