Newsticker

Bei hohen Zahlen: Söder fordert eine bundesweite Maskenpflicht
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Eine Oase der Menschlichkeit

Einweihung

25.04.2015

Eine Oase der Menschlichkeit

Roswitha Nodin (links), Vorsitzende des Fördervereins Hospiz Illertissen, freut sich mit zahlreichen Ehrengästen über die feierliche Einweihung des Benild-Hospizhauses beim Schulzentrum.
4 Bilder
Roswitha Nodin (links), Vorsitzende des Fördervereins Hospiz Illertissen, freut sich mit zahlreichen Ehrengästen über die feierliche Einweihung des Benild-Hospizhauses beim Schulzentrum.

Das Benild-Hospiz wird seiner Bestimmung übergeben: der Begleitung Sterbender auf ihrem letzten Weg. Wie aus einer Vision durch riesiges Engagement Wirklichkeit wurde

Es geht an diesem strahlenden Nachmittag letztlich um den Tod – und doch sind alle glücklich. Denn nach 13-monatiger Bauzeit wird neben dem Illertisser Kolleg der Schulbrüder das Benild-Hospiz eingeweiht. Das frühere Internat und Lehrer-Wohnhaus wurde für rund 2,1 Millionen Euro aus- und umgebaut, präsentiert sich jetzt als ein modernes, lichtdurchflutetes Haus, das eher an ein attraktives Hotel mit Wellness-Charakter erinnert, denn an einen Ort zum Sterben. Genau dies ist auch die Botschaft des gestrigen Nachmittags – im Benild-Hospiz geht es um ein würdiges, menschliches Leben. „Was für ein wunderbarer Tag“, sagt Roswitha Nodin bei der Feierstunde. Die Vorsitzende des Fördervereins Hospiz Illertissen zeigt sich „überglücklich“ darüber, wie schön alles geworden sei. Dass nun im Mai die ersten Gäste einziehen können, sei nur durch das Zusammenwirken zahlreicher Unterstützer möglich geworden. Zuallererst sei den Schulbrüdern zu danken, wandte sie sich direkt an den eigens angereisten Bruder Norbert Fleig, den früheren Provinzial. Als der Orden, der jahrzehntelang in Illertissen Bildungsgeschichte geschrieben hat, die Stadt vor drei Jahren verließ, schenkte er sein Benild-Haus, das ein Teil des Internats war, dem Hospizverein – mit der Auflage, dort innerhalb von drei Jahren ein stationäres Hospiz einzurichten.

Der Hospizgedanke, die Idee, unheilbar Kranken auf ihrem letzten Weg mit liebevoller Pflege und schmerzlindernder medizinischer Behandlung beizustehen, hat in Illertissen eine lange Tradition. Doch bislang kamen die Sterbebegleiter zu den Todkranken nach Hause. Die Idee für ein stationäres Hospiz war von der in den 1990er Jahren gegründeten Gruppe der Hospizhelfer um Gerti Keßlinger geboren worden, die dafür großen Beifall erhält. Vor viereinhalb Jahren entstand dann der Förderverein Hospiz Illertissen, so dessen Stellvertretender Vorsitzender Ansgar Batzner. Nach seinen Worten haben inzwischen rund 8000 Menschen aus der ganzen Region das Projekt Benild-Hospiz unterstützt. „Unglaublich und beispielhaft für ganz Bayern“ sei der Rückhalt in der Politik gewesen. Die Bayerische Europaministerin Beate Merk, Bezirksrat Herbert Pressl, die frühere Illertisser Bürgermeisterin Marita Kaiser und Altlandrat Erich Josef Geßner hätten sich als zugkräftige Hospiz-Quadriga erwiesen. Auch auf den neuen Landrat Thorsten Freudenberger und Kaisers Nachfolger Jürgen Eisen sei Verlass.

Von Bezirk, Landkreis und Stadt Illertissen kommen große finanzielle Bausteine für das Benild-Hospiz. Die Kommunen des Landkreises, mit Ausnahme Neu-Ulms (das sich am Ulmer Hospiz beteiligt), unterstützen die neue Einrichtung in Illertissen mit einem Euro pro Bürger und Jahr. Auch aus den Nachbarlandkreisen Alb-Donau-Kreis, Biberach, Unterallgäu und Günzburg fließen Zuschüsse. Schier endlos sei die Liste der Stiftungen, Firmen, Banken und Privatpersonen, die für das Hospiz gespendet haben.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

„Geschenk für schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen“

Schirmherrin des Vorzeigeprojekts ist Beate Merk. Die Ministerin sieht im Benild-Hospiz eine „Oase der Menschlichkeit, ein unbezahlbares Geschenk für schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen. Hier gehe es „nicht um Hilfe zum Sterben, sondern um Hilfe im Sterben“.

Im Hospizgebäude werden künftig auch das Trauercafé, die Kinder-Trauer-Gruppe und die Gruppe Verwaiste Eltern unterkommen.

Bei der Einweihung stellt sich auch Karin Kalsen vor, die Leiterin der Einrichtung. Sie ist verantwortlich für ein Team, das aus 16 Mitarbeitern besteht. Die sympathische, zierliche Frau mit den langen grauen Haaren kommt aus Braunschweig und hat dort bereits ein Hospiz geleitet. Sie sei einmal gefragt worden, wie diese Arbeit sie verändert habe, berichtet sie. Ihre Antwort: „Wichtige Dinge schiebe ich nicht mehr auf – morgen kann es zu spät sein.“

Den kirchlichen Segen spenden die evangelische Ortsgeistliche Susanne Scharrer und Pater Johannes vom Prämonstratenserorden im Kloster Roggenburg. Er wird künftig auch der katholische Haupt-Seelsorger im Benild-Hospiz sein.

Am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag öffnet das Benild-Hospiz in der Bruckhofstraße 6 beim Illertisser Schulzentrum jeweils von 10 bis 16 Uhr seine Türen für Interessierte.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren