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Tiefenbach

17.03.2015

Die Tante Emma von heute

Kleine Geschäfte gingen vielerorts pleite
Bild: Madeleine Schuster

Seit fünf Jahren betreibt Dana Neuhäusler in Tiefenbach den kleinen Supermarkt „Um’s Eck“. Auch andernorts feiern Dorfläden eine Art Renaissance. Einfach ist das Geschäft aber nicht.  

Tiefenbachs Tante Emma heißt Dana Neuhäusler und packt gerade Brötchen ab. Zwei runde Semmeln in die Tüte, danach ein kurzes Pläuschchen mit dem Kunden. Neuhäusler kennt sie fast alle. „Die Nähe zum Kunden ist wichtig“, sagt sie und reicht die frischen Backwaren über den Tresen. „Wer im Wettbewerb mithalten will, muss vor allem mit Freundlichkeit punkten.“ Und Neuhäusler muss es ja wissen.

Seit fünf Jahren betreibt die Tiefenbacherin im rund 2000-Einwohner großen Ortsteil von Illertissen einen kleinen Supermarkt. Tiefenbachs „Um’s Eck“ ist so etwas wie der Tante-Emma-Laden des 21. Jahrhunderts. Auf den 180 Quadratmetern gibt es Obst und Gemüse – genauso wie Getränke, Konserven, Zeitschriften, Süßigkeiten, Brot, Brötchen oder frische Wurst. „Alles, was es auch in einem großen Supermarkt gibt“, sagt Neuhäusler. Nur eben in kleineren Mengen – und ohne Knüller-Preise.

Denn: Womit vor allem Discounter ihre Kunden locken, kann Neuhäusler in ihrem Laden nicht mithalten. Kein Wunder also, dass das Kaufmannsmodel vor einigen Jahren eigentlich schon für tot erklärt worden war. Während die großen Märkte wuchsen, gingen die kleinen Geschäfte pleite. Aus Orten mit weniger als 5000 Einwohnern haben sich die Handelsketten fast völlig verabschiedet – wo die Kaufkraft nicht da ist, lohnt sich auch die Eröffnung neuer Filialen nicht.

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Zu spüren bekommen das vor allem die Menschen auf dem Land. Auch Tiefenbach war vor fünf Jahren betroffen. Als der damalige Lebensmittelladen dicht machte, waren gerade die Älteren aufgeschmissen. Aber auch jüngere Leute waren genervt, weil sie nun für Kleinigkeiten zwischendurch oder die Tüte Brötchen am Wochenende ins Auto steigen mussten. Drei Monate lang ging das so – bis Dana Neuhäusler den Laden wieder eröffnete. „Den Menschen vor Ort hat etwas gefehlt“, sagt sie. Auch, wenn die Entscheidung, den kleinen Supermarkt von den Vorbesitzern zu übernehmen, für sie nicht einfach gewesen sei. „Als Selbstständiger ist die Angst immer da. Das Risiko ist groß.“ Der Umsatz reiche zwar zum Überleben, „reich wird man damit allerdings nicht“, sagt Neuhäusler.

Von den rund 25 Milliarden Umsatz, die Bayerns Lebensmitteleinzelhändler allein im vergangenen Jahr eingenommen haben, bekommen Geschäfte wie Neuhäuslers „Um’s Eck“ nur wenig ab. „Es gehört viel Enthusiasmus und Herzblut dazu, um so etwas durchzuziehen“, sagt Neuhäusler.

Wie wichtig die kleinen Läden dennoch für eine Dorfgemeinschaft sind, weiß auch Petra Schwandt, Wirtschaftsbeauftragte der Stadt Illertissen. Nicht nur für die tägliche Verpflegung. „Sie sind ein Ort, an dem sich die Dorfgemeinschaft trifft, ins Gespräch kommt und sich austauschen kann.“ Egal ob nun als privat geführter Supermarkt wie in Tiefenbach – oder als Dorfladen in Genossenschaftsform wie etwa in Jedesheim oder Au. „Wo sonst bekommt man mit, was so los ist im Dorf?“, fragt Schwandt.

Genau dieser Punkt sei es auch, warum sich die Dorfläden in den vergangenen Jahren wieder größerer Beliebtheit erfreuten. „Das Einkaufsgefühl ist dort ein völlig anderes“, sagt Schwandt. Anders als in Discountern oder großen Supermärkten sei der Kunde hier nicht anonym. Auf den Sympathiebonus der Bürger können sich die Tante-Emma-Läden von heute allerdings trotzdem nicht verlassen.

„Am Ende zählt für viele immer noch der Preis“, sagt Neuhäusler. Um die Kunden in ihren Markt zu locken, setzt die Unternehmerin vor allem auf regionale Produkte. „Und auf die Bedürfnisse meiner Kunden.“ Auch, wenn sie aus wirtschaftlichen Gründen nicht jeden Wunsch erfüllen könne. „Wenn ein Kunde etwas Bestimmtes haben will, versuche ich aber schon, das zu organisieren.“ Genau das mache ihn eben aus – den Tante-Emma-Laden von heute.

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