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Waldkirch

07.11.2018

Wie sich die Waldkircher Schützen auf den Heimwettkampf in Burgau vorbereiten

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Blicken dem Heimwettkampf voller Vorfreude entgegen: Waldkirchs Trainerin Elfriede Weigelt und Nachwuchshoffnung Sebastian Schulz. Er wird am Wochenende zum zweiten Mal im Bundesliga-Team der Holzwinkler schießen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Luftpistole-Bundesligist SV Waldkirch freut sich auf seinen Heimwettkampf in Burgau. Die Nervosität im Team ist groß. Wie sich ein Youngster auf das Kräftemessen vorbereitet.

Alles ist anders in dieser vierten Bundesliga-Saison des SV Waldkirch. Der erfolgsverwöhnte deutsche Meister der Saison 2015/16 befindet sich nach eigener Darstellung in einem Jahr des personellen Umbruchs. Der Klassenerhalt ist die bescheidene sportliche Vorgabe, junge Schützen aus der eigenen Talentschmiede sollen langsam ins Team eingebaut werden. Vor den nun anstehenden Heimkämpfen in Burgau (siehe So läuft das Bundesliga-Wochenende) scheinen beide Hauptziele zum Greifen nah. Michael Holderried und Sebastian Schulz aus dem Bayernliga-Kader der Holzwinkler haben ihre Feuertaufen in der Beletage gut gemeistert, die Mannschaft steht punktgleich mit vier anderen Teams oben in der Tabelle. Die ersten vier Wettkämpfe liefen jedenfalls so überzeugend, dass die Frage erlaubt sein muss, ob Waldkirch nicht doch mit der Teilnahme am Meisterschaftsfinale liebäugelt, das Anfang Februar in Paderborn stattfinden wird. Trainerin Elfriede Weigelt reagiert mit einem verschmitzten Lächeln auf die Bemerkung und entgegnet: „Sollten wir es erreichen, werden wir uns nicht weigern, dort hinzufahren.“ Vorrangig sei aber erst einmal, die organisatorischen und sportlichen Aufgaben der kommenden Tage erfolgreich zu bewältigen. Über die beiden direkten Kontrahenten sagt Weigelt: „Keine dieser Mannschaften ist zu unterschätzen und wenn wir nicht mit dem nötigen Respekt an die Sache gehen, haben wir schon verloren.“

Es ist freilich auch eine Sache der Nerven, wenn du vor einigen Hundert Zuschauern antrittst, unter ihnen viele, viele Bekannte. Wenn du weißt, dass Heimspiel ist. Wenn in deinem Rücken ein Höllenspektakel abläuft, während du über eine endlos scheinende Zeit hoch konzentriert bleiben und dabei immer dasselbe immer perfekt liefern sollst. Die wettkampfroutinierte Cheftrainerin weiß das, nickt und sagt: „Bei unseren Leuten ist mehr Nervosität da als sonst. Man muss ein bisschen Druck rausnehmen, weil sie so motiviert und ehrgeizig sind.“ Immerhin wisse jeder einzelne Schütze, wie viele ehrenamtliche Helfer tagelang allein damit beschäftigt sind, ein seh- und spürbar feines Ambiente in die Grundschul-Turnhalle an der Remsharter Straße zu zaubern. Weigelt weiter: „Für alle Schützen geht es darum, etwas runterzufahren, die Sache entspannter anzugehen und dann die Leistung auch auf den Punkt zu bringen.“

Sebastian Schulz gehört mit 18 Jahren bereits zur Bundesliga-Mannschaft

Einer, dem das bei seinem ersten Sprung ins Haifischbecken Bundesliga sehr gut gelang, ist Sebastian Schulz. Er trug mit seinem Erfolg an Position vier entscheidend zum Waldkircher Auftakt-Sieg beim SV Kelheim-Gmünd bei. Dass er mit 370 Ringen bei Weitem nicht an seine Bestleistungen heran kam (im Training schoss er schon mal 384 Ringe, im Wettkampf stehen 383 als Topwert), juckt im Rückspiegel keinen. Der 18-Jährige sagt dazu: „Am Anfang war es extrem schlimm mit der Nervosität, das legte sich aber mit Dauer des Wettkampfs.“

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Als Elfjähriger fing Schulz mit dem Luftgewehr an zu schießen. Ein Jahr später wechselte er bei seinem Heimatverein SV Jettingen zur Luftpistole. 2015 kam er nach Waldkirch, nachdem er dort bereits einige Stützpunkt-Einheiten absolviert hatte. Längst hat der Zimmermann-Lehrling einen Fixplatz im Kader der Waldkircher LPzwo, er steht in der Bayern-Auswahl und hat durchaus nicht vor, nun in seiner Entwicklung zu stagnieren. „Wenn man Talent hat, fällt alles einfacher“, sagt der junge Mann selbstbewusst, er fügt aber auch hinzu: „Ohne Training geht gar nichts.“

Sportliche Vorbilder besitzt Schulz nicht wirklich. Wenn er zu anderen aufschauen möchte, findet er genügend Weltklasse in seiner nächsten Umgebung. Alexander Kindig zum Beispiel. Als der Burgauer vor vier Jahren Junioren-Weltmeister wurde, „das war schon sehr beeindruckend und eine große Motivation für mich“, berichtet der Youngster. Und wer weiß, möglicherweise wird er selbst ja mal an Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften teilnehmen.

