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Illertissen

26.12.2020

Eine Weihnachtsgeschichte aus Bellenberg

So schön geschmückt war der Wald noch nie.
Bild: Claus Braun

Plus Heidi Jung aus Bellenberg hat sich eine Weihnachtsgeschichte ausgedacht: Die Tiere im Hinterwald stellen ein beeindruckendes Fest auf die Beine. Und vergessen dabei eine wichtige Sache.

Heidi Jung aus Bellenberg hat eine zauberhafte Weihnachtsgeschichte verfasst - Tiere feiern Weihnachten in Hinterwald: Eichhörnchendame Kiki war gerade beim Weihnachtsputz, als es an der Haustür klopfte. Genervt trocknete sie ihre Hände an ihrer Schürze ab und murrte: „Wer kommt denn da so ungelegen? Kann man denn nie in Ruhe arbeiten?“ Doch zum Glück war es nur der Postbote. Herr Specht brachte wie jedes Jahr eine Weihnachtskarte von Onkel Walter.

Kiki freute sich, denn Onkel Walters Karten waren immer ganz besonders hübsch. Mit ganz viel Glitzer, herrlichen Weihnachtsmotiven und einem schönen Weihnachtsgedicht. Gespannt klappte sie die Karte auf und begann zu lesen … doch was war das denn? Kiki rieb sich die Augen und fing noch mal von vorne an. Das war ja gar kein Gedicht. Onkel Walter kündigte seinen Besuch an. Ach herrje, das war ja eine schöne Bescherung!

Kiki wurde es angst und bange. Sie hatte sich so sehr auf eine besinnliche und geruhsame Weihnachtszeit mit der Familie gefreut. Und nun so was … Was wohl ihr Mann Tim dazu sagen würde? Er konnte Walter nicht ausstehen.

Ihr Onkel machte es einem aber auch nicht einfach. Dauernd spielte er den Großkotz und Prahlhans und hielt sich für etwas Besseres, weil er im Stadtpark wohnte. „Mein Kobel ist nobel“, pflegte er zu sagen, wenn er sich mit gerümpfter Nase in ihrer einfachen Wohnung umschaute. Und dann kam auch noch immer sein Spruch: „Wollt ihr denn für alle Zeiten Hinterwäldler bleiben? Kommt doch mit mir in den Park.“

Das letzte Mal, als er das sagte, hatte sich Tim darüber so aufgeregt, dass er drauf und dran war, Walter aus der Wohnung zu werfen. Kiki war es gerade noch gelungen, ihn mit einem Latschenkiefer-Likörchen zu besänftigen.

Die Erinnerung daran war aber noch so lebendig, dass sie völlig niedergeschlagen da saß, als ihr Mann nach Hause kam. Tim merkte dann auch gleich, dass etwas nicht stimmte und als seine Frau erzählte, was los war, fiel ihm sofort wieder sein Ausrutscher ein. Und weil er sich noch immer dafür schämte, versprach er ernsthaft: „Diesmal werde ich mich beherrschen. Wir kriegen das schon hin.“ Als er dann aber später beim Stammtisch im „Wald-stüberl“ mit seinen Freunden zusammen saß, ließ er seinen Frust doch ’raus und moserte: „Ich hör Walter schon schwärmen, wie herrlich der Stadtpark in der Weihnachtszeit ist. Überall Lichter, Glitzersterne und Girlanden, herrliche Düfte und dazu stimmungsvolle Weihnachtsmelodien. Da könnten wir Hinterwäldler nicht mithalten.“ Seine Stammtischbrüder waren aufgebracht und schrien wild durcheinander:

„Wie nennt der uns? Hinterwäldler. Na, dem eingebildeten Fatzke werden wir zeigen, was eine Hinterwäldler-Weihnacht kann.“ Und nach ein paar Krügen Tannenzapfen-Bier waren sie nicht mehr zu bremsen. Jeder hatte eine Idee, wie man Walter eines Besseren belehren könnte. Es ging sogar so drunter und drüber, dass Herr Specht erst ein paar Mal auf den Tisch klopfen musste, damit wieder Ruhe einkehrte.

