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Illertissen

11.04.2018

Keine Wohnung ohne Parkplatz

Wer in Illertissen Wohnraum schafft, muss Stellplätze nachweisen: Das gilt auch für dieses Haus in der Hauptstraße 35. Eine Architektin will sechs Wohnungen einrichten – und sieht sich durch die Regelung ausgebremst.
Bild: Regina Langhans

Wohnraum ist in Illertissen gefragt, gerade für ältere Bürger. Eine Architektin will ein Haus umbauen. Doch es gibt Probleme – schuld daran ist eine Satzung.

Sie ist verärgert und zugleich erleichtert: Ein Wechselbad der Gefühle erlebt Architektin Mirjam Bölle aus Herrenberg bei Stuttgart in diesen Tagen bei ihrem Bauvorhaben in Illertissen. Sie hatte das Gebäude in der Hauptstraße 35 gekauft und wollte darin sechs Wohnungen einrichten: Klein, bezahlbar und barrierefrei sollten diese sein – und somit genau das, was in der Vöhlinstadt immer wieder gefordert wird. Glaubte zumindest Bölle. Denn dann machten ihr die hiesigen Vorschriften einen Strich durch die Rechnung. Genauer gesagt: die Stellplatzsatzung, wonach für jede Wohnung ein Parkplatz nachzuweisen ist. Das kann in der Innenstadt schwierig werden, wie Bölle feststellen musste. Sechs Stellplätze bei begrenztem Platz, da war Einfallsreichtum gefragt.

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Ideen hatte die Architektin denn durchaus: Eine Etagen-Garage war vorgesehen, zwei Stellflächen sollten angemietet werden und auch von einem „Smartparkplatz“ (für ein kleines Auto) war die Rede. Im Illertisser Bauausschuss stieß das, wie berichtet, nicht auf Zustimmung: Die Stadträte lobten zwar das Projekt an sich, kritisierten die Stellflächenpläne jedoch als unzureichend. Süffisant betrachtete man vor allem den kleinen Parkplatz: Ein Wohnungsbesitzer müsse das Auto seiner Wahl abstellen können, hieß es. Ob Smart oder Geländewagen.

Das stieß Bölle sauer auf. Sie gibt einige Kritik zurück: Im Zuge eines benachbarten Wohnbauprojekts sei viel Raum für Parkplätze eingeplant worden – weshalb für Bölles Vorhaben kaum noch Flächen zur Verfügung standen. Mit Blick auf das andere Wohnhaus (hinter ihrem) sagt die Architektin aus Herrenberg: „Das hätte so niemals genehmigt werden dürfen.“ Viel mehr hätten die Parkplätze gleichmäßig auf die beiden Häuser verteilt werden müssen, glaubt sie. Doch nun seien diese Flächen für sie verloren, ihr deshalb die Hände gebunden.

Keine Wohnung ohne Parkplatz

Zudem seien Stellplätze für Kleinwagen in Großstädten wie Stuttgart üblich, betont Bölle. Doch der „Smartparkplatz“ ist in der Illertisser Hauptstraße 35 ohnehin vom Tisch: Wie sich kürzlich herausgestellt habe, waren die Längenmaße, die Bölle aus dem Katatster bekommen hatte, falsch bemessen. Die Architektin kann also einen normalen Parkplatz schaffen – doch der alleine reicht nicht, um ihr Projekt zu retten. Deshalb speckt die Planerin ab: Statt der sechs kleinen Wohnungen will sie jetzt fünf größere in das Haus einbauen. Dafür sollen in einer Garage vier weitere Stellflächen entstehen. So werde zwar nichts aus dem ursprünglichen Plan vom Wohnraum für ältere und finanzschwächere Bürger. „Das war dann wohl eine schöne Illusion“, sagt die Architektin. Loslegen wolle sie aber dennoch. Immerhin stecke bereits viel eigenes Geld in dem Vorhaben. Allerdings glaubt sie, dass das in der jetzigen Form am dringlichen Bedarf vorbei geht. „Viele Leute brauchen keine Riesenwohnungen und haben auch nicht unbedingt ein eigenes Auto“, so Bölle.

Eine Ausnahme von der Stellplatz-Satzung könne nicht gewährt werden: Das betont Manfred Norrenbrock, der im Rathaus den Bereich Hochbau leitet. Ansonsten würden mehrere Bauherren hellhörig und die Parkplätze in der Innenstadt wohl schließlich knapp. Man könne es nicht brauchen, dass immer mehr Autos regelmäßig auf öffentlichen Grund stehen, sagt Norrenbrock. Er fügt hinzu: „Sobald wir irgendwo eine Lücke lassen, sind wir geliefert.“ Im sogenannten Sanierungsgebiet in der Innenstadt gelte ohnehin eine verminderte Quote von einem Stellplatz pro Wohnung, erläutert der städtische Hochbauexperte. Denn dort biete der Bestand an Gebäuden eben nicht so viel freien Platz. Andernorts in Illertissen seien dagegen 1,75 Parkplätze pro Wohnung vorgeschrieben. Wohnraum sei gefragt, sagt Norrenbrock. „Aber eben nicht um jeden Preis.“

Zähneknirschend verzichtet Architektin Bölle zugunsten von Stellflächen auf eine Wohnung. Allerdings sucht sie weiter nach einem sechsten Parkplatz. Sollte einer gefunden werden, bleibt es bei den sechs Wohnungen. Wie auch immer: Starten soll der Umbau im August. Bis dahin soll der Händler im Erdgeschoss ausgezogen sein.

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