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Interview

20.06.2020

Wirt der Villa Elia zu Corona: „Will man uns Lebensjahre stehlen?“

Sein Lebensmittelpunkt ist die Villa Elia in Ichenhausen. Während eines Besuches in seinem Restaurant sagt der Wirt: „Ich spiele kein Tennis, gehe nicht zum Golfen. Das hier ist mein Hobby, mein Beruf, meine Leidenschaft.“
Bild: Till Hofmann

Plus Corona-Regeln: Der Ichenhauser Wirt Georgios Vavitsas lobt und tadelt die Politik. Im Interview spricht er über Kurzarbeit und eine ärgerliche Polizeimeldung.

Wie haben Sie die schrittweisen Lockerungen für die Gastronomie empfunden?

Georgios Vavitsas: Ich habe da wirklich gemischte Gefühle. Anfangs fand ich es in Ordnung, dass die Politik zur Bekämpfung des Virus so streng reagiert hat – auch wenn ich als Wirt davon stark betroffen war und zum Teil noch bin. Ich kann mich noch erinnern, wie ich im März an einem Freitag Waren im Wert von 1500 Euro gekauft hatte. Vom einem auf den anderen Tag mussten wir schließen. Das tat weh. Was im weiteren Verlauf passiert ist, kann ich nicht mehr für gutheißen.

Was meinen Sie damit?

Wirt der Villa Elia zu Corona: „Will man uns Lebensjahre stehlen?“

Vavitsas: Na ja, diese Salamitaktik bei den Lockerungen hat nicht wirklich viel gebracht – außer uns vor große Schwierigkeiten gestellt. Zunächst durfte nach der Öffnung ja nur im Außenbereich bewirtet werden. Das hat den Menschen Angst gemacht. Nur draußen, nicht drinnen? Da bleibe ich lieber gleich daheim, war nicht nur der Gedanke. Viele haben auch so gehandelt. Mein Fazit ist also: Die Politik hat es anfangs sehr gut gemacht. Und später hat sie es sehr schlecht gemacht.

Hat Sie die zwangsweise Schließung hart getroffen?

Aus 16 Kommunionfeiern werden zwei

Vavitsas: Ja. Über Ostern gab es keine Chance, zu öffnen. Der Muttertag ist uns verloren gegangen. Und von den 16 Kommunionfeiern, die angemeldet waren, konnten wir gerade mal zwei tatsächlich bewirten.

Wie haben Sie auf diese veränderten Bedingungen reagiert?

Vavitsas: Wir haben Essen „to go“ angeboten. Das läuft jetzt immer noch ziemlich gut, obwohl Gäste inzwischen wieder kommen dürfen. Ich persönlich halte nicht viel von diesen Abhol-Lösungen. Das kann man mit dem Genuss in der Wirtschaft nicht vergleichen. In der Küche achte ich auf jeden Teller, der rausgeht, dass er entsprechend angerichtet ist. Beim „to go“ ist es möglich, dass die Bestandteile eines Gerichts durcheinandergeraten – und es dann aussieht, als ob es schon einmal gegessen worden wäre. Manchmal ist es schon zu kalt, wenn der Kunde zu Hause ankommt. Oder es schmeckt unter Umständen nach Pappe. Das merken dann vor allem diejenigen, die nicht nur essen, um satt zu werden. Dennoch haben wir diesen Service in verstärktem Maße angeboten. Und wir haben auch geliefert. Das machen wir inzwischen nicht mehr.

Es funktioniert nur, wenn die Gäste wieder kommen

Haben Sie Soforthilfe beantragt?

Vavitsas: Ja. Bei sechs festen Mitarbeitern, meiner Frau und mir habe ich 15000 Euro erhalten. Das, und die Reduktion des Mehrwertsteuersatzes war wichtig. Ich hoffe, dass wir in einem Jahr den Verlust durch die Corona-Beschränkungen wieder ausgeglichen haben. Das wird aber nur funktionieren, wenn auch die Gäste kommen. Momentan haben wir zwischen 30 und 40 Prozent weniger Umsatz.

Haben Sie Ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt?

Vavitsas: Ja, es war ja nichts los. Und das war auch nicht einfach, weil ich genau weiß, dass das Personal in der Gastrobranche nicht zum bestbezahlten gehört. Wir haben viele Mitarbeiter aus dem Ausland, die oft alleine hier sind. Das war und ist zum Teil für sie eine wirtschaftliche, aber auch eine psychologische Herausforderung. Wir fühlen uns diesen Menschen verbunden – und sind auch für sie da. Regelmäßig haben sie bei uns gegessen, um nur mal dieses Beispiel zu nennen.

Es fehlen Ross und Reiter

Und dann müssen Sie auch noch in der Zeitung lesen, dass die Polizei Gastronomen an den Geldbeutel will, die gegen die Corona-Beschränkungen verstoßen haben.

Vavitsas: Das hat mich sehr geärgert.

Warum?

Vavitsas: Weil das allgemein an den Wirten kleben bleibt. Mit „Gastronomen“ kann jeder gemeint sein. Dann soll auch Ross und Reiter genannt werden. Nach meinen Recherchen waren das alle nicht unbedingt solide Wirtsleute. Dass aber alle über einen Kamm geschert werden, ist nicht gut. Da bleibe ich dabei.

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Vavitsas: Ich bleibe trotzdem dabei.

Lebt der Opa nächstes Jahr noch?

Was hat Corona mit den Menschen gemacht?

Vavitsas: Ich finde: nichts Gutes. Ich kann Ihnen von einer standesamtlichen Trauung berichten und einer anschließenden Feier im Garten. Ein Opa des Brautpaares durfte nicht kommen, weil man ihn schützen wollte und im kommenden Jahr die Hochzeit in der Kirche folgt. Was ist das für ein Trost? Vielleicht lebt der alte Mann im nächsten Jahr schon nicht mehr. Will man uns allen ein bis zwei Jahre unseres Lebens nehmen?

Sie haben zwei Töchter. Werden Sie sie ermuntern, ebenfalls in der Gastronomie zu arbeiten?

Vavitsas: Sie haben uns in den vergangenen Wochen stärker als sonst geholfen. Aber ich würde ihnen davon abraten, diesen Beruf zu ergreifen.

Georgios Vavitsas, 54, ist seit fast sieben Jahren Wirt der Villa Elia in Ichenhausen. 15 Jahre lang hat er ab 1988 das Poseidon in Krumbach betrieben. Nach Stationen in Griechenland, Österreich, Ulm und Günzburg kam er dann nach Ichenhausen.

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