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Vöhringen

30.05.2014

Die Iller: Vom Kanal zurück zum Fluss

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3 Bilder
Noch sind die Spuren der Bauarbeiten zur Renaturierung zwischen Flusskilometer 14,6 und 13,6 deutlich zu sehen. Doch nach und nach könnten sich wieder echte Auwälder entwickeln.
Bild: Michael Seefelder

Zwei bundesländer feiern Abschluss der Renaturierung zwischen Kilometer 14,6 und 13,6

Großes Kino gab es gestern an der Iller bei Vöhringen: Kamerateams waren angerückt, schwere Regierungslimousinen fuhren auf der Schotterpiste bei Flusskilometer 13,8 vor. Minister, Landräte, Bürgermeister, Stadträte, Naturschützer, Fischer, Firmenvertreter und interessierte Bürger waren gekommen, um den einen Kilometer langen, renaturierten Flussabschnitt gebührend einzuweihen. Ein Zelt war dazu aufgebaut, Musik spielte.

Alle Redner betonten gleichermaßen den Gemeinschaftscharakter des Projekts, bei dem die Länder Bayern und Baden-Württemberg genauso wie die Kommunen Vöhringen und Illerrieden eng zusammengearbeitet haben. 3,5 Millionen hat die Renaturierung des Illerstücks gekostet, bezahlt je zur Hälfte von den beiden Bundesländern. Die Bauzeit betrug rund ein Jahr.

Die Iller bei Vöhringen ist im Zuge der Arbeiten breiter geworden. Auf einer Länge von 1000 Metern wurde das Flussbett von 40 auf durchschnittlich 60 Meter aufgeweitet. Die Flusssohle wurde durch eine lockere Belegung mit Steinen erhöht und stabilisiert. Künftig wird die Aue bei kleineren Hochwässern überschwemmt, die Rinnensysteme im Gebiet Wochenau geflutet. Damit sollen wieder die Bedingungen für einen natürlichen Auwald geschaffen werden, so das Regierungspräsidium Tübingen. Zum Schutz des Brunnens Wochenau wurde eine Dichtwand mit Geländemodellierung erstellt.

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Wie Bayerns Umweltminister Marcel Huber sagte, werde nun im Nachhinein korrigiert, was sich als schadensreich erwiesen habe. Gemeint ist der Umbau des ursprünglichen Gebirgsflusses, wie er bis vor rund 150 Jahren existierte, zu einem beinahe kanalartigen Gebilde – mit drastischen Folgen für Flora, Fauna und Mensch. Wichtig sei es gewesen, die Bürger einzubinden, dadurch hätten „die Maßnahmen, die hier passieren, eine hohe Anerkennung“, sagte Huber. Weiter gehe es nun mit dem nächsten Abschnitt bis zum Wehr in Ay. Bis Ende des Jahres soll es dazu einen Vorentwurf geben, so der Minister.

Sein Kollege aus Baden-Württemberg, Franz Untersteller, nannte die Renaturierung ein „Paradebeispiel für gute Zusammenarbeit“. In seiner Rede ging er auf die Übereinkunft zwischen Bayern und Württemberg über eine „Flusskorrektion“ im Jahr 1859, ein. Darin hieß es, die Iller verwüste „beste Ländereien“ und breite sich in „abnormer“ Weise jenseits der Ländergrenzen aus. Heute gelte es, die Veränderungen an dem Fluss, die damals mehr Landwirtschaftsflächen und somit einen Fortschritt gebracht hätten, „abzumildern“. Untersteller betonte, dass man sich keinen Illusionen hingeben dürfe: Auch heute stünde die Gewässerökologie noch nicht im Vordergrund. Sie sei jedoch vom ungeliebten Stiefkind zur kleinen Schwester aufgestiegen, so der Minister.

Vöhringens Bürgermeister Karl Janson, der auch im Namen des Illerrieder Rathauschefs Jens Kaiser sprach, sieht in der Renaturierung einen gelungenen Ausgleich verschiedener Interessen. Was geschaffen worden sei, könne sich sehen lassen. Es sei ein hochwertiger Lebens- und Erholungsraum entstanden. „Die Iller hat an Lebendigkeit und Dynamik gewonnen“, so Janson.

Peter Faigle vom Regierungspräsidium Tübingen Landesbetrieb Gewässer stellte die Maßnahme im Detail vor. Er erinnerte an das Hochwasser im Juni vergangenen Jahres, bei dem die gesamte Baustelle aus Sicherheitsgründen abtransportiert werden musste. 35000 Tonnen Stein seien bei der Renaturierung verbaut worden (sogenanntes offenes Deckwerk). Eine Niedrig-Wasser-Rinne biete Fischen einen geeigneten Lebensraum.

Mit einer symbolischen Geste endete die Feierstunde an der Iller: Vertreter der Vöhringer Fischereigemeinschaft setzten einige Bachforellen, Huchen und Äschen in die Iller. Besonders die beiden letzteren Arten haben in der Vergangenheit unter der Verbauung der Iller gelitten und mussten bei der Population einbüßen.

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