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Landkreis Günzburg

09.04.2015

Total vernetzt

Kaum jemand ist heutzutage nicht vernetzt. Egal ob Instagram, Facebook oder Twitter, die Bandbreite der sozialen Netzwerke wächst von Tag zu Tag. Das hat nicht nur Vorteile.
Bild: Armin Weigel, dpa (Archiv)

Soziale Netzwerke breiten sich immer schneller aus. Warum das auch Nachteile hat.

Abends gemütlich vor dem Fernseher sitzen – das gehört nach einem anstrengenden Tag einfach dazu. Nebenbei mit den Freunden über Whatsapp schreiben, gleichzeitig auf Instagram surfen und die lustigsten Youtube-Videos anschauen ist da quasi schon Routine. Außerdem darf auf Facebook nichts verpasst werden, sodass der Laptop immer im Blickfeld geöffnet bleiben muss. Soziale Netzwerke gehören zum Alltag. Sind wir etwa süchtig nach Onlinekontakt?

Überall online

In unserer vernetzten Welt ist es längst alltäglich, mehrere Medien gleichzeitig zu nutzen. „Second Screening“ nennt sich das Betrachten auf einem zweiten Bildschirm. Soziale Netzwerke ermöglichen es, jeden überall auf der ganzen Welt zu erreichen. Ob das neueste Urlaubsbild, das Frühstück oder das Feierabendbier – alles wird mit anderen geteilt. Selbst am Samstagabend in der Disco, in der Bar oder beim gemütlichen Beisammensein mit Kumpels bleibt das Handy keine zwei Minuten in der Hosentasche. Wie reagieren eigentlich reale Menschen, wenn das Handy der wirklichen Kommunikation bevorzugt wird?

Zeitverschwendung Whatsapp

Marian Mihalca findet das oft anstrengend. Der 18-Jährige erzählt: „Es ist einfach nervig, wenn man mit Freunden unterwegs ist und die nur am Smartphone hängen.“ Er selbst hat sich aus diesem Grund entschlossen, Whatsapp nicht mehr zu nutzen. Seiner Meinung nach ist das Zeitverschwendung. „Ich greife viel lieber auf traditionelle Kommunikationsmittel wie SMS und Telefon zurück.“

Kinder, die schon Smartphones nutzen

Marian findet es schade, dass immer mehr Menschen bereits im Kindesalter Smartphones haben. „Als wir in der achten Klasse waren, galt ein Smartphone als etwas Besonderes und jetzt haben bereits Grundschüler solche Geräte“, sagt der Gundremminger.

Weniger Kommunikation

Auch der Dekan des Dekanats Günzburg, Werner Brauchle, stellt wesentliche Veränderungen bei den Schülern fest. Im Schulbus habe früher viel mehr Unruhe geherrscht. Doch jetzt würden die Kinder in erster Linie an ihren Handys spielen. „Die Erwachsenen, auch die Kinder, reden einfach immer weniger miteinander“, sagt Brauchle.

Das Gespräch sollte gesucht werden

Das gleiche Phänomen bemerkt er in der Stadt. Er selbst ist höchstens telefonisch zu erreichen. „Wer mich kennenlernen will, soll dies auf persönliche Art und Weise tun. Dafür brauche ich kein Internet“, erklärt der Dekan. Er rät, vorsichtig mit den eigenen Aussagen und Bildern in sozialen Netzwerken umzugehen. Gerade die Datenschutzproblematik sieht er sehr kritisch.

Die Sache mit dem Datenschutz

Diese spitzt sich immer mehr zu. Die neuen Nutzungsbedingungen von Facebook erlauben den Betreibern der Seite, bedingungslos auf sämtliche Daten des Computers zuzugreifen. So können die Betreiber alle Aktivitäten des Nutzers, auch außerhalb von Facebook, nachvollziehen und weiterverwenden. Für Werbezwecke ist das natürlich genial. Allerdings ist es ein erheblicher Eingriff in die Privatsphäre von Millionen von Menschen.

Facebook war gestern

Marian hat deshalb schon mit dem Gedanken gespielt, Facebook nicht mehr zu verwenden. Obwohl er seinen Account für vier Wochen deaktiviert hat, plagte ihn nie das Gefühl, irgendetwas zu verpassen. Trotzdem konnte er nicht ganz davon ablassen. Jetzt besucht er das soziale Netzwerk wieder ab und zu.

Vorteile der Netzwerke

Denn selbst wenn ihm viele Dinge dort auf die Nerven gehen, erkennt er manche Vorteile, auf die er nicht verzichten möchte. Beispielsweise mag er es, von Leuten, die er viele Jahre nicht gesehen hat, etwas zu erfahren. Marian macht dieses Jahr sein Abitur und sieht vor allem in der Zeit, die danach folgen wird, keine Chance, so einfach Kontakt mir Freunden zu halten. Er weiß, dass er nach dem Abitur viele seiner Schulfreunde nicht mehr regelmäßig sehen kann. Facebook gibt ihm die Möglichkeit, den Kontakt zu halten – auch über längere Distanzen.

Kontakt halten mit fernen Freunden

„Ab und an mal von Altbekannten zu hören, was sie so machen, finde ich super. Das ist was anderes, als jeden Tag zu lesen: Tim ist gerade joggen oder Jakob hat ein Erdbeereis gegessen“, erklärt der 18-Jährige. Die rasante Entwicklung der sozialen Netzwerke ist bemerkenswert. Innerhalb weniger Jahre gewannen sie derart an gesellschaftlicher Bedeutung, dass sie aus unserem Leben kaum mehr wegzudenken sind. Vor zehn Jahren konnte noch niemand mit Begriffen wie Facebook, Twitter oder Whatsapp etwas anfangen. Vielmehr gehörten Internetseiten wie ICQ zum Vorreiter dieser Netzwerke.

Damals war alles anders...

Nathalie Billich erinnert sich: „Damals haben wir nach der Schule stundenlang gechattet.“ Dafür war allerdings noch ein Computer nötig, weil es Smartphones bekanntlich noch nicht gab. Selbst normale Mobiltelefone waren für Jugendliche lang nicht selbstverständlich. Die 27-Jährige erzählt: „Mein erstes Handy habe ich heimlich einer Freundin abgekauft.“ Ihre Mutter durfte vom Nokia 5110 nichts erfahren. Umso bemerkenswerter findet es die Ettenbeurerin, wenn heute schon Grundschüler permanent an ihren Smartphones hängen. Sie glaubt, dass für ihren einjährigen Sohn verschiedene Medien in Zukunft noch früher noch wichtiger werden.

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