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21.06.2012

„Es gibt immer was zu kochen“

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Redakteurin Andrea Stölzle plauderte bei einer Tasse Kaffee mit Sternekoch Eberhard Aspacher. Ihm wird heute das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen, unter anderem für seine Verdienste als ehrenamtlicher Handelsrichter am Landgericht Memmingen.
Bild: Roland Furthmair

Auf eine Tasse Kaffee mit Sternekoch Eberhard Aspacher. Ihm wird heute das Bundesverdienstkreuz verliehen

Illereichen Köche kennen viele Weisheiten. Am Herd und drum herum. So etwa, dass nur sie Frauen wirklich glücklich machen können. Renate Aspacher lacht. Im Fall ihres Mannes stimme das nämlich haargenau, wird verraten.

Aber erst mal raus auf die Terrasse zu Kaffee, kleinen Häppchen und frischen, prallroten Kirschen, die schöner-wohnen-artig auf einer Kristall-Etagere drapiert sind. Der Blick ist wunderbar – hinein ins dörfliche Grüne, nur unterbrochen von dichten und duftenden Lavendelhügeln.

Hier in Illereichen hat sich die Familie 2002 ein Refugium geschaffen, das sie abschalten lässt – Abend für Abend – von der Autofahrt von und nach Stuttgart. Denn seit Aspacher sein Sternelokal, die Schlosswirtschaft Illereichen, verkauft hat, hat er sich dem gleichen Business nochmal, und zwar in Baden-Württembergs Landeshauptstadt, verschrieben. Hier verwöhnt er den Ministerpräsidenten und den Landtag, richtet Staatsempfänge aus und steht in mittlerweile vier eigenen Betrieben in Stuttgart und Ludwigsburg für viele Prominente am Herd – wie jüngst zum Beispiel auch für Bundespräsident Joachim Gauck. Hängematte? Von wegen!

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Ein wenig Hängematten-Feeling indes gibt es wenigstens in Illereichen. „Das war und ist unser Traum“, sagt Renate Aspacher. Ein Naturparadies mit einem gemütlichen Haus auf 10000 Quadratmetern. Hier ist Eberhard Aspacher Mensch, hier darf er‘s sein.

In Illereichen fühlt sich der umtriebige Sternekoch zusammen mit seiner Frau und dem Hund, der italienischen Mischlingsdame Miss Piggy, am wohlsten. Kaffee? Gerne aber auch ein Glas Champus zum Feierabend. Warum auch nicht. Wo Gourmet draufsteht ist auch Gourmet drin. Und schließlich wird heute auf etwas ganz Besonderes angestoßen.

Justizministerin Beate Merk wird Eberhard Aspacher am heutigen Nachmittag das Bundesverdienstkreuz am Bande verleihen. Unter anderem für seine langjährigen Verdienste als ehrenamtlicher Handelsrichter am Landgericht Memmingen. Aspacher hat dieses Amt seit 1989 inne und folgte damals auf Alwin Kolb aus Memmingen. Wenn es Streitereien unter Kaufleuten gibt, fungiert er als eine Art Schöffe in der ersten Kammer für Handelssachen. „Das macht mir immer noch riesig Spaß“, sagt der 63-Jährige, „und man lernt viel dazu.“ Vorgeschlagen wurde er damals von der IHK Augsburg, denn Aspacher war da schon lange Zeit Vorsitzender und Küchenmeister des Prüfungsausschusses für Nachwuchsköche und Gastronomieberufe bei der IHK in Bad Wörishofen.

Aber damit nicht genug. Aspacher betrieb nicht „nur“ seine Schlosswirtschaft über 20 Jahre lang auf demselben hoch dekorierten Sterneniveau unter den Top 30 der Szene. Später war er auch noch geschäftsführender Direktor im neuen Kurhotel Allgäuer Tor in Bad Grönenbach.

Ihm gehört eine Kochschule, in der er seit dem Haus-Neubau in der Frühlingsstraße in Illereichen direkt am privaten Familienherd und -tisch Unterricht gibt, auch ein großer Cateringservice mit rund 100 Angestellten.

Jüngst bewirtete er mit seinen Leuten die erste kulinarische Großveranstaltung auf dem Ulmer Münsterplatz – für 750 Gäste der Firma Uzin Utz. „Das ist top gelaufen“, zieht Aspacher stolz Resümee. Außerdem ist er „Consultant“, Berater des Köchenachwuchses, der ganz nach oben will. So wie er.

Sein Beruf ist eine echte Leidenschaft

„Ein Olympiasieger bleibt immer ein Olympiasieger und dasselbe gilt für den Sternekoch“, sagt er. Sein Beruf ist seine echte Leidenschaft und Hobby dazu geblieben. Wo andere Leute Freizeitkeller voll mit Werkbänken haben, dort lagert Eberhard Aspacher edle Weine – oder er kocht. Was sonst. Denn: „Zu Kochen gibt es immer etwas.“

Als Aspacher die Schlosswirtschaft im Jahr 2000 verkauft hatte, startete er mit seinem Freund Peter Böhm (Feinkost) in Stuttgart eine neue Karriere. Jedoch geriet Böhm in die Insolvenz und Aspacher kaufte das Restaurant Kubus heraus. Als die Krise dann überwunden war, gründeten beide eine GbR. Und dann der Schock: Peter Böhm verunglückte mit erst 47 Jahren 2011 tödlich. Seither führt Eberhard Aspacher alle Betriebe allein. Dazu zählt auch das Forum am Schlosspark in Ludwigsburg, das Plenum im Landtag und seit Neuestem die Arena in Ludwigsburg. Mehrere Tausend Gäste können hier versorgt werden, ob bei den Schlossfestspielen oder Kongressen.

Um sich fit zu halten, geht Aspacher jeden Morgen zum Walken in Illereichen oder er spielt Fußball. Denn ganz nebenbei ist er seit vier Jahren auch der Präsident der deutschen Fußballmannschaft der Spitzenköche und Restaurateure (www.fussballkoeche.de), zu denen zum Beispiel auch TV-Kollege Ralf Zacherl gehört oder in der Ehrenliga Johann Lafer, Hermann Bareiss und Günther Oettinger. Erst am Montag dieser Woche wurde für die Giovane Elber Stiftung gekickt. Der Erlös geht an brasilianische Straßenkinder. In den vergangenen fünf Jahren haben die sportlichen Köche fast eine halbe Million Euro für karitative Zwecke erspielt.

„Wir, die wir auf der Sonnenseite stehen, sollten auch andere Menschen teilhaben lassen“, lautet Aspachers Bekenntnis. Aus diesem Grund ist der Sternekoch auch in der Heimat aktiv, wenn es ums Helfen geht – etwa für die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung.

Privat golft der gebürtige Backnanger Aspacher gern (Handicap 13,9) und freut sich mit seiner Frau an den zwei Enkeltöchtern – Jana (11) und Helena (2).

Nach Altenstadt, wo Aspacher auch zwölf Jahre lang für die Freien Wähler im Marktgemeinderat saß, war er übrigens in den achtziger Jahren durch Familie Wickert gekommen. Und seither lässt ihn der Ort nicht mehr los. „Alles hätte ich aber nie ohne meine Frau schaffen können“, sagt der Sternekoch. Und das Wort Ruhestand gibt es in seinem Sprachschatz nicht.

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