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Illertissen

11.06.2019

Illertissen trauert um die Schöpferin der „Illerbombe“

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Promis wie Sepp Herberger (rechts) schätzten Gespräche mit Annie Kriener.

Die bekannte Unternehmerin Annie Kriener ist gestorben. Mit ihr verliert die Stadt eine bedeutende Bürgerin. Ein Nachruf.

Im Alter von fast 96 Jahren ist Annie Kriener gestorben – sie war einst Chefin der Sportartikel- und Ballfabrik Kriener in Illertissen. Als Herstellerin der sogenannten „Illerbombe“ hatte sie Illertissen international bekannt gemacht und durch ihre Dolmetschertätigkeit die Städtepartnerschaft zu Carnac im einst verfeindeten Frankreich begründet. Für all das hatte sie unter anderem die Bürgermedaille in Silber der Stadt Illertissen, die Medaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und die Silberdistel unserer Zeitung erhalten.

Am heutigen Mittwoch, 12. Juni, findet die Trauerfeier in der Stadtpfarrkirche Illertissen statt (14 Uhr), anschließend die Beerdigung.

Annie Kriener war eine gebürtige Illertisserin. Als Fabrikantin der „Illerbombe“ in ihrem Sportartikelfabrik und als „Mutter“ der inzwischen 45 Jahre bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Illertissen und dem französischen Carnac hat sie sich einen Namen gemacht.

Kriener war bis zuletzt fit und am Leben in ihrer Heimatstadt interessiert, die frühere Unternehmerin pflegte zudem ihre Auslandskontakte, insbesondere die Freundschaft zu Carnac und zu den Gründern der Städtepartnerschaft. Entsprechend zahlreich und ehrenvoll fallen auch die würdigenden Worte ihrer Freunde von der bretonischen Küste aus. In der Zeitung Le Télégramme heißt es, Annie Kriener habe nach den Erfahrungen des Nazireiches für ein geeintes Europa gelebt und besonders für die Grundsteinlegung der Städtepartnerschaft. Deren Vertrag wurde am 5. August 1974 in Illertissen von Bürgermeister Hermann Kolb und ein Jahr später von Christian Bonnet in Carnac unterzeichnet. „Dank Annie Kriener besteht die Verbindung ununterbrochen seit 45 Jahren und hat zu vielen direkten Freundschaften innerhalb der Städte geführt“, heißt es sinngemäß in dem französischen Blatt.

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Wie sie die Verbindung nach Frankreich knüpfte

Und in der Zeitung Ouest-France ist zu lesen, wie Annie Kriener bei ihrem Kuraufenthalt im bretonischen Quibéron einst Carnacs Bürgermeister Christian Bonnet kennengelernt hat. Ab 1970 habe es Austauschbesuche gegeben, inzwischen sei daraus Freundschaft geworden, „die es ohne Annie Kriener niemals geben würde“.

ie Stadt Carnac hat im Rathaus ein Kondolenzbuch ausgelegt und wird an der Beerdigung heute mit einer Delegation teilnehmen: Dazu gehören die Partnerschaftspräsidentin Marie-Claire Ézan, Stellvertreterin Patricia Harry und Bürgermeistervertreterin Sylvie Robino.

Von 1925 bis 1998 rollten sogenannte „Iller-Bälle“ in internationalen Stadien.

Annie Kriener wurde am 18. September 1923 geboren. Sie kam nach vier Jahren Volksschule ins Internat, unter anderem in die Schweiz, da ihre Mutter an Multipler Sklerose erkrankte. Hitlers Machtergreifung und die Kriegswirren sorgten dafür, dass die Schülerin an keinem Institut längerfristig bleiben konnte. Ab 1940 besuchte Kriener in Leipzig die Dolmetscherschule und machte dort ihren Abschluss in mehreren Sprachen. Dann holte sie das Militär ins Gefangenenlager nach Memmingen – für die Übersetzung ausländischer Briefe. Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, kam ihr die Aufgabe einer Unterhändlerin mit den Amerikanern zu. Die damals 21-Jährige kam blendend zurecht und übersetzte weiter, auch nach der Rückkehr nach Illertissen.

Illertisser Bälle rollten bei der Fußball-WM 1954

Als Annie Kriener nach dem Tod ihres Vaters Jakob 1950 die Sportartikelfirma übernahm, rollten ihre Bälle 1954 erstmals in den Vorrunden von Weltmeisterschaften übers Feld: Die sogenannte „Illerbombe“ war geboren.

Bürgermeister Jürgen Eisen sagt: „Anni Kriener war prägend für Illertissen, hinsichtlich der Wirtschaft wie für unsere Freundschaft mit Frankreich.“ Und Partnerschaftspräsidentin Helga Sonntag bedauert, eine Ratgeberin und Freundin verloren zu haben.

Lesen Sie mehr über Annie Kriener:

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