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Leipheim

23.05.2019

Neue archäologische Funde in der St. Veitskirche in Leipheim

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Für 1,5 Millionen Euro wird die Kirche St. Veit in Leipheim renoviert. Die Bauarbeiten werden von einem archäologischen Team begleitet.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus In der Kirche in Leipheim haben Archäologen Hinweise auf die Vorgängerkirche aus dem 13. Jahrhundert entdeckt. Auch weitere Gewölbe wurden gefunden.

Die evangelische Kirche St. Veit in Leipheim ist nicht mehr wieder zu erkennen. Wo sonst Kirchenbänke stehen, klaffen Löcher im Boden. Ein Großteil der Fliesen wurde entfernt. Bauschutt ist zu sehen und mittendrin weiße Zettel, auf denen Nummern zu finden sind. Es sind Hinweise auf die archäologischen Funde, die in der Kirche gemacht worden sind. Und die sind weit bedeutender, als Kirchenvorstände und Archäologen gedacht hätten.

Im Zuge der Kirchenrenovierung wird eine Fußbodentemperierung eingebaut und der Bodenbelag erneuert. Flächig muss daher der derzeitige Boden abgetragen werden. Archäologen begleiten die Bauarbeiten, so kamen die zahlreichen Funde zum Vorschein.

Archäologin: "Wir haben einiges herausgefunden."

„Wir sind an den einzelnen Bauphasen der Kirche interessiert und haben einiges heraus gefunden“, sagt Anja Seidel. Bereits bei Vorarbeiten wurde im Altarraum eine alte Gruft entdeckt (Jahrhunderte altes Grab in der Leipheimer St. Veitskirche entdeckt ) . Die Archäologen sind auf weitere Grabstätten gestoßen, wie Anja Seidel vom Archäologiezentrum Günzburg berichtet. Eine Gruft, die wohl aus derselben Zeit stammt wie das im Februar entdeckte Gewölbe, wurde rechts neben dem Altar gefunden.

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Sensationsfund in der Leipheimer St. Veitskirche
Bild: Bernhard Weizenegger

Wie die Archäologin erklärt, ist noch immer nicht klar, wer darin bestattet worden ist. Sie ist sich aber ziemlich sicher, dass die Grabstätten romanisch sind und mehr als 700 Jahre alt sein könnten. Eventuell war die Gruft früher sogar zugänglich. Eine Stufe ist entdeckt worden, die mit dem Turmbau im 15. Jahrhundert zugemauert worden war. Gut möglich, dass diese zu der Gruft geführt hat. Aber fest steht das noch nicht, so betont Archäologin Anja Seidel immer wieder.

Vermutungen gibt es hingegen, wer in einem weiteren Gewölbe, das vor der romanischen Gruft liegt, bestattet sein könnte. Es ist – so vermuten zumindest die Experten – etwas jünger. Dort könnte die Familie Baldinger, Ulmer Vögte, ihre letzte Ruhe gefunden haben. In einer alten Beschreibung der Kirche ist der Satz zu finden, dass der Ulmer Vogt links im Altarraum bestattet worden ist. An der Wand hängt auch eine Grabplatte der Vogtsfamilie. In dem Bereich sind zudem Knochen von Säuglingen gefunden worden. Somit liegt die Vermutung nahe, dass das Familiengrab nun gefunden wurde.

Neue Erkenntnisse zur Vorgängerkirche

Die Funde werden derzeit dokumentiert, sie wurden aber noch nicht ausgewertet. Kirchenvorstand und Archäologen hatten gehofft, neue Erkenntnisse zur Vorgängerkirche der gotischen St. Veitskirche zu finden.

Sie wurden nicht enttäuscht. Im Jahr 1225 wurde die Kirche zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1330 haben die Güssen das Gotteshaus gekauft und es im gotischen Stil umgebaut. Heute ist sie die einzige stilechte gotische Kirche im Landkreis Günzburg. Lange Zeit konnte man nur Vermutungen aufstellen, dass es eine romanische Vorgängerkirche gab. Jetzt haben die Archäologen Belege dafür gefunden. Anja Seidel zeigt alte Fotos, die während der Fassadenrenovierung im Jahr 1954 gemacht worden sind. „Die Außenwände sind ursprünglich“, sagt Anja Seidel. Das bedeutet, dass St. Veit nicht im Lauf der Zeit gewachsen ist, wie man lange Zeit angenommen hat, sondern schon die ursprüngliche romanische Kirche in etwa die Ausmaße der heutigen gotischen Kirche hat. „Damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Anja Seidel.

St. Veitskirche Leipheim
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Einblicke in die Leipheimer Kirche St. Veit
Bild: Bernhard Weizenegger

Auch Ziegelfunde im Altarbereich untermauern diese Vermutung. Im Innenbereich gibt es außerdem Hinweise auf die ursprünglichen romanischen Torbögen. Im Bereich der Säulen sind außerdem Kalkstufen zum Vorschein gekommen. „Das ist wohl der ursprüngliche romanische Boden aus dem frühen 13. Jahrhundert.“

Im gesamten Kirchenbereich kamen Knochen zum Vorschein. „Wir wissen aber nicht, woher sie stammen.“ Allerdings seien solche Funde in Kirchen nichts Außergewöhnliches. Rätsel geben noch zwei eckige Fundamente und ein Loch auf, die im Chorraum entdeckt worden sind. „Was es war, wissen wir nicht.“ Könnte es das Fundament für den damaligen Altar gewesen sein? Stand in dem kleinen 1,90 Meter tiefen Loch vielleicht einst ein Kreuz? Noch gibt es viele Fragen zu klären. Die Arbeiten in der Kirche gehen noch weiter. Seit Ostern laufen die Bauarbeiten in der St. Veitskirche. Für 1,5 Millionen Euro wird das Gotteshaus saniert ( In der Leipheimer St. Veitskirche gibt es viel zu tun ). Die Bauzeit beträgt voraussichtlich bis zu 18 Monate.

Welche Besonderheiten die evangelische Kirche St. Veit in Leipheim zu bieten hat, erfahren Sie hier: St. Veit: Eine Kirche mit großer Vergangenheit

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