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Landkreis Neu-Ulm

19.10.2017

Opfer leiden noch immer unter den Einbrüchen

Viele der geschädigten Bewohner haben ihre Häuser nach den Einbrüchen mit Kameras ausgestattet.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Zwei Serben müssen sich vor dem Landgericht Memmingen verantworten, weil sie in mehrere Häuser in der Region eingestiegen sind. Für die Bewohner geht es nicht nur um den finanziellen Schaden.

Sie sehen den Männern in die Augen, die in ihre Häuser eingestiegen und in ihre Privatsphäre eingedrungen sind. 17 Zeugen hat das Landgericht Memmingen zur Fortsetzung des Prozesses um Wohnungseinbrüche in der Region geladen – rund die Hälfte von ihnen sind Bewohner der Häuser, in die die beiden serbischen Männer eingebrochen sind.

Ein Geschädigter nach dem anderen betritt den Gerichtssaal, darunter Familienväter und einige ältere Frauen. Sie erzählen vor Gericht, wie sie immer noch unter den Folgen leiden: Sie verlassen abends nicht mehr ihre Häuser, sie lassen Lichter an, verriegeln Türen mehrfach. Und viele haben psychische Probleme. „Immer, wenn man die Wohnung betritt, denkt man, es ist jemand hier drin“, sagt eine Zeugin.

Wie berichtet, sind zwei Serben vor dem Landgericht in Memmingen angeklagt, weil sie zwischen November 2016 und Januar 2017 in 33 Häuser eingebrochen sein sollen. Unter anderem in Weißenhorn, Illertissen, Babenhausen und Ehingen. Dabei sollen sie Beute im Wert von rund 150000 Euro gemacht und Sachschäden in Höhe von 50000 Euro hinterlassen haben. Wo die Beute geblieben ist, ist bisher nicht vollständig geklärt. Weil die beiden bereits am ersten Verhandlungstag 13 der Taten zugegeben haben, haben sich die Beteiligten inzwischen auf eine Strafe zwischen viereinhalb und fünf Jahren Gefängnis geeinigt.

Die Eigentümer der Häuser waren entweder im Urlaub oder unterwegs, als die Einbrecher ans Werk gingen. Einer der Zeugen schildert vor Gericht, dass er und seine Frau bei einer Theateraufführung waren. „Zum Glück haben wir die Kinder zu den Großeltern gebracht“, sagt er. Seine Frau habe sich in psychologische Betreuung begeben müssen, den Kindern haben sie bis heute verheimlicht, dass eingebrochen wurde. „Wir wollten sie schonen“, sagt er.

Allgemein verwundert waren die Bewohner darüber, dass die Diebe wertvolle technische Geräte wie Tablets oder Laptops nicht mitgenommen haben. In einem Haus seien auch hochwertige Taschenuhren liegen gelassen worden, sagt ein Polizist vor Gericht. „Wahrscheinlich, weil die schwerer zu verkaufen sind.“ Generell haben die Einbrecher ihr Augenmerk auf hochwertigen Schmuck und Bargeld gelegt. Dabei haben sie auch vor D-Mark-Scheinen oder Münzen nicht Halt gemacht. Das Schlimme sei nicht der finanzielle Schaden, sondern die Erinnerungen, die die Opfer mit den gestohlenen Stücken verbinden. Manche Zeugen sprechen vor Gericht davon, dass sie erst gar nicht bemerkt hätten, dass jemand in ihr Haus eingebrochen sei. Andere berichten davon, dass es ausgesehen habe, als sei „ein Erdbeben passiert“. Die Sachschäden an Türen, Fenstern und Böden, die bei den Einbrüchen entstanden sind, bewegen sich zwischen 500 und 7000 Euro.

Die meisten Bewohner haben nach den Einbrüchen die Sicherheit an ihren Häusern verbessert, etwa mit Alarmanlagen, besseren Fenstern und Türen. Dennoch: „Das unbekümmerte, sichere Gefühl, auf dem Land zu leben, ist weitgehend weg“, berichtet eine Zeugin.

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