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Landkreis Neu-Ulm/Unterallgäu

04.12.2019

Energiewende als Gemeinschaftsprojekt: Firma plant Solarparks

Solarparks könnten im südlichen Landkreis Neu-Ulm und im nordwestlichen Unterallgäu entstehen, geht es nach der Firma Vensol Neue Energien GmbH. Die Kommunen fällen derzeit entsprechende Grundsatzentscheidungen.
Bild: Ralf Lienert  (Symbolbild)

Plus Eine Firma plant im Landkreis Neu-Ulm und im Unterallgäu ein interkommunales Fotovoltaik-Projekt, an dem sich Bürger beteiligen können.

Grüner Strom, von Bürgern für Bürger: Diese Idee wollen Jürgen Ganz und Sebastian Ganser von der Firma Vensol in die Tat umsetzen. Die beiden Männer haben ein Projekt auf den Weg gebracht, das sich um Fotovoltaikanlagen und um Gebiete, die für die Landwirtschaft wenig attraktiv sind, dreht. Geht es nach ihnen, dann sollen sich mehrere Gemeinden daran beteiligen, im Unterallgäu wie im Landkreis Neu-Ulm. „In der Größe wäre das schon ein Leuchtturmprojekt in der Region“, ist Geschäftsführer Sebastian Ganser überzeugt.

Der Kern der Idee: Die Firma möchte PV-Anlagen auf Freiflächen errichten, welche als „landwirtschaftlich benachteiligt“ definiert sind. Bürger, die möglichst in der Nähe wohnen, sollen sich ab einem Betrag von 1000 Euro an diesen Solarparks beteiligen können. Dafür bekommen sie eine gleichberechtigte Stimme in einer Genossenschaft. Zudem sollen sie von den Erträgen profitieren und den Solarstrom beziehen können, dessen Erzeugung sie unterstützt haben. Eine Hälfte der Projektkosten soll laut den Planern durch das Kapital der Bürger gedeckt werden, die andere Hälfte durch Darlehen hiesiger Banken. „Die regionale Wertschöpfung ist hoch“, sagt Ganser. Begleitet wird das Projekt etwa vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu, kurz Eza.

Die Planer der Vensol Neue Energien GmbH mit Sitz in Babenhausen haben für ihr Vorhaben ein Gebiet im südlichen Landkreis Neu-Ulm und im nordwestlichen Unterallgäu ins Auge gefasst. Anfang November fand eine Infoveranstaltung statt, an der Bürgermeister und Gemeinderäte dort befindlicher Kommunen teilnahmen: aus Babenhausen, Boos, Winterrieden, Pleß sowie Kellmünz, Osterberg und Oberroth. Diese Gemeinden sollen nun möglichst zügig Grundsatzentscheidungen treffen: Wollen sie das Projekt unterstützen? Dabei müssen die Grundstücke gar nicht den Kommunen selbst gehören, sondern können in Privatbesitz sein.

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Die Pachtverhandlungen mit den Eigentümern geeigneter Flächen sollen erst geführt werden, wenn die Gemeinden zugestimmt haben. Denn diese müssten zunächst rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, etwa Bebauungspläne aufstellen lassen. „Auf die Kommunen kommen da keine Kosten zu. Die trägt der Antragsteller“, so Jürgen Ganz, geschäftsführender Gesellschafter der Vensol Neue Energien GmbH, welche die Realisierung und kaufmännische Betriebsführung übernähme. Ein nächster Schritt wäre dann die Teilnahme an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur.

Markt Babenhausen gab grünes Licht

Das Unternehmen kennt sich in diesem Bereich aus: „Wir sind regional auch an anderen Projekten dran“, sagt Ganz. „Ich weiß jetzt schon: Das Interesse von Bürgern ist groß.“ Gerade in Zeiten der Nullzinspolitik werde diese Art der Beteiligung als Geldanlage gesehen.

Im Hintergrund des Projekts steht auch das Pariser Klimaschutzabkommen und damit verbundene Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien. „Die Bayerische Staatsregierung setzt voll auf PV und nicht auf Windkraft“, sagt Ganser. Sie weitete in diesem Jahr das Kontingent für die förderfähigen PV-Freiflächen in benachteiligten Gebieten von 30 auf 70 Projekte aus. Und will es abermals erhöhen, wie einer Mitteilung des Ministeriums vom November zu entnehmen ist.

Kritik an Solarparks gibt es freilich auch. Ein Argument lautet, dass sie das Landschaftsbild verändern. Außerdem steige der Druck auf die Ressource „Fläche“, der ohnehin hoch sei, wird bisweilen moniert. Auch eine Verschattung der Gebiete und deren mögliche Auswirkungen auf Boden und Tierwelt wird vorgebracht. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) schreibt auf seiner Internetseite: „Die Auswirkungen von Freiflächenanlagen auf Natur und Umwelt können je nach Anlagengröße, Standort und Bauart stark variieren und müssen im Einzelfall überprüft werden.“

Jürgen Ganz erklärt, dass ökologisch sensible oder landwirtschaftlich wertvolle Gebiete ausgeschlossen würden. Die Solarpark-Flächen sollen laut Plan in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde und Verbänden aufgewertet werden: Die Böden sollen sich regenerieren können, Blühstreifen an den Modulen entstehen, Schafe dort weiden. „Wir haben eine Doppelnutzung der Fläche“, fügt Sebastian Ganser an. Zudem würden Ausgleichsmaßnahmen getroffen.

Der Markt Babenhausen hat vor Kurzem grünes Licht für das Vorhaben gegeben. Rat Johannes Nägele etwa sagte, das Bestreben sei grundsätzlich zu begrüßen, jedoch komme es auf die Wahl der Standorte an. Dritter Bürgermeister Christian Pfeifer befand: „Man kann nicht nur von der Energiewende reden und nix tun.“

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