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Günzburg

15.12.2018

„Schlag ins Gesicht für Anlieger in der Innenstadt“

Auf dem Günzburger Marktplatz gilt derzeit die Winterregelung. Künftig sollen versenkbare Poller diesen Bereich in den Sommermonaten für mehrere Stunden am Tag komplett sperren – bislang darf in dieser Zeit nur durchfahren, wer eine Genehmigung hat.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die Stadt beschließt die zeitweise Sperrung des Günzburger Marktplatzes mit Pollern. Die Wirtschaftsvereinigung fürchtet schlimme Konsequenzen.

Der Unmut ist groß. Die am Montagabend im Stadtrat beschlossene zeitweise Sperrung des Günzburger Marktplatzes durch bewegliche Poller (wir berichteten) stößt bei der Wirtschaftsvereinigung auf heftige Kritik. Im Gespräch mit unserer Zeitung wird Hermann Hutter, der stellvertretende Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung, mehr als deutlich: „Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Anlieger in der Innenstadt.“

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Hutter, der selbst sein Geschäft in der künftig in den Sommermonaten zwischen 11 und 14 Uhr und 17 bis 2 Uhr nachts komplett gesperrten Zone am Marktplatz hat, fürchtet Schlimmstes für den Lieferverkehr. „Die Zulieferer planen ihre Routen für die Mittagstouren – und können uns plötzlich keine Ware mehr liefern, weil gesperrt ist.“ Auch Jan Jaud, Inhaber der Oberen Apotheke, sieht in der Regelung erhebliche Probleme. „Wir werden derzeit fünfmal am Tag beliefert. Schon jetzt ist es für viele Kunden ein Problem, maximal drei Stunden auf bestellte Medikamente zu warten. Ich bin dann die einzige Apotheke, die nicht beliefert werden kann.“

Besonders kritisch sieht Jaud die Situation für den regelmäßigen Apotheken-Nachdienst, den er übernimmt. „Wir sind dann zwar die Diensthabenden, aber auch die einzigen, die man nicht anfahren kann.“ Jaud nennt als Beispiel Eltern mit einem fiebernden Kind im Auto – diese müssten weit entfernt parken, um dann zu Fuß zu ihm zu kommen und die nötige Medizin zu holen – während im schlimmsten Fall das Kind alleine im Auto warten muss.

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Hermann Hutter sieht düstere Zukunft

Eva Flemisch, die Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung, empfindet die getroffene Regelung als zu kurzfristig gedacht. „Mir fehlt hier die Zukunftsperspektive. Andererseits beschließt der Stadtrat, die Gassen in der Altstadt mit Laufwegen barrierefrei zu gestalten – aber durch die Sperrung an beiden Seiten wird es gerade am Marktplatz genau den Menschen wieder schwer gemacht, denen man eigentlich helfen möchte.“ Eva Flemisch befürchtet, dass sich der Innenstadt-Verkehr durch die Sperrung mehr und mehr auf die engen Seitenstraßen wie die Hofgasse verlagert – damit steige dann auch hier unter anderem das Risiko für die Gäste in den Straßencafés und Restaurants.

Die Zukunftsaussichten des im Stadtrat als „Schmuckkästchen“ bezeichneten Marktplatzes sieht Hermann Hutter als ausgesprochen düster. „Die Schmuckstücke in diesem Kästchen sind doch die Häuser, der Immobilienbesitz. Aber wer will dort dann noch eine Wohnung oder ein Geschäft haben?“ Hutter glaubt, die Bereitschaft, in die Immobilien am Marktplatz zu investieren, werde deutlich sinken, das Schmuckkästchen über die Jahre immer weniger glänzen.

Flemisch: „Die Entscheidung ist kontraproduktiv“

Die Wirtschaftsvereinigung sei zwar beim Workshop mit dem Stadtrat beteiligt gewesen, der über die beiden Sperrungsversuche in der Mitte und am Eingang des Marktplatzes von der Dillinger Straße/Augsburger Straße her beraten hatte, sagt Eva Flemisch. Über eine Kombination der beiden Varianten, die jetzt beschlossene Vollsperrung, sei damals jedoch nur kurz diskutiert worden. Sie selbst habe in diesem Zusammenhang das Thema Lieferverkehr angesprochen. Hermann Hutter sagt, als Anlieger habe er erst von der Sperrung erfahren, als der Stadtrat den Beschluss gefasst hatte.

Allen drei Wirtschaftsvertretern wäre es zumindest lieber, wenn die Sperrung von Osten zumindest ein Stück weiter versetzt würde, um – zusammen mit Kurzzeitparkplätzen – wenigstens die Möglichkeit zu schaffen, Praxis- oder Apothekenbesucher aussteigen zu lassen, damit diese kürzere Laufwege haben. Oder auch eilige Lieferungen außerhalb der Sperrzeiten annehmen zu können. Immerhin bestehe ja das gemeinsame Ziel einer lebendigen Innenstadt. Eva Flemisch: „Es passiert viel seitens der Wirtschaftsvereinigung, der Cityinitiative und der Stadt. Aber diese Entscheidung ist einfach kontraproduktiv.“

Eine weitere Problematik sei offenbar noch gar nicht bedacht worden: Wenn ab dem kommenden Jahr in den Seitengassen gebaut wird, um das neue barrierefreie Pflaster anzubringen, dürfte sich die Situation in der Altstadt noch zusätzlich verschärfen. Wie berichtet, beginnt der Einbau der Laufwege auf der Wegeverbindung zwischen Bürgermeister-Landmann-Platz und Marktplatz – auch in der Hofgasse.

Lesen Sie hier den Kommentar "Eine verfahrene Situation am Günzburger Markt" von Rebekka Jakob.

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