1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Oberrother Mosterei erwartet  ein Rekordjahr

Oberroth

07.10.2018

Oberrother Mosterei erwartet  ein Rekordjahr

Copy%20of%20Mosterei1.tif
4 Bilder
Ein Rohr spuckt die geschredderten Äpfel aus, dass es nur so spritzt. Die Schnipsel werden auf Bleche geschichtet und anschließend gepresst. <b>Fotos: Sabrina Schatz</b>

Plus Die Bäume tragen so viele Äpfel wie lange nicht. Für Christian Roth aus Oberroth und seine Helfer bedeutet das viel Arbeit: Seine nostalgische Saftpresse läuft auf Hochtouren. Ein Besuch.

Das wird eine Jahrhundert-Ernte. So viele Äpfel wie heuer hingen jahrzehntelang nicht an den Bäumen. Diesen Eindruck hat zumindest Christian Roth. Und der 48-Jährige muss es wissen. Vor seiner Mosterei in Oberroth stehen seit einem Monat die Autos Schlange, beladen mit Körben und Säcken voller Boskoop, Brettacher und anderen Apfelsorten. Die Fahrer wollen Saft oder Most mit nach Hause nehmen.

Auf dem Hof riecht es süß und sauer zugleich. Wespen kreisen über Plastikeimern, an denen noch Schalenreste kleben. Der Motor der Saftpresse rattert vor sich hin. Das Geräusch ist Roth und seinen Helfern –Familie, Freunde, Arbeitskollegen – wohlbekannt. Jedes Wochenende von Anfang September bis Ende Oktober packen sie beim Mosten mit an. In diesem Jahr könne ein einziger Arbeitstag auch mal 18 Stunden dauern.

Jeder hat seine Aufgabe. Die Frauen in blauen Schürzen und Gummistiefeln sind an diesem Vormittag für die Presse zuständig. Sie stehen an einem Wagen und schichten darauf Bleche und geschredderte Äpfel übereinander. Die Schnipsel spuckt ein Rohr aus, das mit der Mühle verbunden ist. Der befüllte Wagen kommt anschließend unter die Presse, die mit viel Druck Saft aus der Apfelmasse quetscht. Und schon sprudelt gelbe Flüssigkeit aus dem Hahn. Dass die Maschine zickt oder ein Trichter verstopft, kann bisweilen vorkommen – „bei uns ist eben alles auf Nostalgie gemacht.“

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Denn in Oberroth ist die älteste Mostpresse Bayerns im Einsatz. So hat es Roths Großvater, ein Küfer, übermittelt. Sie wird heuer 70 Jahre alt, Baujahr 1948. Und nach wie vor ist sie gut in Schuss. Wie das geht? „Richtig aufbauen, fetten, schmieren und viel streicheln“, sagt der 48-Jährige und lacht.

Eine Fördertechnik mit Körben holt das Obst aus dem Waschtrog und transportiert es zur Mühle.
Bild: Sabrina Schatz

Roth hat das Mosten von klein auf gelernt. Bereits mit sechs Jahren half er den Großeltern, später dem Onkel. Irgendwann sollte er selbst den Betrieb übernehmen. Das ist nun etwa vier Jahre her. „Es ist geplant, dass es so weitergeht. Solange die Anlage läuft...“, sagt er.

Die Mostpresse wird heuer 70 Jahre alt - und gilt als älteste Bayerns

In einem kleinen Anbau, wenige Schritte von der Presse entfernt, ist es angenehm warm. Feuer knistert, in zwei gusseisernen Kesseln köchelt der gepresste Apfelsaft bei 80 Grad vor sich hin. Er soll steril werden und haltbar. Verzichtet man auf das Abkochen, vergärt der Saft zu Most. Wird er zu heiß, gehen Vitamine und Spurenelemente verloren. Mittels einer Pumpe läuft der Saft aus den Kesseln in einen großen Kanister. Frank Geist, eigentlich Industriemechaniker und Arbeitskollege von Roth, füllt den Saft an diesem Tag in Plastikbeutel. Wie viele solcher Big Bags es in diesem Jahr schon waren? „Ich zähle sie schon gar nicht mehr“, sagt der Dettinger und lacht. Eigentlich wollte er nur aushelfen, ist aber nun den fünften Tag da. „Aber es macht ja Spaß.“

Roth schätzt, dass die Mosterei heuer rund 80000 Liter Saft und Most produziert. „Das wird ein Rekordjahr“, prognostiziert er. 2017 seien viele Apfelblüten im Frühjahr erfroren. „Da haben wir dann gar nicht erst aufgemacht.“ Jetzt hatten die Bäume ein Jahr Zeit, um sich zu erholen – und tragen so viele Früchte, dass sich die Äste biegen. Auch an einem Baum in seinem eigenen Garten hänge noch jede Menge Obst.

Christian Roth verarbeitet an den Wochenenden im September und Oktober tonnenweise Äpfel.
Bild: Sabrina Schatz

Doch nicht nur der reichen Apfelernte ist es zu verdanken, dass das Geschäft brummt. Es gebe immer weniger Mostereien. „Früher, da hatten wir welche in Altenstadt, Bellenberg, Illertisssen, Babenhausen,...“, erinnert sich Roth. Nun kommen sogar Kunden aus Biberach und Ichenhausen. „Circa 50 Prozent sind Neukunden. Viele junge Familien, die für ihre Kinder frischen Apfelsaft wollen.“ Der Andrang sei verständlich: „Ich sage immer, wir produzieren Gesundheit.“

So hat auch Roth ein Ritual entwickelt. Muss er in seinem eigentlichen Beruf zur Frühschicht, brauche er zwei Dinge, um in Schwung zu kommen: „Kaffee und ein 0,2-Glas Apfelsaft. Das ist ein richtiger Vitaminschub am Morgen.“

Mosterei_13.JPG
11 Bilder
So entsteht der Apfelsaft in Oberroth
Bild: Sabrina Schatz
Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Mosterei_13.JPG
Oberroth

So entsteht der Apfelsaft in Oberroth

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden