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Günzburg

21.08.2018

Wässern fürs Feuerwerk: Ist das Verschwendung?

Am Donnerstagnachmittag hatte die Günzburger Feuerwehr den Abschussplatz des Feuerwerks und den umliegenden Wald mit Wasser aus der Donau bewässert. Sie verband damit auch eine Ausbildung für Maschinisten.
Bild: Feuerwehr Günzburg

Die Günzburger Feuerwehr hat mit bis zu 70000 Litern aus der Donau die Veranstaltung beim Volksfest ermöglicht. Doch die Meinungen darüber gehen auseinander.

Trotz anhaltender Trockenheit sollte das Feuerwerk beim Günzburger Volksfest in der vergangenen Woche stattfinden. Die Feuerwehr war dazu an der Donau im Einsatz, um mit Wasser aus dem Fluss die Umgebung zu bewässern. Sonst wäre die Gefahr zu groß gewesen, dass ein Brand entfacht werden könnte. Auf der Facebook-Seite unserer Zeitung entwickelte sich, nachdem wir darüber berichtet hatten, eine rege Diskussion. Viele waren der Ansicht, dass es Wasserverschwendung sei und das Feuerwerk besser abgesagt worden wäre – ohne die Feuerwehr kritisieren zu wollen. Andere argumentierten, das Wasser sei der Natur wieder zugute gekommen. Wir haben Beteiligte und Experten befragt, was sie von der Aktion halten und wie sie im Hinblick auf die Natur zu werten ist.

Stadt Günzburg/Feuerwehr Die städtische Pressesprecherin Julia Ehrlich erklärt, das Volksfest-Feuerwerk habe Tradition, sei im Programm verankert und viele Besucher wären enttäuscht gewesen, wenn es abgesagt worden wäre. „Auch in diesem Fall hätten wahrscheinlich einige Bürgerinnen und Bürger ihren Unmut kund gemacht, warum mit dem Wasser der Donau nicht bewässert worden ist. Immerhin wird das Wasser im Naturkreislauf belassen und nicht verschmutzt, da die bewässerten Flächen nicht mit Gülle oder Ähnlichem behandelt sind, und der Wald freute sich darüber.“ Deshalb habe sich die Stadt mit der Feuerwehr – in deren Namen sie zusätzlich auf die Anfrage unserer Zeitung antwortet – und dem Pyrotechniker entschlossen, das Feuerwerk stattfinden zu lassen. Neben der Bewässerung seien auch andere Vorkehrungen wie ein der Trockenheit angepasstes Feuerwerk getroffen worden. Die Feuerwehr, die hinter der Veranstaltung stehe und dieses unterstütze, habe innerhalb etwa einer Stunde den Abschussplatz und den umliegenden Wald mit gut 60000 bis 70000 Litern Donauwasser befeuchtet. Die Bewässerung sei mit einer Ausbildung für Maschinisten verbunden gewesen. Zur Abwehr drohender Gefahr oder zu Übungen sei eine Wasserentnahme in der Regel nicht genehmigungspflichtig.

Landratsamt Das bestätigt Peter Kaufmann, beim Landratsamt in Günzburg für das Wasserrecht zuständig. „Die Feuerwehr hat hier gewisse Sonderrechte.“ Grundsätzlich müsse trotzdem immer die Frage gestellt werden, ob das Entnehmen von Wasser sich denn mit der Ökologie verträgt. In diesem Fall sei das zu bejahen, „die Menge macht der Donau nichts“. Er habe derzeit auch keine Erkenntnisse darüber, dass es wegen der Trockenheit Probleme im Fluss gebe.

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Wasserwirtschaftsamt Es sei zwar immer eine Einzelfallentscheidung, erklärt Gunther Wölfle vom Wasserwirtschaftsamt, bei der es auch um die Menge des Wassers gehe. 60000 bis 70000 Liter seien hier „nicht viel“. Grundsätzlich sei es aber „kritisch zu beurteilen“, angesichts der Trockenheit und Abflüsse Wasser aus Flüssen zu nehmen. Im konkreten Fall komme es aber wieder ins Grundwasser. Bei der Donau werde derzeit ein mittlerer Niederwasserstand registriert, es sei sehr wenig Wasser im Fluss, auch wenn es noch weniger werden könnte. In Günzburg liegt der Pegel bei einem Meter. Noch gebe es keine ökologischen Schäden, auch, weil nach Gewittern im Allgäu der Zufluss zur Donau wieder leicht gestiegen sei. Aber wenn es drei weitere Wochen keinen Niederschlag gibt, könne die Situation durchaus kritisch werden.

Naturschutz Prinzipiell sei es ja zu verstehen, eine solche Veranstaltung nicht absagen zu wollen und deshalb die Brandgefahr zu verringern. Sicherlich sei die entnommene Wassermenge auch „keine Katastrophe“. Aber, so sagt Bernd Kurus-Nägele von der Kreisgruppe des Bund Naturschutz: Die angespannte Situation im Fluss werde so verschärft, „das war jetzt vielleicht keine ganz glückliche Entscheidung, das war nicht sehr sensibel“. Eine mit dem Schutz der Umwelt begründete Absage hätte er für sinnvoller gehalten. Im Vergleich dazu, dass (Atom-)Kraftwerke Wasser aus Flüssen nehmen und erwärmt einleiten – „das ist eine Katastrophe“ –, sei das ein kleines Problem.

Kreisfeuerwehrverband Wolfgang Härtl vertritt als Kreisbrandinspektor derzeit Kreisbrandrat Robert Spiller. Er findet die Entscheidung von Stadt und Feuerwehr Günzburg „vollkommen in Ordnung“. Es sei kein Trinkwasser gewesen und der Natur auch wieder zurückgegeben worden. „Es waren ja auch keine Unmengen, eher ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der Wassermengen in der Donau.“ Bei Übungen werde ja sogar sparsam (Trink-)Wasser aus Hydranten entnommen, und auch das sei wichtig, um die Systeme zu prüfen und den Umgang damit zu trainieren. „Ein Feuerwerk ist was Schönes, es ist doch lobenswert, wenn die Feuerwehr das möglich macht. Wasserverschwendung ist das nicht.“

Was Polizei und Sanitätsdienst zum Günzburger Volksfest 2018 sagen

Die Bilanz von Stadt, Sicherheitsdienst, Rotem Kreuz und Festwirt zum diesjährigen Günzburger Volksfest ist positiv gewesen (wir berichteten). Nun erläutert auch die Polizei, wie die Veranstaltung aus ihrer Sicht gelaufen ist. Außerdem gibt es Details, die am Sonntag noch nicht bekannt waren.

Polizei Stefan Müller, der Dienststellenleiter der Günzburger Polizei, spricht von einem „ähnlichen Niveau wie in den vergangenen Jahren“. Damit meint er unter anderem die Zahl und die Art der Einsätze. Vergleichbar seien die Jahre ohnehin nur bedingt miteinander, da auch die Zahl der Besucher und die Wetterlage eine Rolle spiele. Zu den „polizeirelevanten Zwischenfällen“ zählte beispielsweise der Fall einer 15-Jährigen, die von einem ihr Unbekannten belästigt wurde, in dem er ihr an die Brust fasste und sie küsste. Ebenfalls 15 Jahre alt war ein stark alkoholisierter Jugendlicher, der von den Einsatzkräften kurzfristig in Gewahrsam genommen werden musste, um ihn anschließend seinem Vater zu übergeben. Der junge Mann wies einen Alkoholpegel von mehr als 1,5 Promille auf.

Sanitätsdienst In diesem Jahr war der Sanitätsdienst des Roten Kreuzes 69 Mal im Einsatz (darunter ein Transport des Rettungsdienstes). Vergleicht man die Zahlen mit dem Vorjahr (53 Versorgungen, davon sechs Transporte), so ist das Patientenaufkommen nur minimal gestiegen. Bei einer qualitativen Betrachtung sind laut BRK heuer die Verletzungen oder Erkrankungen weitaus weniger schwerwiegend als 2017. (mit ioa)

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Die Diskussion ist geschlossen.

23.08.2018

Brot + Spiele.
Angesichts des möglicherweise kritischen Zustandes der Donau nach dieser langen Trockenzeit und den Ernteausfällen unglaublich, und abgesehen davon: soviel zum Thema Feinstaub und Schallemissionen.
Nach mir die Sintflut - - -

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