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Günzburg

12.04.2019

Tragischer Badeunfall: Ein Mitverschulden ist nicht ausgeschlossen

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„Der Badebetrieb an diesem Gewässer wird nicht beaufsichtigt“ steht auf einem Schild am Badeufer des Silbersees bei Remshart. Beim Baden ist dort im Sommer 2015 ein Mann schwer verletzt worden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Am Landgericht Memmingen klagt ein querschnittsgelähmter Familienvater gegen den Landkreis Günzburg auf Schadensersatz.

Es war ein schöner Sommertag im Juli 2015. Ein 34-jähriger Mann aus dem nördlichen Landkreis Günzburg war wie viele andere beim Baden am idyllischen Silbersee bei Remshart. Doch nach einem Hechtsprung im knietiefen Wasser war nichts mehr wie vorher. Der Familienvater prallte mit dem Kopf auf und ist seitdem querschnittsgelähmt. Um mindestens 250000 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld hat das Opfer den Landkreis Günzburg als Eigentümer des Sees verklagt.

Am gestrigen zweiten Verhandlungstag am Landgericht Memmingen ging es unter anderem um die Frage, ob an der Unfallstelle tatsächlich ein Holzpflock im Wasser war und um ein mögliches Mitverschulden des Opfers.

Der Badebetrieb an diesem Gewässer wird nicht beaufsichtigt steht auf einem Schild am Badeufer des Silbersees bei Remshart. Der Landkreis Günzburg ist für die Verkehrssicherheit am See verantwortlich.
Bild: Bernhard Weizenegger
Zeuge kommt nicht zur Verhandlung

Eine erste zivilgerichtliche Güteverhandlung im Dezember vergangenen Jahres zwischen dem Kläger und dem beklagten Landkreis war gescheitert. Die gestrige Neuauflage bei der 3. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Simon Rimpl verursachte Probleme: Der von Rechtsanwalt Michael Weber (Günzburg) als Zeuge benannte Bekannte des Klägers, der beim Badeunfall dabei war, kam nicht zum Termin und war auch nicht telefonisch erreichbar. Aus Sicht von Richter Rimpl könne auf den Zeugen verzichtet werden, da dieser in seiner polizeilichen Aussage nichts vom „Hechtsprung“ des Röfingers mitbekommen hatte.

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Dann ging es um die Frage, ob an der Stelle, wo der tragische Unfall passierte, tatsächlich ein Holzpflock als Überbleibsel eines früheren Steges etwa zehn Zentimeter aus dem Grund des Silbersee rage.

Der zuständige Sachbearbeiter der Burgauer Polizeiinspektion kannte zwar schon als Kind den Steg, konnte aber nicht sagen, ob es sich um die Unfallstelle handelte. Der Beamte war eigenen Angaben nach lediglich fünf Minuten am Silbersee. Erst einen Monat später nach seinem Urlaub machte er dort Fotos für den Ereignisbericht. Dabei wurde er von einem älteren Badegast angesprochen, der ihm einen im Wasser verborgenen Klotz zeigte, der von einem früheren Badesteg stamme. Der Pflock wurde nach dem Unglück nach Rücksprache des Polizisten mit dem Wasserwirtschaftsamt Krumbach entfernt.

Der Badebetrieb an diesem Gewässer wird nicht beaufsichtigt steht auf einem Schild am Badeufer des Silbersees bei Remshart. Der Landkreis Günzburg ist für die Verkehrssicherheit am See verantwortlich.
Bild: Bernhard Weizenegger
Landkreis habe von altem Steg keine Kenntnis gehabt

Auf Luftaufnahmen, die Josef Dietrich, der Memminger Anwalt der Kreisbehörde vorlegte, ist im Jahr 2012 ein Steg erkennbar. Drei Jahre später ist dieser verschwunden. Ob es sich dabei um die Stelle handelt, an dem der Unfall passierte, blieb offen. Der Landkreis hat bisher eine Schuldanerkenntnis abgelehnt mit dem Hinweis, dass er erst im Jahr 2000 Eigentümer des Silbersees geworden sei. Die Liegewiese habe der Kreis erst im Jahr 2010 unterhaltspflichtig übernommen. Von einem entfernten Badesteg oder einem im Seegrund vorhandenen Holzstumpf habe die Behörde keine Kenntnis gehabt.

Der Anwalt des Opfers hat zum Beweis, dass die schlimmen Folgen tatsächlich von einem Holzpflock herrühren, ein Gutachten in Auftrag gegeben, das aber in der gestrigen Verhandlung nicht zur Sprache kam. Da der Gutachter festgestellt hatte, dass die Verletzungen auch durch einen Aufprall auf einem Stein oder einem anderen Gegenstand erfolgt sein könnten, wäre die Beweislage schwierig, meinte Richter Rimpl.

Sogar ein mögliches Mitverschulden des Klägers könne in Betracht kommen, was sich je nach Umfang auf die Höhe von Schadensersatz und Schmerzensgeld auswirken könne: „Ein Köpfer bei 60 Zentimeter Wassertiefe ist nicht unproblematisch“, sagte der Richter. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob die Verkehrssicherungspflicht des dafür zuständigen Landratsamtes wegen des Steges eingehalten worden sei. Sogar ein Ortstermin des Gerichts am Silbersee könne noch in Betracht kommen, wenn es für ein endgültiges Urteil nötig wäre, sagte Richter Rimpl der Günzburger Zeitung auf Nachfrage.

Am Donnerstag, 18. April, will die 3. Zivilkammer des Landgerichts Memmingen seine Entscheidung verkünden.

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