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Burgau

24.01.2019

Sind Radstreifen ein Schutz oder eine Gefahr?

Über das Für und Wider von Radschutzstreifen ist im Burgauer Bauausschuss diskutiert worden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Auf Teilen der Augsburger Straße in Burgau gibt es sie. Jetzt sollten sie nach auch auf der Dillinger und der Industriestraße kommen. Doch daraus wird nichts.

Bevor die Radstreifen auf Teilen der Augsburger Straße in Burgau markiert wurden, hatte es in den entsprechenden Gremien einige Diskussionen über das Für und Wider gegeben – unter anderem ging es um mehr Schutz für die Fahrradfahrer, aber auch wegfallende Parkmöglichkeiten und weniger Verkehrsberuhigung, weil Fahrzeuge als Hindernisse fehlen. Nun hat sich der Bauausschuss mit Radschutzstreifen auf der Dillinger und der Industriestraße befasst. Beide Anträge waren von den Freien Wählern gekommen, einmal gezeichnet vom Fraktionsvorsitzenden Jürgen Pauer und einmal als Bitte von Heidi Häuser. Doch so einfach ist die Sache mit den Radstreifen nicht.

Beide Bereiche wurden bei Ortsterminen überprüft – und die Burgauer Polizei rät in beiden Fällen ab. So soll es eine Ausnahme sein, dass Fahrzeuge den Radstreifen „überfahren“, angesichts der zu geringen Breite der Dillinger Straße würde es aber zur Regel werden. Somit stelle sich auch nicht der gewünschte Effekt eines verhältnismäßig sicheren Verkehrsraums ein, und genauso stelle sich die Situation auf der Industriestraße dar. Hinzu kommt, dass ein Radstreifen am Ende des Fuß- und Fahrradwegs an der Erlenbachbrücke die Radler dazu verleiten könnte, einfach auf die Fahrbahn zu fahren. Denn optisch würden sie einen Radweg wahrnehmen, den es so aber gar nicht gebe.

Die Polizei warnt vor der trügerischen Sicherheit

Die anderen Fahrzeuge seien wegen der Krümmung der Kurve womöglich nicht auf plötzlich auf die Straße fahrende Radler vorbereitet, „Gefahrensituationen durch Ausweichen in die Gegenfahrbahn oder dichtes Vorbeifahren an Radfahrern wäre quasi vorprogrammiert“, heißt es im Bericht der Polizei. „Im weiteren Verlauf der Industriestraße müsste der Schutzstreifen ohnehin abgebrochen werden, da kurz vor dem V-Markt aufgrund des dortigen Baumbestandes und der dortigen beengten Straßenbreite definitiv kein Schutzstreifen machbar ist.“ Dadurch müssten Radfahrer plötzlich ohne den Streifen auskommen.

Auf der Augsburger Straße gibt es bereits Radschutzstreifen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Heidi Häuser wollte das so aber nicht akzeptieren. „Wir sollten bemüht sein, mehr für Radler zu tun. Radschutzstreifen bieten eine optische Sicherheit, der Verkehr wird verlangsamt, weil die Straße optisch schmäler wird.“ Karlheinz Mayländer (FDP/FB) machte seinem Frust über die Verkehrspolitik als Ganzes Luft, auch wenn die Kritik nicht gegen die Stadt gerichtet sei. Er fragte, ob es bei der Dillinger Straße tatsächlich nur um 50 Zentimeter gehe, um die diese Straße zu schmal sei. Stadtbaumeister Werner Mihatsch erklärte, dass sie im Schnitt 6,55 Meter in der Breite messe, und daher sei ein Radschutzstreifen dort nicht zulässig.

Mayländer: „In der Stadt wird für Radfahrer nichts getan“

Als Radfahrer, entgegnete Mayländer, könne er das „überhaupt nicht verstehen“. Radler würden von Autos und Lastwagen auch bei Gegenverkehr überholt, wenn es einen Radstreifen gebe, sehe das anders aus. Überall würden neue Radwege auf dem Land gebaut, die dann am nächsten Ortsschild endeten. „In der Stadt wird für Radfahrer nichts getan.“ Im Bereich der Stadtstraße könne zudem keine Tempo-30-Zone ausgewiesen werden, Autos hätten immer Vorrang. „An Fußgänger und Radfahrer wird nicht gedacht.“ Die gesetzlichen Vorschriften seien für ihn einfach unverständlich.

