Newsticker

Personenschützer mit Corona infiziert: Heiko Maas in Quarantäne
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Achtjährige verletzt sich am See mit dreckiger Spritze

15.07.2010

Achtjährige verletzt sich am See mit dreckiger Spritze

Mit Einwegspritzen schießen sich Süchtige Rauschgift in die Adern - oft werden die Nadeln danach achtlos weggeworfen. Immer wieder verletzen sich daran Menschen. Dabei besteht die Gefahr gefährlicher Infektionen. Symbolfoto: Roland Furthmair

Neu-Ulm/Ulm Es ist der Albtraum aller Eltern: Am Montag hat sich ein achtjähriges Mädchen am Ludwigsfelder Baggersee an der Nadel einer gebrauchten Einwegspritze gestochen. Nun muss die Familie mit dem Schlimmsten rechnen, muss fürchten, dass sich das Kind mit einer gefährlichen Infektionskrankheit wie Hepatitis oder AIDS angesteckt hat. Denn die Spritze könnte ein Drogenabhängiger nach dem Gebrauch weggeworfen haben.

Herrlicher Nachmittag wird zum Albtraum

Der Nachmittag hatte herrlich begonnen. Bei strahlendem Sonnenschein war die Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, mit ihrer Tochter an den Ludwigsfelder Baggersee geradelt. Auch wenn es vom Wohnort der Familie im Alb-Donau-Kreis eine Stunde mit dem Rad an den See dauert, kommen sie gerne her. "Normalerweise sind der See und die Liegewiesen sehr gepflegt", sagt die Mutter. Doch was sie an diesem Tag im gemähten Gras gleich neben ihrer Decke entdeckt, verschlägt ihr fast den Atem: eine gebrauchte, schmutzige Einwegspritze. Die besorgte Frau will das gefährliche Fundstück in den nächsten Abfalleimer befördern, wickelt es mit spitzen Fingern in ein Papiertaschentuch, legt es nur kurz beiseite. Dann passiert es, für einen Moment passt die Mutter nicht auf, schon hat die achtjährige Tochter voll kindlicher Neugier nach dem Päckchen gegriffen und sich mit der spitzen Nadel am Zeigefinger der rechten Hand verletzt. Die Mutter ist entsetzt.

Sie bringt die Tochter in die Kinderklinik der Universität Ulm. Dort entscheidet die Ärztin, dass dem Mädchen eine Blutprobe entnommen werden muss. Nur so kann ausgeschlossen werden, dass sich das Kind mit einer Variante der tückischen Leberentzündung Hepatitis oder gar mit dem HI-Virus angesteckt hat, das die tödliche Immunschwächekrankheit AIDS auslöst.

Achtjährige verletzt sich am See mit dreckiger Spritze

Michael Bilger, Leiter der Abteilung für Grünflächen bei der Stadt Neu-Ulm, wurde von der Mutter informiert. Er bedauert den Vorfall sehr: "Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um die Liegeflächen an den Seen im Stadtgebiet sauber zu halten."

"Die Leute lassen immer mehr Dreck zurück"

Dreimal in der Woche werde der Abfall abgesammelt, derzeit sogar fünfmal, weil Hochbetrieb herrscht. "Doch die Leute lassen immer mehr Dreck zurück, das ist in den vergangenen Jahren immer schlimmer geworden", sagt er. Besonders gefährlich seien Scherben, immer häufiger ließen Badegäste auch Einweg-Grills zurück, oft mit noch glühenden Kohlen - brandgefährlich für jeden, der barfuß darauf tritt. Und ja, dass gebrauchte Spritzen oder andere Drogenutensilien im Gras liegen, das komme immer wieder vor. "Ob die Nadel im Gras liegt oder im Heuhaufen - wir finden eben leider nicht alles."

Auch die Neu-Ulmer Kriminalpolizei weiß, dass es Drogensüchtige im Sommer an die Baggerseen zieht. Schwerpunkte der Rauschgiftkriminalität seien in den Naherholungsgebieten aber nicht bekannt, sagt Leiter Jürgen Schweizer. Die Polizei gehe regelmäßig auf Streife, doch der Drogenkonsum finde heimlich und verdeckt statt. "Wenn sich da etwa eine Heroinszene entwickeln würde, wir würden das sofort unterbinden. Schweizer kann die Sorgen der Eltern des kleinen Mädchens nur allzu gut verstehen. Immer wieder kommt es vor, sagt er, dass Polizisten bei Einsätzen mit Drogenbesteck in Berührung kommen - manchmal werden sie sogar mit gebrauchten Spritzen angegriffen. Dann müssen sie auf Infektionen getestet werden. Bis die Ergebnisse vorliegen, vergehen Wochen.

Auch für die Familie der verletzten Achtjährigen beginnt jetzt eine Zeit des bangen Wartens. Frühestens in einem Monat, so haben es Ärzte gesagt, wird feststehen, ob sich die Kleine an der Spritze angesteckt hat oder nicht. Endgültige Gewissheit werde es erst nach weiteren Untersuchungen geben - in einem Vierteljahr.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren