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Memmingen

02.05.2016

Betrunkenen Rabauken eingesperrt

Betrunken ging ein 37-Jähriger aus dem Landkreis auf seine Freundin los. Nun muss er für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.
Bild: Symbolbild: Jörg Lantelme, Fotolia

Knasterfahrener 37-Jähriger geht in Senden zuerst auf seine Lebensgefährtin und dann in Illertissen auf Polizisten los. Jetzt muss er zwei Jahre und neun Monate hinter Gitter.

Selten erlebt man vor Gericht eine so große Spanne zwischen den Strafanträgen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung, und selten erlebt man einen Angeklagten, der ein völlig normales Leben führt, aber unter Alkoholeinfluss massiv straffällig wird. Vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Memmingen wurde ein 37-Jähriger, der heute im südlichen Landkreis lebt, zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, obwohl sein Verteidiger nur ein Jahr auf Bewährung beantragt hatte; im Gegensatz zum Staatsanwalt, der gleich drei Jahre und zwei Monate gefordert hatte.

Der Angeklagte stand in einem geregelten Arbeitsverhältnis und verdiente ordentlich. Aber in einer „schwierigen, streitbeladenen Beziehung“ (Richter Nicolai Braun) mit einer um ein Jahr älteren Frau mit drei Kindern rastete der Mann immer wieder aus, sodass er deswegen schon mehrfach verurteilt worden war.

Elf Tage nach dem bis dahin letzten Urteil kam es wieder zum Streit: Beide waren alkoholisiert, als der Angeklagte in seiner Sendener Wohnung der Frau „an den Kragen“ ging, sie würgte und so gegen die Wand drückte, dass sie zu Boden ging und kurzzeitig ohnmächtig wurde. Deshalb verließ ihn die Frau samt Kindern und ließ sich von einem Kollegen in ihre Illertisser Wohnung bringen.

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Dort verständigte sie am folgenden Tag die Polizei, wollte aber keine Anzeige gegen den zeitweiligen Lebensgefährten erstatten. Als sie ihn aber am Abend vor dem Haus auftauchen sah, rief sie nochmals die Polizei zu Hilfe. Gerade noch rechtzeitig. Der stark betrunkene Angeklagte trat zwar die Türe ein, aber die ersten beiden Polizeibeamten waren schnell da, weil der Wohnblock nicht weit von der Inspektion entfernt liegt. Der 37-Jährige fackelte nicht lange und ging gleich im Treppenhaus auf die Polizisten los, sodass diese Verstärkung anforderten. Mit vereinten Kräften wurde der Rabauke überwältigt. Obwohl schon gefesselt, griff er einem Beamten so in den Genitalbereich, dass dieser eine massive Hodenquetschung erlitt. Zudem kündigte er weiteres schmerzhaftes Unheil an. Unter übelsten Beleidigungen gegen inzwischen sechs Polizeibeamte gelang es diesen dann doch, den Mann ins Auto zu verfrachten, wobei er trotz Kabelbindern an den Beinen und Handschellen weiter gewalttätig war und mit Beschimpfungen um sich warf. Einem Beamten klemmte er mit der Schulter die Hand so heftig gegen die Autotür, dass über ein Jahr nach der Tat vor Gericht eine bleibende Verletzung vorwies.

Der verletzte Beamte nahm eine auf Veranlassung des Verteidigers mühsam vorgetragene Entschuldigung nicht an. Er mahnte den Angeklagten stattdessen, er solle begreifen, dass Polizeibeamte auch Menschen seien. Zwei anderen Polizisten hatte er ebenfalls in den Intimbereich greifen wollen, was ihm aber nicht mehr gelang. Schließlich war er von vier Polizisten mit dem Kopf nach unten liegend in die Arrestzelle getragen worden, und bei einem Kontrollbesuch kurz danach urinierte er diesen durch die Gitterstäbe vor die Füße.

Dann stellte sich heraus, dass er ohnehin in Kürze ein Jahr Haft hätte antreten müssen, weil ihm elf Tage zuvor aus zwei früheren Urteilen die Bewährung widerrufen worden war, und so wurde er gleich in Strafhaft überstellt, die er voll absaß.

Mehr als vierzehn Monate danach und nach acht Zeugenaussagen war nun für Richter Braun und die beiden Schöffinnen der Fall klar. Gerichtspsychiater Dr. Küthmann bestätigte dem Angeklagten hohe Aggressivität im Zusammenhang mit Alkohol und Betäubungsmitteln; eine Therapie sei jedoch aussichtslos, weil der Mann keinerlei Willen dazu zeige. Dieser wiederum behauptete, kein Alkoholproblem zu haben und bemerkte in seinem Schlusswort, dass Wegsperren bei ihm nichts bringe.

Verteidiger Kühne sah in dem Angriff auf die Frau nur einen minderschweren Fall und verwies darauf, dass der Angeklagte sein Fehlverhalten gegenüber den Polizisten eingesehen habe.

Angeklagter schlug auch schon hochschwangere Freundin

Das sah das Gericht anders: Die Vorstrafen – unter anderem hatte er schon seine von einem anderen Mann hochschwangere Freundin geschlagen – sowie die wiederholte massive Gewalttätigkeit und die Beleidigungen führten zu dem Urteil, das dem Antrag des Staatsanwaltes nahe kam. Danach, so Richter Braun, müsse er selber wissen, ob er nicht doch etwas gegen sein Alkoholproblem tun wolle.

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