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Günzburg

07.08.2020

Wie Schadstoffe das Leben mit MCS fast unmöglich machen: Frau droht Wohnungslosigkeit

Die Multiple Chemikalien-Sensivität (MCS) ist als Krankheit schwer zu erkennen, weil viele Beschwerden zusammenkommen müssen.
Bild: Schreenshot www.teilhabeberatung.de

Kirstin Janssen leidet an der Krankheit MCS. Ende nächster Woche hat sie in Günzburg keinen Wohnraum, wenn ihr keiner hilft. Eine Bleibe ist das drängendste Ziel.

Das Gespräch findet im Freien statt, kein Deo, kein Haargel, keine parfümierte Kleidung. Nur so geht es, mit Abstand. Denn Kirstin Janssen leidet an der Multiplen Chemikalien-Sensivität (MCS), die mit ihren Folgewirkungen als zweitschwerste Krankheit nach Herzinsuffizienz eingestuft wird.

Die 44-jährige Wissenschaftlerin erlebt seit 2013 eine Odyssee. Auf der Suche nach gesundem Wohnraum in einer möglichst schadstofffreien Umgebung hat sie viele Stationen von Nord nach Süd hinter sich. Nach nur zwei Wochen in einem kleinen Haus in Günzburg muss sie Ende kommender Woche wieder eine neue Bleibe suchen. Und noch gibt es keine Lösung.

Ehemalige Leistungsschwimmerin

Die ehemalige Leichtathletin und Leistungsschwimmerin befindet sich auf einem Leidensweg. Mit der Krankheit und mit den Schwierigkeiten der behördlichen Anerkennung dieser Krankheit. Während MCS in den USA seit den 1990er-Jahren als Behinderung anerkannt ist, hängt Deutschland weit hinterher. „Deutschland hat sich 2008 dazu verpflichtet, die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. Für umweltbedingt behinderte Menschen hat sich aber noch nichts getan. Nach wie vor fehlt barrierefreier Wohnraum, medizinische Versorgung und Mobilität. Bislang fallen die MCS-Patienten durch jedes soziale System“, sagt Kirstin Janssen.

Das Problem: MCS-Patienten sind kaum als solche erkennbar. Es ist meist ein langer Weg, bis Ärzte die vielfältigen Symptome als Multisystem-Krankheit feststellen. MCS-Betroffene haben meist eine Vielzahl unspezifischer Beschwerden wie Atemnot, Augenbrennen, diffuse Schmerzen, Haut- und Schleimhautprobleme, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, chronische Müdigkeit, Muskelschwäche, Ödeme, Verlust an Merkfähigkeit, Schwindel. Hinzu kommen schwere Erschöpfungszustände.

Umweltgifte als Ursachen

Ursachen sind Unverträglichkeiten von vielfältigen flüchtigen Chemikalien, wie Duftstoffen, Waschmittel-Zusätzen, Schimmel, Zigarettenrauch, Lösemitteln, Lacken oder Abgasen. Dabei sind die Symptome bereits weit unter den gesetzlich zulässigen Grenzwerten zu beobachten.

Die Krankheit tritt in verschiedenen Schweregraden auf. Ein Leben mit MCS ist ein gänzlich anderes: Der Gang zum Arzt oder zu Behörden wird dann unmöglich. „Bei den Ämtern kann ich aufgrund der vielfältigen Ausgasungen von Materialien, als auch die Emissionen durch Tonerstäube in den Büros nicht erscheinen. Und eine barrierefreie Kommunikation mit den Mitarbeitern (beispielsweise mit Internet-Telefonie) ist noch nicht möglich“, erklärt die 44-Jährige.

Es ist ein Teufelskreis: Es mangelt an schadstoffarmem Wohnraum. Folglich ist es ein Wohnen in Notlösungen. Jeder Umzug bringt neue behördliche Zuständigkeiten mit sich. Im Zuge des mangenden Wissens über die Krankheit bleiben wichtige Anträge über Monate hinweg liegen und das Geld wird nicht ausbezahlt.

Doch Priorität hat erst einmal eine neue Bleibe. Nun hofft sie darauf, dass ihr jemand schnell helfen kann.

Kontakt Kirstin Janssen ist erreichbar unter der Telefonnummer 0176/57984416.

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