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Babenhausen

08.04.2021

Naturschützer ärgert sich über Kahlschlag in Babenhausen

Herbert Poppele kritisiert, dass Büsche und Sträucher in Babenhausen radikal gestutzt wurden.
Foto: Sabrina Karrer

Plus Herbert Poppele - Vorstandsmitglied im Bund Naturschutz - findet, dass Sträucher und Büsche in Babenhausen oft radikal gestutzt werden. Er hat eine Forderung.

Als Herbert Poppele unlängst zwischen Babenhausen und Unterschönegg unterwegs war, ärgerte er sich mächtig. Von den Sträuchern und Büschen, die dort einen Bachlauf gesäumt hatten, war nicht mehr viel übrig. „Da fehlt mir jegliches Verständnis“, sagt er danach. Als Vorstandsmitglied in der Ortsgruppe Babenhausen/Boos und in der Kreisgruppe Unterallgäu des Bund Naturschutz (BN) hält Poppele solche Eingriffe in die Natur im Günztal für inakzeptabel. Er appelliert an die Gemeinde.

Poppele zeigt die Stellen, die ihn bei seiner Tour "sprachlos" gemacht haben: Sie befinden sich nördlich des Gewerbegebiets nahe dem sogenannten Motzweiher. „Der gesamte Busch- und Strauchbestand entlang des Baches wurde gerodet“, sagt er und deutet auf einen Holzstumpf: „Dieser Strauch war sicher fünf Meter hoch, das sieht man an der Größe des Stamms.“

Mitglied des Bund Naturschutz Unterallgäu: "Mehr als notwendig gerodet"

Das BN-Mitglied ist der Meinung, dass nicht nur dort, sondern auch andernorts in Babenhausen zuletzt mehr als notwendig gestutzt wurde. „Das hat diesen Winter enorme Ausmaße angenommen“, sagt Poppele. „Da wird weggefräst, ohne dass es ein Argument wie die Verkehrssicherungspflicht gibt. Die Maschinen werden immer leistungsfähiger und wollen wohl eingesetzt werden.“ Er sieht den gemeindlichen Bauhof und auch die Straßenmeisterei in der Pflicht, bei Gehölzpflegemaßnahmen behutsamer vorzugehen – auch wenn es nicht seine Intention sei, Detektiv zu spielen und einen Schuldigen ausfindig zu machen, wie er versichert. Er wolle nur auf eine Vorgehensweise – ob geplant oder nicht – aufmerksam machen, an der sich nicht nur er störe.

Entlang eines Bachlaufs bei Babenhausen ist nicht mehr viel Gebüsch übrig.
Foto: Herbert Poppele

Die Gehölze entlang von Bachläufen und wasserführenden Gräben bieten laut Poppele einen wertvollen Lebensraum für Tiere. Libellen, Spinnen, Molche und kleine Fische halten sich dort auf, Vögel finden Nistmöglichkeiten. Fehlen Büsche, ändern sich die Lebensbedingungen. „Wenn es im Sommer keinen Schatten mehr gibt, wird zum Beispiel das Wasser warm.“

Babenhauser Bürgermeister: Sträucher müssen regelmäßig zurückgeschnitten werden

Bauern sparen mittlerweile einen fünf Meter breiten Randstreifen an Gewässern aus, den sie nicht garten- und ackerbaulich nutzen dürfen. Poppele hält dies für sinnvoll. Aber es sei nicht der einzige Punkt, an dem man ansetzen sollte: „Man macht der Landwirtschaft oft Vorwürfe“, so der Babenhauser. „Aber es sind auch die Kommunen, die es in der Hand hätten, Arbeiten naturnaher auszuführen.“ Er fordert, dass die Gemeinde einen „Pflegeplan“ erstellt, um Maßnahmen künftig abschnittsweise und zeitlich versetzt durchzuführen. Die BN-Ortsgruppe bietet Unterstützung an: „Wir sind zu einem Gespräch mit den Verantwortlichen bereit.“

Bürgermeister Otto Göppel sagt auf Nachfrage, dass es notwendig sei, Sträucher entlang von Straßen oder Gewässern regelmäßig zurückzuschneiden. Dies diene dem Unterhalt. Gräben etwa blieben so funktionstüchtig. Auch die Besitzer oder Nutzer angrenzender Flächen seien „nicht begeistert, wenn Gebüsch überhandnimmt“. Göppel: „Es kann schon sein, dass der Bund Naturschutz das anders sieht.“

Laut Herbert Poppele hat es – abgesehen von Belangen des Naturschutzes – einen weiteren Vorteil, zurückhaltender beim Stutzen von Sträuchern und anderen Gewächsen vorzugehen: Die Kosten, die bei solchen Arbeiten für Personal und Maschinen anfallen, lassen sich aus seiner Sicht reduzieren. Das Geld könne anders investiert werden – zum Beispiel in die weitere Teilnahme am Modellprojekt Öko-Modellregion Günztal. Wie berichtet, hatte der Babenhauser Marktrat zuletzt eine Entscheidung über die weitere finanzielle Beteiligung daran vertagt. Das Gremium will sich erst im Zuge der Haushaltsplanung damit befassen. Erst wenn der finanzielle Spielraum bekannt ist, sei es möglich, über Projekte zu entscheiden, „die zwar schön wären, aber nicht Kernaufgabe“ der Kommune, so der Bürgermeister.

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