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21.07.2010

Leiharbeit statt neue Stammbelegschaft

Zu Besuch in Neu-Ulm: der neue DGB-Bayern-Vorsitzende Matthias Jena (links) mit Werner Gloning. Foto: Roland Furthmair
Bild: Roland Furthmair

Landkreis Für Werner Gloning ist es schlichtweg ein Skandal: Gut 50 Prozent der offenen Stellen der Agentur für Arbeit in Memmingen stammen von Leiharbeitsfirmen. Damit werde die "eigentlich sinnvolle" gesetzliche Regelung der Leiharbeit untergraben. Denn mit der Abfederung hoher Nachfragespitzen habe dies nichts mehr zu tun. Gloning, der DGB-Regionsvorsitzende, ist überzeugt, dass so die aufkeimende Konjunktur zu einer Schwächung der Stammbelegschaften führe. Mehr Leiharbeiter zum Niedriglohn, dafür weniger Stammbelegschaft. Der Landkreis Neu-Ulm ist da kein Einzelfall, wie der neue Bayern-Chef des Gewerkschaftsbundes, Matthias Jena, bei seinem Antrittsbesuch im Landkreis berichtete. Leiharbeit als Aushöhlung von Tarifverträgen sei längst ein gesamtbayerisches Problem.

Werner Gloning sieht den Schwarzen Peter nicht nur bei den Firmen, die billigere Leiharbeiter einstellen. Denn die würden dem Kostendruck ihrer Konkurrenten folgen. Gefragt sei die Politik. So verlangt Jena eine gesetzliche Regelung, die nach einem bestimmten Zeitraum "gleichen Lohn für gleiche Arbeit" festschreibt. Jena kann von Gabelstaplerfahrern erzählen, die seit neun Jahren bei ein und derselben Firma Leiharbeiter sind.

Ganz so drastische Fälle aus dem Landkreis sind Werner Gloning nicht bekannt. Doch längst beschäftige "so gut wie jede Firma" Leiharbeiter. Und dies, was Gloning so aufregt, anstatt Festangestellten und nicht zusätzlich. Argumente der Arbeitgeber, dass Leiharbeit für Beschäftigung sorge, lassen die Gewerkschaftler nicht gelten. "Entweder habe ich Arbeit, die erledigt werden muss oder nicht", sagt Gloning. Er ist überzeugt, dass die Neu-Ulmer Firmen bei einer anderen gesetzlichen Regelung reguläre Arbeitskräfte einstellen würden. Dass Leiharbeiter in der Regel über ihren Personaldienstleister einen festen Job bekommen, ist aus Sicht der Gewerkschaft ein Ammenmärchen. Matthias Jena zitiert eine Untersuchung, nach der es keine zehn Prozent der Leiharbeiter zurück in den ersten Arbeitsmarkt schaffen. Unterschätzt wird laut Gloning oft auch die negative gesellschaftliche Auswirkung der Leiharbeit: "Wie soll ich an Familiengründung denken, wenn ich mit 35 immer noch auf diese Weise verunsichert werde?"

Matthias Jena will das öffentliche Augenmerk auf Regionen außerhalb von Oberbayern lenken. Denn viele Statistiken, mit denen sich die Staatsregierung brüste, seien bei genauerem Hinsehen in anderen Regionen gar nicht vorzeigbar. Ähnlich sei es etwa mit der Arbeitslosigkeit von Älteren Menschen, die auch im Landkreis Neu-Ulm zu hoch sei.

Gloning fordert hier mehr Qualifizierungsmaßnahmen in den Betrieben. Es müsse darauf reagiert werden, dass sowohl die Arbeitslosen als auch die Arbeitnehmer im Schnitt immer älter werden. Auch über 50-Jährige sollten ermutigt werden, Weiterbildungskurse zu besuchen.

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