Newsticker

RKI meldet mehr als 18.000 neue Corona-Infektionen
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Wird das Gaskraftwerk bei Anschlag zur Gefahr fürs AKW?

Gundremmingen/Gundelfingen

18.03.2015

Wird das Gaskraftwerk bei Anschlag zur Gefahr fürs AKW?

Nur wenige hundert Meter vom Kernkraftwerk Gundremmingen entfernt ist ein Reservegaskraftwerk in Planung. Im Stadtrat ging es nun auch darum, ob ein terroristischer Anschlag auf die Anlage das AKW gefährden könnte.
Bild: Peter von Neubeck

Ein Gaskraftwerk plant die Firma PQ Energy auf Gundelfinger Flur in unmittelbarer Nähe zum Atomkraftwerk Gundremmingen. Könnte dieses Gaskraftwerk bei einem Anschlag  das AKW gefährden? Darum ging es jetzt im Gundelfinger Stadtrat.

Was eine Gasexplosion anrichten kann, hat sich auf tragische Weise erst vergangene Woche in Echenbrunn gezeigt. Im Gundelfinger Stadtrat ging es nun auch um die Frage, wie es beim geplanten Reservegaskraftwerk der Firma PQ Energy in unmittelbarer Nähe zum Kernkraftwerk Gundremmingen mit der Sicherheit aussieht. Nicht nur die Betreiber des Kernkraftwerks hatten in ihrer Stellungnahme zum Projekt ein Gefahrengutachten gefordert. Auch ein Bürger hatte die Frage aufgeworfen, ob bei einem terroristischen Anschlag auf das Gaskraftwerk das Kernkraftwerk oder das Zwischenlager gefährdet wären.

Beides verneinte Volker Grotefeld vom Ingenieurbüro Grontmij, das die Einwendungen und Anregungen zum Bebauungsplan und Flächennutzungsplan für die Stadt ausgewertet und abgewogen hatte. Die erstellte Gefährdungsbeurteilung habe beispielsweise den Brand des Heizöllagers angenommen, aber auch einen Anschlag auf die Gaszuleitung untersucht. „In beiden Fällen besteht keine Gefahr für das Kernkraftwerk.“ Nachdem das Gas für das Reservekraftwerk über die Leitung kommen soll, und nicht vor Ort gelagert wird, würde bei einem Anschlag keine Explosionswelle entstehen. Wäre die Gaszuleitung Ziel des Angriffs, könnte es eine Druckwelle geben. Allerdings eine sehr schwache. Stünde dort, wo jetzt das Zwischenlager angesiedelt ist, ein Haus, würden dadurch nicht einmal die Fenster zerbersten, sagt der Ingenieur. Untersucht wurde daneben ein Totalschaden an der Turbine und auch ein Trümmerwurf. Bewusst habe man die Turbinen so geplant, dass Trümmer im Fall der Fälle nicht in Richtung des Kernkraftwerks geschleudert würden, so Grotefeld.

Der Dillinger Kreisbrandrat hatte in seiner Stellungnahme zum Projekt zudem darauf hingewiesen, dass die Gundelfinger Feuerwehr im Ernstfall nicht in der Lage wäre, innerhalb von zehn Minuten vor Ort zu sein. Doch das, sagt Grotefeld, muss sie auch nicht. Denn sollte das Reservekraftwerk gebaut werden, wird eine Werkfeuerwehr installiert. Dafür müssen laut Grotefeld rechtlich mindestens vier Mitarbeiter zu jeder Zeit vor Ort sein. Das sei auch in der Nachtschicht gegeben.

Daneben ging es auch um eine mögliche Verschattung durch die Schwaden aus den Kaminen. Die gibt es laut Grotefeld, bei einem Gaskraftwerk, im Gegensatz zu einem Kernkraftwerk, nicht. Lediglich beim Anlaufen der Anlage könnten sich für einige Minuten kurzzeitig Schwaden bilden.

Einen großen Raum nahmen in den Stellungnahmen auch Fragen zum Wasser ein. Maximal 200000 Kubikmeter wird das Reservekraftwerk jährlich an Grundwasser entnehmen. Nicht zur Kühlung, sondern zur Verringerung der Schadstoffemissionen. Einem hydrologischen Gutachten zufolge beeinträchtigt die Wasserentnahme den Grundwasserstand in dem Gebiet nicht. Ebenso unbegründet sei die Sorge, dass die Abgasemissionen die Natur und besonders den Auwald, schädigen. Auch hierzu, sagt Grotefeld, sei eine Studie erstellt worden. „Die Werte liegen da unter der Irrelevanzschwelle.“

Erhebliche Bedenken gegen den Standort hat auch der Landesbund für Vogelschutz. Schließlich liege das geplante Werk nur 330 Meter vom FFH-Gebiet entfernt. Hierzu erklärte der Ingenieur, dass die Verträglichkeitsuntersuchungen keine Beeinträchtigungen für die Vogelwelt ergeben hätten. Zu weiteren Einwendungen sagte Grotefeld, dass der Standort hochwassersicher liegt und nach derzeitigem Stand von Osten her erschlossen wird. Was den Lärm anbelangt, so liege man beim nächsten Wohngebäude, dem Gut Hygstetten, bereits unter dem zulässigen Grenzwert. Hauptbrennstoff des Kraftwerks ist Gas, nur falls das nicht lieferbar ist, wird mit Heizöl gefahren. Das kann aber nur mit Zustimmung des Kernkraftwerks über die Schiene geliefert werden. Alternativ ist eine Anlieferung auf der Straße denkbar. Dass das Kraftwerk irgendwann einmal von den Betreibern als Ruine zurückgelassen werde, müsse daneben auch niemand befürchten. Denn der Betreiber muss sich verpflichten, es nach dem Ende der Nutzung wieder abzubauen.

Neben PQ Energie macht sich gegenwärtig auch der RWE-Konzern darüber Gedanken, auf dem Nachbargrundstück direkt beim Kernkraftwerk ein Gaskraftwerk zu bauen. Unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen rechne sich dies allerdings nicht, hieß es jüngst bei der Präsentation in Gundremmingen. Dritter Standort in der Region für ein Gaskraftwerk ist das Areal Pro in Leipheim. Auf dem einstigen Fliegerhorst wollen die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm ein Gaskraftwerk bauen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren