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15.06.2010

Ernst Prost ist "Macher des Jahres"

Ernst Prost, der "Macher des Jahres" hat im Garten seines Leipheimer Schlosses Fiale des Ulmer Münsters. Foto: bwz
Bild: bwz

Ulm/Neu-Ulm Ausgezeichneter "Macher des Jahres" ist er schon. "Mutmacher der Nation" könnte er noch werden. Der Ulmer Unternehmer Ernst Prost, bekannt aus Funk und Fernsehen, tanzt auf vielen Hochzeiten, kein Wunder also, dass er auch zu den Kandidaten von Deutschlands größter Mittelstandsinitiative gehört, die "zupackende Optimisten" sucht. Insgesamt 420 Anmeldungen gingen bislang ein, davon nur zwei aus der Region: Die Fluoron GmbH und eben Liqui Moly, die Firma von Ernst Prost. Ein Blick auf eine Unternehmensphilosophie eines Mannes, dessen Gesicht derzeit wohl zu den bekanntesten der Region gehören dürfte.

Eine Fernsehwerbekampagne zur besten Sendezeit läuft seit Mai. Immer kurz vor der Tagesschau bittet Prost "herzlich" um den Kauf von "Motorenölen made in Germany". Weder Preise noch Produktvergleiche spielen in den Spots eine Rolle, die insgesamt für 150 Millionen Werbekontakte sorgen sollen. "Im Fokus steht das, was uns von der Konkurrenz unterscheidet. Und das ist unsere Unternehmensphilosophie", so Ernst Prost. Auch ohne Auszeichnung sieht der "Macher des Jahres" sich ohnehin als Mutmacher, weil er mit seiner sozialen Unternehmensphilosophie Erfolg hat. "Der Mensch ist das Wichtigste im Unternehmen."

Mit 446 Mitarbeitern wurde 2009 ein Umsatz von 233 Mio. Euro erzielt, bei stolzen 15 Millionen Gewinn. Ohne Kurzarbeit, ohne Subventionen, wie er in bestem Schwäbisch im Spot betont. Im ersten Quartal 2010 hat das "das gallische Dorf der Schmierstoffbranche" laut Prost mehr als 30 Prozent Umsatzwachstum verzeichnet, stellt ein und arbeitet in Sonderschichten.

"Ich bin von Natur aus Optimist." Um Fernsehen und Zeitungen macht er einen großen Bogen. "Zu negativ." Um seine positive "Aura", wie er es nennt, nicht zu stören, meidet er schlechte Nachrichten wie der Teufel das Weihwasser.

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Gerne verzichte er auf "den letzten Euro Gewinn zugunsten von Menschlichkeit". "Kapitalist mit menschlichem Antlitz" nannte ihn jüngst das Nachrichten Magazin Der Spiegel und suchte nach dem Haar in der Suppe des Saubermanns, der sich als Unternehmer definiert, der sich immer dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt. So wirklich fand der Spiegel keins. Mal abgesehen von Problemen des Betriebsrats einen Wirtschaftsausschuss durchzusetzen, ein Gremium, das den Arbeitnehmervertretern präziseren Einblick in die Geschäftszahlen einräumen würde. Also nur bedingt tauglich für echte Kratzer im sorgsam mit Millionen gepflegten Positivimage des Ulmer Konzerns.

Zum Glück für Prost, denn er setzt auf das mit teuren Kampagnen lancierte Saubermann-Bild. Denn die Auswahl an Schmierstoffen im Markt ist groß, der Qualitätsunterschied minimal. Prost'sche Logik: Der Kunde entscheidet sich für das Produkt, dessen Marke er die größte Sympathie entgegenbringt. Die versucht er nicht nur mit 100 Spots im Fernsehen zu steigern, sondern auch mit Sponsoring im Fußball, Eishockey, Autorennsport und Skispringen.

Dazu kommen großformatige Plakate wie etwa ein 210 Quadratmeter großes Riesenposter nahe dem Berliner Brandenburger Tor oder sogar in Südafrika bei den WM-Stadien. 17 Riesenplakate im WM-Land zeigen, dass es im ganzen Land Motorenöl "Made in Germany" zu kaufen gibt "Werbung mit Wucht" nennt das Prost. Leisten kann sich das der Konzern. Anstatt null Prozent Gehaltserhöhung, wie es der jüngste Tarifabschluss der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie vorsah, gibt's freiwillig 2,5 Prozent mehr ab 1. Juli.

Zweiter Anwärter

Fluoron GmbH. Der Ulmer Hersteller von Biomaterialien für die Netzhautchirurgie ist neben Liqui Moly der bislang zweite Anwärter auf den Titel "Mutmacher des Jahres". Schirmherr ist der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff, der auch Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten ist. Seit April 2007 wird die Fluoron GmbH von Dr. Christian Lingenfelder geführt. Unter seiner Leitung expandierte das Unternehmen kontinuierlich. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg die Mitarbeiterzahl von sieben auf 18. Die Betriebsfläche wurde 2009 um das Dreifache vergrößert. "Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert." Dr. Christian Lingenfelder hat Albert Einsteins Worte zu seinem Motto erklärt. Innovation und kontinuierliche Weiterentwicklung seien schließlich die Grundlage für ein erfolgreiches Unternehmen.

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