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Vöhringen/Memmingen

17.11.2017

Mit einem Eisenrohr allein gegen die Mafia

Skurrile Geschichte: Um Drogenhandel, Bedrohung und Waffenbesitz geht es bei einem Prozess, der seit Donnerstag vor dem Landgericht in Memmingen verhandelt wird. 
Bild: Ralf Lienert (Symbol)

Vor dem Landgericht wird eine skurrile Geschichte verhandelt. Es geht um Drogen, Waffen und Bedrohung.

Die Szene war filmreif: Am 8. Mai dieses Jahres erwarten vier Kripobeamte einen 35-jährigen Slowenen auf dem Parkplatz eines Vöhringer Supermarktes. Als dieser gegen 14.30 Uhr eintrifft, aus dem Auto steigt und auf „Ansprache“ nicht reagiert, bringen sie ihn zu Boden und fesseln ihn. Dabei fällt dem Mann ein gut 50 Zentimeter langes Eisenrohr aus der Kleidung. Filmreif war auch die Aussage, mit der der Mann den Waffenbesitz begründete – er habe Angst vor der italienischen Mafia. Denn diese beschütze wiederrum einen Mann, der bei dem Slowenen Schulden haben soll: Aus mindestens 24 Kokain-Einkäufen. Um das alles geht es in einem Prozess, der am Donnerstag vor dem Landgericht in Memmingen begonnen hat.

Dort war auch eine ganz andere Version der Geschichte zu hören – nämlich die der Polizei. Ein Bekannter des angeblich von der Mafia geschützten Manns sei bei den Ermittlern erschienen – um sich in dessen Namen zu erkundigen, was er denn tun könne. Der Slowene bedrohe ihn, seine Freundin und indirekt auch den Sohn. Der Grund: Schulden in Höhe von 1800 Euro für Rauschgiftkäufe. Bis auf 200 Euro sei zwar alles bezahlt, aber der Gläubiger fordere nun für jeden Tag 100 Euro als Strafzins. So hätten sich wieder neue Schulden angehäuft. Die Freundin des Schuldners habe dem Slowenen bereits große Teile ihres Arbeitslohnes und das Kindergeld übergeben, hieß es. Jener habe darauf hin angedeutet, es wäre doch schade, wenn der Sprössling nicht mehr von der Schule heim komme.

In der Verhandlung wurde der mutmaßliche Dealer aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Hier verweigerte er auf Anraten seines Verteidigers Uwe Böhm die Aussage. Bis dahin hatte das Gericht unter Vorsitz von Richter Jürgen Hasler bereits einige Hürden zu überwinden, und sie sind noch nicht alle bewältigt: Denn es hätte auch der angebliche Kokainkunde aussagen sollen – der allerdings in seiner Heimat Italien weilt. Dessen Freundin wurde von der Illertisser Polizei aus Altenstadt im Landgericht vorgeführt werden. Sie schilderte die Drohungen des Slowenen sowie die Zahlungen, wusste aber nichts über den Aufenthaltsort ihres „Ex-Freunds“ zu sagen. Alles Geld, was hereingekommen sei, als der Mann noch bei ihr gewohnt hat, sei schnell an den Dealer geflossen – sie und ihr Sohn hätten nicht einmal mehr etwas zu Essen kaufen können. Deshalb hätten sie keinen anderen Ausweg mehr gewusst, als sich über den Freund an die Polizei zu wenden. Die Folge: Eine Lawine aus Ermittlungen.

Nach der Aussage der Ex-Freundin wollte Richter Hasler noch Auswertungsprotokolle des Chatverkehrs vorlegen, doch dies scheiterte an technischen Problemen. So wurde das Verfahren unterbrochen. Nun soll versucht werden, den Italiener zu einer Aussage zu bewegen. Allerdings stehen ihm hierzulande mehrere Verfahren ins Haus, es geht um Verkehrsdelikte und Rauschgift. Der Prozess wird am Montag, 4. Dezember, fortgesetzt.

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