Auch Sportschützen müssen körperlich fit sein

Zunächst einmal absolviert er seinen zweiten Bundesliga-Einsatz. Ob am Samstag, am Sonntag oder gar an beiden Tagen, darüber mag seine Trainerin keine Auskunft geben. Die Gegner müssten ja nicht unbedingt schon lange vor dem Wettkampf wissen, wie die einzelnen Duelle aussehen. Auch das ist Schießen: Wenn es um allerhöchste Präzision geht, ist es nie verkehrt, das Psycho-Duell am Stand für sich zu entscheiden.

An den körperlichen Voraussetzungen wird Schulz nicht scheitern. Klar ist Schießen auf dieser Ebene vor allem Kopfsache, aber es bleibt kein reiner Mentalsport. Waldkirchs Manager Peter Weigelt berichtet: „Jeder Schütze verliert pro Wettkampf ein bis zwei Kilo.“ Und seine Ehefrau, die Trainerin, merkt mit einem Blick auf Schulz an: „Ohne seine körperliche Fitness wäre er nicht da, wo er ist.“ Kraft und Ausdauer kommen freilich auch bei einem 18-Jährigen nicht von allein: Schulz ist in seiner Freizeit begeisterter Mountainbiker. Cool genug für die Bundesliga ist der Jettinger auf jeden Fall. Klar wird der Druck größer sein als bei seinem ersten Einsatz, den er fern der Heimat absolvieren konnte. Konkrete Änderungen in seiner Vorbereitung wird er aber nicht vornehmen. Gelassen sagt Schulz: „Eigentlich sollte man alles so machen wie immer. Man sollte sich nicht selbst aus dem Häuschen bringen.“

Und falls er in Zukunft mal unberücksichtigt bleibt? „Man ist als Schütze nicht neidisch, wenn andere eingesetzt werden“, berichtet Schulz. Eifersucht sei ein denkbar schlechter Ratgeber. Viel besser sei es, die Verantwortung für die eigene Leistung bei sich selbst zu suchen. Ziemlich abgeklärt formuliert der 18-Jährige: „Wenn das, was man im Training oder im Wettkampf fabriziert, nicht bundesliga-tauglich ist, schießt man halt nicht. Man will ja sein Team auch nicht in die Scheiße reiten.“

Trainerin Elfriede Weigelt hat ohnehin keine Bedenken, dass das passieren könnte. Falls mal was schief gehen sollte, steht sie bei aller Betonung des Leistungsprinzips als Erste da, um ihre Schützlinge zu trösten. „Junge Schützen dürfen auch Fehler machen. Wenn sie Angst hätten, würde es eh nicht funktionieren“, stellt sie klar.

So läuft das Bundesliga-Wochenende

Ort und Startzeiten Schauplatz des Bundesliga-Wettkampfs ist die Turnhalle der Grundschule Burgau. Am Samstag (ab 15.45 Uhr) und am Sonntag (ab 9.45 Uhr) wird es jeweils drei Erstliga-Duelle geben. Der gastgebende SV Waldkirch tritt jeweils zum Tagesfinale am Samstag ab 19.15 Uhr gegen Altheim-Waldhausen und am Sonntag ab 13.15 Uhr gegen Weil am Rhein an.

Modus und Setzorder Bundesliga-Begegnungen werden in Duellform mit jeweils fünf Schützen pro Mannschaft ausgetragen. Die Reihenfolge, in der die Schützen gegeneinander antreten, erfolgt aufgrund von Setzungen. Die wiederum ergeben sich aus den Vorleistungen der laufenden Saison.

Starterliste SV Waldkirch 1. Alexander Kindig, 2. Dimitrije Grgic, 3. Matthias Holderried, 4. Susanne Roß, 5. Sebastian Schulz, 6. Sebastian Kugelmann, 7. Michael Spindler

Rahmenprogramm Der Samstag steht unter dem Motto „Tradition und Leistungssport“. Für den späten Nachmittag werden Könige und Fahnenabordnungen von etwa 50 Schützenvereinen aus der Region erwartet. Der stellvertretende Bezirksschützenmeister Wolfgang Majewski wird in diesem Zusammenhang ungefähr 15 Schützen würdigen, die am selben Tag bei der Bezirks-Sportlerehrung in Wertingen ausgezeichnet werden. Bei einer Tombola winkt als Hauptpreis eine Luftpistole im Wert von 1900 Euro.

Eintrittspreise Jugendliche und Erwachsene zahlen pro Wettkampftag sechs Euro: Kinder bis zwölf Jahre genießen freien Eintritt.

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