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Illertissen

01.06.2020

Demonstranten wehren sich gegen Corona-Auflagen

Sarah Rothenbacher aus Tiefenbach (links mit Mikrofon) will in Illertissen auch an den nächsten Sonntagen Kundgebungen veranstalten für die Wiederherstellung aller Bürgerrechte und für eine freie Impfentscheidung.
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Sarah Rothenbacher aus Tiefenbach (links mit Mikrofon) will in Illertissen auch an den nächsten Sonntagen Kundgebungen veranstalten für die Wiederherstellung aller Bürgerrechte und für eine freie Impfentscheidung.
Bild: Regina Langhans

Plus Etwa 150 Bürger machen in Illertissen ihrem Unmut über Maskenpflicht und etwaige Impfvorschriften Luft. Es sollen noch weitere Aktionen folgen.

So lange demonstrieren, bis sich was ändert – das hat sich die Tiefenbacherin Sarah Rothenbacher vorgenommen. Vergangenen Sonntag organisierte die 31 Jahre alte Kauffrau zum zweiten Mal auf dem Illertisser Marktplatz eine Demonstration „für die Wiederherstellung aller Bürgerrechte und für eine freie Impfentscheidung“. Sie sieht diese anlässlich der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus durch den Staat gefährdet.

Etwa 150 Bürger, darunter bekannte Gesichter von Demos in Weißenhorn und Pfaffenhofen, waren dazu ohne Schutzmasken, aber friedlich unter Beachtung des geforderten Abstandes zusammengekommen. Die Polizei hatte ein Areal für 50 Personen abgesperrt, es waren auch Wortmeldungen zugelassen. Ein Sicherheitsdienst kontrollierte den Einlass. Die Zahl der umstehenden Personen dürfte doppelt so hoch gewesen sein.

Plädoyers auf dem Marktplatz für die Einhaltung der Bürgerrechte

Rothenbacher informierte über die Vorgaben, etwa die Präsenz der Polizei zum Schutz, und dass sie selbst als Veranstalterin keiner Gruppierung oder Verschwörungstheorie anhänge. Ihr Engagement erklärte sie damit, „als bodenständige Bürgerin“ den Kindern zuliebe auf die Straße zu gehen, denen die Corona-Vorschriften ein normales Aufwachsen verwehrten. Doch sie wüsste, dass es viele Beweggründe gebe, weshalb sich normale Bürger gegen Masken- und Impfpflicht wehrten. In der Summe gehe es ums Wiederherstellen der Grundrechte, so Rothenbacher. Immunitätsausweis oder Corona-App würden die Freiheit gefährden.

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Ihnen allen gehe es nicht darum, auf die von der Regierung verordneten Zwänge mit Gegendruck zu reagieren, sagte die Organisatorin. Sondern „als Mensch wie ein Fels in der Brandung dazustehen“. So demonstriere sie für die in Krisenzeiten wichtige Einhaltung der Grundrechte, gegen gleichgeschaltete Medien und Kontrollstaat. Sie spekuliere, ob es nicht gar der Plan sei, eine Opposition zu provozieren und damit die Gesellschaft zu spalten, sodass einem totalitärem Regime Tür und Tor geöffnet würden.

Von reiner Panikmache, die Zwischenmenschlichkeit und Existenzen zerstöre, sprach Petra Kühnert, die als Nächstes ans Rednerpult trat. Anhand von Zahlen wollte sie die Corona-Toten in Relation zu den übrigen Sterbefällen stellen, die im Leben zum Alltag gehörten: „Von 83 Millionen Bundesbürgern sind in Deutschland 0,21 Prozent infiziert“, sagte sie. Zumeist würden Über-80-Jährige mit Vorerkrankungen sterben, „das passiert, das ist Leben“, ergänzte die Rednerin. Sie frage sich nach den Hintergründen, Horror und Todesängste in der ganzen Bevölkerung erzeugen zu wollen, nannte es die „größten Lügen“ aller Zeiten: „Es muss etwas anderes dahinterstecken.“ Vehement lehnte sie einen Impfstoff, der „direkt ins menschliche Erbgut eingreift“, ab und sprach von „Gehorsamsprüfung fürs ganze Fußvolk“.

Daraufhin äußerte sich Marie-Luise Volk aus Kirchberg zu dem andernorts schon geäußerten Recht auf „Nicht-infiziert-zu-werden“: „Das liegt am Immunsystem des Einzelnen.“ Jeder habe es in der Hand, durch gesunde Ernährung seine Abwehrkräfte zu stärken und sich so zu schützen.

Am Ende erklingt das Lied "Die Gedanken sind frei"

Mit Fatma Kahraman meldete sich auch eine Illertisserin zu Wort. Als türkischstämmige deutsche Staatsbürgerin sei sie hierzulande frei aufgewachsen, was heutigen Kindern nicht mehr gewährt werde: „Sie wissen nicht, wie ihnen geschieht, müssen Masken tragen und treffen keine Freunde.“ Das bremse ihre Entwicklung, was vielleicht nicht mehr gutzumachen sei.

Die Redner erhielten laute Zustimmung und Bravo-Rufe, wobei etliche Demonstranten ihr Credo auf T-Shirts zeigten. Etwa: „Was mache ich, wenn Covid-20 kommt?“ Oder: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ Die Veranstaltung endete auch friedlich.

Ein Ulmer Unternehmer lud alle zum gemeinsamen Lied „Die Gedanken sind frei“ ein und begleitete dabei auf seiner Gitarre. Er war zur Demo gekommen, weil ihn die heutigen Maßnahmen an die Zeit der 1930er-Jahre erinnere, als Hitler mit restriktiven Maßnahmen die Macht ergriff, erzählte er. Die damalige Jugendbewegung war das Thema seiner Doktorarbeit. Am Ende ermunterte die Veranstalterin, kommenden Sonntag zur gleichen Zeit am gleichen Ort weiter zu demonstrieren. Auf die Frage, wie lange sie daran festhalten wolle angesichts des offenen Endes der staatlichen Maßnahmen, antwortete Rothenbacher nicht.

Auch in anderen Orten in der Region wurde schon gegen die Corona-Auflagen demonstriert:

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