Schulmeister Wiedehopf nahm dann die Planung in die Hand und gab zu bedenken, dass zuerst ein geeigneter Platz gefunden werden müsse. Man könne ja schließlich nicht den ganzen Wald schmücken. Aber dieser erste Punkt konnte schnell abgehakt werden, denn Rehbock Antons Vorschlag, die Weihnachtsfeier rund um die Futterkrippe abzuhalten, fand bei allen Zustimmung. Auch in puncto „Weihnachts-Deko“ und „Bewirtung“ gab es keine große Debatte. Diese Aufgaben sollten ihre Frauen übernehmen. Blieben also nur noch die Beleuchtung und die Weihnachtsmusik.

Doch das mit den Lichtern erwies sich als ein echtes Problem, denn Kerzen waren kein Thema. Offenes Feuer im Wald war strengstens verboten und eine andere Möglichkeit gab es nicht. Die Tiere waren ratlos.

Doch gerade als die gute Stimmung zu kippen drohte, kamen die Lumi-Brüder mit ihrer Bande in die Gaststube. Die Glühwürmchen, wie immer gut gelaunt, wunderten sich über die Trauerstimmung und forderten den Wirt auf, die Krüge zu füllen. Dann wollten sie wissen, was los war. Und während Hansi Hase die Getränke verteilte, wurden sie vielstimmig über die geplante Weihnachtsfeier und die damit verbundenen Schwierigkeiten unterrichtet.

Aber die Lumi-Brüder verstanden die Aufregung nicht und meinten: „Also, an der Weihnachtsbeleuchtung soll es nicht scheitern. Wir Glühwürmer leuchten sonst zwar nur, wenn wir auf Brautschau sind, aber wir könnten ja mal eine Ausnahme machen. Was meint ihr Kumpels?“ Seine Kumpels waren einverstanden.

So konnte auch dieser Punkt abgehakt werden und weil jetzt nur noch die festlichen Weihnachtsmelodien fehlten, fingen gleich alle zu singen an. Jeder ein Weihnachtslied, das ihm gerade einfiel. Es war ein fürchterliches Durcheinander und alles andere als stimmungsvoll. Herr Specht, der wieder für Ruhe sorgen wollte, musste so heftig auf den Tisch klopfen, dass sein Schnabel im Holz stecken blieb. Da hörten die Sänger zwar zu singen auf, begannen stattdessen aber lauthals zu lachen. Erst als Herr Grimbart mit der Faust auf den Tisch schlug, dass die Krüge in die Höhe hüpften, kriegten sie sich wieder ein und Herr Wiedehopf konnte mit ihnen die dringend notwendigen Chorproben planen.

Dann endlich war es so weit. Als Onkel Walter am „Heiligen Abend“ anreiste, herausgeputzt mit Schlips und Zylinder, wurde er von einem großen Begrüßungskomitee erwartet. Mit stolz geschwellter Brust nahm er den fürstlichen Empfang entgegen, wunderte sich jedoch, als er in den Wald geführt wurde und nicht in die warme Stube seiner Nichte Kiki. Als sie dann aber zum Festplatz gelangten, kam Walter aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Rund um die Futterkrippe erstrahlte alles in weihnachtlichem Glanz und die aufgebauten Tische bogen sich unter der Last von Geschenken, Nüssen und anderen Köstlichkeiten.

Die Hinterwäldler hatten sich wahrlich selbst übertroffen. Doch nun, nachdem sie tagelang geschuftet und gewerkelt hatten, nur um Onkel Walter zu beeindrucken, waren sie so erschöpft, dass sie das Fest gar nicht richtig genießen konnten. Eins der Glühwürmchen war sogar so müde, dass es sich in die Futterkrippe plumpsen lies und einschlief, noch bevor es sein Licht ausknipsen konnte.

Und nun, als das kleine Lichtchen aus der Krippe leuchtete, erinnerten sich die Tiere beschämt, worum es an Weihnachten wirklich ging. Sie dachten an das göttliche Kind, das einst in einem Stall geboren, in einer Krippe gebettet lag. Ohne Prunk und Pomp, um alle – jedes Jahr aufs Neue – an das Wichtigste im Leben zu erinnern: an die Liebe zueinander.

Da fielen sie sich beseelt in die Arme und begannen zu singen, so schön wie noch nie zuvor im Hinterwald gesungen wurde.

„Oh du fröhliche, oh du selige …“ und Onkel Walter, plötzlich gar nicht mehr eingebildet, war so gerührt, dass er sich mit seinem Schlips die Tränen abwischen musste …

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