Auszeichnung

18.07.2012

Der Bach-Preisträger

Erfolg für den gebürtigen Illertisser Benno Schachtner: Er ist Bach-Preisträger.
Bild: Mittelbach

Zum ersten Mal ist mit Benno Schachtner ein Countertenor unter den Siegern

Illertissen/Dietenheim Ganz überraschend kam, auch für Benno Schachtner selbst, der große Erfolg beim XVIII. Internationalen Bach-Wettbewerb in Leipzig. Der vor 27 Jahren in Illertissen geborene Musiker wurde dort Preisträger.

Schachtner hat in Detmold Orgel und Kirchenmusik studiert, unter anderem bei Professor Gerhard Weinberger, aber eigentlich wirkt er als Sänger, denn nach der fördernden Ausbildung seiner hohen Tenorstimme bei Heiner Eckels wandte er sich an die für die historische Aufführungspraxis berühmte Schola Cantorum Basel, um sie bei Ulrich Meßthaler endgültig zur Konzertreife zu entwickeln. Zwischendurch baute der viel beschäftigte Dietenheimer in der Vöhringer St.-Michaelskirche einen Chor auf.

130 Teilnehmer hatten sich angemeldet und eine DVD eingeschickt. 56 wurden eingeladen, von denen nach der ersten Gesangsrunde 20 übrig blieben. Nach der zweiten Runde waren es noch sechs, und den letzten drei Kandidaten war nach dem Semifinale der Titel „Bach-Preisträger“ bereits sicher. „Wir mussten verschiedene Werke, darunter auch von Mozart und Hugo Wolf vortragen, immer aber war ein Bach dabei, der besonders bewertet wurde. Zum Schluss sang ich die Solokantate BWV 169 ,Gott soll mein Herze habe’ für Alt.“ Außer dem zweiten Preis, den Benno Schachtner für seinen Vortrag erhielt, zeichneten ihn auch die begleitenden Musiker mit dem ursprünglich gar nicht vorgesehenen Preis des Orchesters aus. Schachtner ist übrigens der erste Countertenor, der sich „Bach-Preisträger“ nennen darf.

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Schon in jungen Jahren, als Bundespreisträger von „Jugend musiziert“, hatte sich bei Benno Schachtner eine spätere Sängerkarriere angedeutet. Warum es das bis vor einiger Zeit noch seltene Fach „Countertenor“ wurde, erklärt er so: „Ich verfüge über eine kräftig ausgebildete Kopfstimme und damit für die nötige Voraussetzung.“

Vor einiger Zeit war der Countertenor, auch Altus genannt, noch eine Rarität. Mittlerweile hat ein Boom auf dieses Fach eingesetzt. „Das ist auch gut, denn jetzt steigen die Ansprüche“, erklärt er selbstbewusst. Schachtner glaubt an seine Chance, jetzt als Bach-Preisträger umso mehr. Immerhin hat er sich schon einen guten Namen geschaffen. Bei dem renommierten Dirigenten René Jacobs, der vorher selbst Countertenor war, sang er bereits eine Rolle in der Oratorien-Oper „Rappresentazione di Anima e di Corpo“ von Emilio De’ Cavalieri in der Berliner Staatsoper. Und zwar mit solchem Erfolg, dass ihn Jacobs für eine Tournee mit Bachs h-Moll-Messe verpflichtete. In der kommenden Spielzeit wird Schachtner am Theater in Erfurt die Titelpartie in der Händel-Oper „Julius Caesar“ singen und beim Silvesterkonzert in Lissabon im wiederentdeckten Werk eines italienischen Barockmeisters auftreten. Auch vom Staatstheater Braunschweig erhielt der junge Countertenor eine Verpflichtung für das kommende Jahr.

Seine Preise beim Bach-Wettbewerb verdankt er übrigens „zu einem beträchtlichen Teil“, wie er sagt, dem glänzenden Begleiter Christian Weiherer. Der Kirchenmusiker an St. Josef in Memmingen, sein ehemaliger Orgellehrer, habe ihn am Cembalo, am Flügel und an der Orgel in den Vorrunden prächtig unterstützt. „Wir sind perfekt aufeinander abgestimmt“, sagt er, „und das war ein unschätzbarer Vorteil für mich.“

Sonntag mit Kammerchor in Vöhringen

Die Vöhringer Kirchenbesucher können sich freuen. Am kommenden Sonntag, 22. Juli, um 10.30 Uhr, umrahmt Benno Schachtner mit dem von ihm geleiteten Kammerchor „il suono“ den Gottesdienst in St. Michael. Der Chor aus erfahrenen Sängern, größtenteils Studenten, gibt dann am Nachmittag um 16 Uhr ein Konzert in Bad Wörishofen.

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