Die Dillinger Straße ist nicht breit genug für einen Radstreifen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Dieter Kircher (SPD) befürwortet jede Maßnahme, die Radfahrern und Fußgängern helfe, sagte er, und er bedaure auch diese gesetzlichen Vorgaben. Er habe sich aber die konkrete Situation an der Dillinger Straße angeschaut, und es stelle sich durchaus die Frage, ob dort ein Radschutzstreifen vertretbar ist. Autofahrer könnten dort mitunter nicht weit genug sehen, aufgrund der Straßenführung und der Vorschriften wäre ein solcher Streifen aus seiner Sicht nicht vertretbar, der nur eine „Scheinsicherheit“ gebe. Es habe schon einmal einen tödlichen Unfall in der Kurve gegeben, und die Gefahr für Radfahrer würde durch eine solche Maßnahme noch wesentlich größer.

„Wir können nicht anders entscheiden, leider“

Wilhelm Frielinghaus (CWG) wies darauf hin, dass der Verkehr nicht verlangsamt werde, weil kein Parken mehr möglich sei und dann keine Autos mehr dort stünden. Aber wenn Straßen neu- oder ausgebaut werden, „sollten wir auf den nötigen Platz achten“. Werde jetzt etwas entgegen der Vorschriften gemacht und es passiert etwas, „kommen wir in die rechtliche Verantwortung. Wir können nicht anders entscheiden, leider.“ Zudem betonte er, dass im Zuge der Stadtsanierung Straßen verschmälert worden seien, damit Lastwagen Radfahrer nicht überholen können.

Bürgermeister Konrad Barm (Freie Wähler) sagte auch, dass „wir uns für schmälere Straßen und breitere Fußwege entschieden haben“. Wo es geht, könnten gerne Radschutzstreifen kommen, „aber wir haften unter Umständen, wenn wir gegen das Gesetz handeln“. Manfred Hammerschmidt (CSU) meinte, „wir müssen den Stellen vertrauen, die das Fachwissen haben“. Zumal es im konkreten Fall auch eine andere Möglichkeit inklusive Fahrradweg gebe, zu den Supermärkten zu kommen. Letztlich wurde der Antrag für einen Radstreifen auf der Dillinger Straße mit sieben zu drei Stimmen abgelehnt – wie auch der für einen solchen auf der Industriestraße.

Der Geh- und Radweg der Industriestraße soll nicht als Radstreifen weitergehen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Bürgermeister: „Wir können warten, dass einer über den Haufen gefahren wird“

Stadtbaumeister Mihatsch hatte zuvor betont, „wir würden es schlimmer machen als es jetzt ist“. Frielinghaus hatte vorgeschlagen, bei der Sanierung der Straße darüber nachzudenken, ob man dann solche Streifen aufbringen kann. Der Bürgermeister erläuterte, dass Radfahrer theoretisch an der entsprechenden Stelle absteigen müssten, ein Radstreifen erwecke aber den Eindruck eines vermeintlichen Vorrechts. „Wir können dann darauf warten, dass einer über den Haufen gefahren wird.“

Heidi Häuser jedoch hatte für die Argumente keinerlei Verständnis, „ich bedauere das erheblich“. Radfahrer kämen von einem Radweg und müssten auf eine stark befahrene Straße einfädeln, dann müsse es zumindest einen Warnhinweis für sie und für den anderen Verkehr geben – was der Bürgermeister als kein Problem sah. Häuser sagte, sie könne es nicht nachvollziehen, „dass man dort nichts für Radfahrer tut, es ist eine ganz große Gefahrenstelle. Wer haftet denn, wenn jetzt etwas passiert?“

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24.01.2019

wieder mal eine Diskussion der Marke "Unnötig". Ich fahre jeden Tag mehrmals diese Strecke, zu unterschiedlichen Uhrzeiten, und wenn ich pro Woche 2 Radfahrer sehe, dann ist das viel. Auch im Sommer. Da wird wieder für ganz Wenige ganz viel Aufwand betrieben.

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