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Neu-Ulm/Vöhringen

13.07.2018

Ein Lehrer aus Leidenschaft sagt Ade

Peter Hausladen, Direktor der Christoph-Probst-Realschule, geht Ende Juli in den Ruhestand.
Bild: Ursula Katharina Balken

Peter Hausladen, Direktor in Neu-Ulm lange Lehrer in Vöhringen, geht Ende des Monats in den Ruhestand. Was er über die Jugend von heute und deren Eltern sagt.

Ganz entspannt sitzt Peter Hausladen auf der Terrasse seines Hauses, vor sich sein Laptop. „Das ist mein künftiger Arbeitsplatz“, sagt er und lacht. Als Lehrer, der sich intensiv mit Informationstechnologien beschäftigt hat, wird er sich diesem Gebiet auch dann widmen, wenn er im Ruhestand ist. Ende Juli wird der 65-Jährige die Tür an der Neu-Ulmer Christoph-Probst-Realschule, an der er seit 2009 Schulleiter ist, hinter sich zu ziehen. Dann geht eine Zeit zu Ende, die er mit Leidenschaft für den Beruf durchlebt hat.

Sein Berufsweg war geradlinig. „Ich wusste schon als Schüler, dass ich Lehrer werden wollte.“ Aber um gleich Witzeleien die Spitze zu nehmen, fügt er an, „aber nicht wegen der Ferien. Mir war die Arbeit mit jungen Menschen wichtig und hat mir immer sehr viel Freude gemacht.“ Mathematik und Physik waren seine Fächer und dafür entschied er sich auch im Studium. „Als dann in den 90er Jahren die Informatik in den Schulen Einzug hielt, sprang ich auf diesen Zug auf und habe mich in den letzten Jahren verstärkt der Informationstechnologie zugewandt.“

Hausladen kommt aus der Oberpfalz, zog mit seinen Eltern nach Landshut, um nach einem weiteren Umzug in die zwölfte Klasse des Landsberger Gymnasium einzusteigen und dort sein Abitur abzulegen. 1982 kam er nach Vöhringen und blieb dort 26 Jahre lang. „Aber das war ein wehmütiger Abschied von dieser Schule und von den Kollegen, denn wir waren wie eine Familie.“

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Beworben hatte er sich um die Direktorenstelle in Neu-Ulm schon lange. „Aber die Nachricht erreichte mich genau an dem Tag als wir in Vöhringen unsere Absolventen verabschiedeten. Das habe ich dann in meiner Rede einfließen lassen.“ Hausladen gibt offen zu, dass er in dem Moment schon habe schlucken müssen und mit seiner Fassung kämpfen musste. „26 Jahre an dieser Schule – das ist schon eine lange Zeit.“ Seine neue Aufgabe reizte ihn. Dass die Realschule nach dem Widerstandskämpfer im sogenannten Dritten Reich benannt ist, wird den Schülern nahegebracht. Christoph Probst stand der Widerstandsbewegung der Weißen Rose nahe, die eng mit den Geschwistern Scholl verbunden ist. Alle drei bezahlten ihren Einsatz gegen die Diktatur mit dem Leben. „Einmal im Jahr haben wir einen Christoph-Probst-Tag, um der mutigen Jugendlichen von damals zu gedenken.“

Wenn er Menschen heute oft sagen hört, ich möcht‘ kein Lehrer sein, die Jugend ist so schwierig geworden, dann widerspricht Hausladen energisch. „Ja, sie mag schwieriger erscheinen, aber der Umgang mit den jungen Menschen ist auch reizvoller, man kann mit ihnen über Probleme reden, die durchaus sehr vielfältig sein können.“ Für ihn ist es eine interessante Entwicklung, dass immer mehr Schüler nach akademischen Berufen streben. „Zu viele richten heute ihre Zukunft auf ein Studium aus. Es werden vermehrt handwerkliche Berufe gesucht.“

Hausladen merkt man an, dass er mit Leidenschaft Lehrer ist. Hat er ein Rezept, warum er so gut bei den Schülern ankommt? „Nicht zu streng, nicht zu freundlich, man muss den goldenen Mittelweg finden, vor allem Gerechtigkeit walten lassen.“ Auch sollte man den Jugendlichen Verantwortung zutrauen, „da braucht man eben ein gewisses Fingerspitzengefühl.“ Dieses Verantwortung-Zugestehen bezieht Hausladen auch auf die „Helikopter-Mütter“, die meinen, ihre Kinder auf Schritt und Tritt beschützen zu müssen. Wichtig ist für den scheidenden Pädagogen der Kontakt mit den Eltern. Ja, räumt Hausladen ein, es könne schon schwierige Eltern geben, „aber das Gros ist kooperativ.“ Was ihn stets mit Freude erfüllt, ist die Begegnung mit Ehemaligen, die bereits im Berufsleben fest Fuß gefasst haben. „Da reden wir dann von den alten Zeiten.“

Die offizielle Verabschiedung findet am Donnerstag, 19. Juli, 12 Uhr, im Bürgerhaus Senden statt, weil die Schule in Neu-Ulm über keine geeigneten Räumlichkeiten verfüge. Und nach dem Abschied, „erst mal wegfahren, aber mit Laptop“, sagt Peter Hausladen und lacht.

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