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Illertissen

08.02.2018

Mann würgt Ex-Freundin fast zu Tode – und sie schützt ihn

Die überraschende Wendung kam kurz vor Ende des zweiten Prozesstages vor dem Memminger Amtsgericht: Die 27-jährige Frau aus dem Raum Illertissen, die bei einem Streit mit ihrem damaligen Ex-Freund beinahe zu Tode kam, sagte mit leiser Stimme: Sie habe alles nur erfunden.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Die Richterin sieht die inzwischen mit dem Angeklagten verlobte Frau als ein „typisches Opfer“

Die überraschende Wendung kam kurz vor Ende des zweiten Prozesstages vor dem Memminger Amtsgericht: Die 27-jährige Frau aus dem Raum Illertissen, die bei einem Streit mit ihrem damaligen Ex-Freund beinahe zu Tode kam, sagte mit leiser Stimme: Sie habe alles nur erfunden. Sie selbst habe sich ein Handtuch um den Hals gelegt und zugezogen, bis ihr die Luft wegblieb. Und sie habe einem Polizist und einer Polizistin bei anschließenden Vernehmungen Lügen erzählt. Doch dieser Version der Geschehnisse im August 2017 wollte Richterin Barbara Roßdeutscher keinen Glauben schenken.

Wie berichtet, hatte die Frau am ersten Verhandlungstag im Januar zunächst ihre Aussage verweigert und – wie der Angeklagte – geschwiegen. Der Grund: Sie ist inzwischen mit dem Mann verlobt, der sie im Sommer brutal zugerichtet haben soll und seither in U-Haft saß.

Der 30-Jährige soll seine damalige Ex-Freundin getreten und geschlagen haben, als sie mit der gemeinsamen Tochter in seine Wohnung gekommen war. Daraufhin soll sich die Frau ein Handtuch um den Hals gelegt haben. „Sie wollte damit wohl sinngemäß demonstrieren: Du kannst mich auch gleich umbringen“, sagte der als Zeuge geladene Polizist. In Folge soll der Mann die Frau mit dem Handtuch stranguliert haben, sodass diese in Todesangst geriet und sich mit Kratzen und Zwicken zu wehren versuchte. Auch von Tabletten war die Rede, welche die Frau zuerst in den Mund nehmen, dann doch wieder in die Küchenspüle spucken sollte. Das Kleinkind musste den Streit offenbar mitansehen.

Die Frau zeigte die Tat noch am selben Tag an. Ein Arzt stufte ihre Verletzungen, etwa am Hals und im Gesicht, als gravierend, gar als lebensbedrohlich ein. Die Aussagen, welche die Frau kurz nach der Tat und wenige Tage später machte, las und unterschrieb sie.

Dass die 27-Jährige nun doch zurückrudert, wertet die Polizistin im Zeugenstand als „typisches Opferverhalten.“ Sie glaube nicht, dass die Frau ihr etwas vorgespielt habe, um dem damaligen Ex-Freund zu schaden. Auch der Polizist sagte, dass solche Verletzungen nur entstünden, wenn eine gewisse Kraft ausgeübt wird. Er habe derartige Wunden während seiner Laufbahn nur sehr wenige Male bei einem lebenden Opfer gesehen.

Die Frau, die sich schließlich auf eigenen Wunsch doch vor Gericht äußerte, nahm die Schuld trotzdem auf sich. Trotz Belehrung, welche Konsequenzen eine Falschaussage haben kann, sagte sie: „Ich war sauer an dem Tag. Ich habe gelogen“ Auf die Frage der Richterin, welche Lebensträume sie verfolge, sagte sie: „einfach ein normales Leben führen.“ Im weiteren Verlauf las Richterin Roßdeutscher einen Brief des Mannes an seine jetzige Verlobte vor: Darin fragte er mit harschen Worten, wieso sie zur Polizei gegangen sei. Er würde ihr so etwas nie antun und liebe sie.

Der Verteidiger plädierte auf Freispruch und stellte die Einschäzung der beiden Polizisten und der Richterin in Frage: Berufserfahrung allein genüge nicht, um ein Urteil zu fällen. „Das Aussageverhalten der Zeugin hat bei mir massive Zweifel geweckt.“ Das sah die Richterin anders: Sie verurteilte den mehrfach vorbestraften Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von drei Jahren. Sie halte die Frau für ein „typisches Opfer“. Zudem habe der Mann kein Wort des Bedauerns geäußert. Er habe alles mit „fast schon abartiger Ruhe hingenommen“.

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