1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Polizei ermittelt nach Schulhofschlägerei in Illertissen

Illertissen

16.05.2019

Polizei ermittelt nach Schulhofschlägerei in Illertissen

Auf dem Pausenhof der Erhard-Vöhlin-Mittelschule flogen die Fäuste: Mehrere Buben schlugen aufeinander ein, mindestens zwei wurden verletzt. Jetzt ermittelt die Polizei. Es soll
Bild: Kaya (Symbol)

Plus Auf dem Pausenhof der Mittelschule prügeln sich mehrere Buben, zwei werden schwer verletzt. Es ist von einem Konflikt zwischen Türken und Kurden die Rede.

Plötzlich ging es auf dem Pausenhof rund: Bei einer Schlägerei zwischen Jugendlichen und Kindern an der Erhard-Vöhlin-Mittelschule in Illertissen sind mehrere Schüler verletzt worden, zwei davon schwer. Die Stimmung unter den Schülern, Lehrern und Eltern war danach angespannt, er herrschte Unruhe und Entsetzen. Vier beteiligte Buben mussten nach dem Vorfall die Bildungseinrichtung verlassen. Es soll sich um einen Konflikt zwischen Kurden und Türken gehandelt haben – die genaueren Hintergründe sind unklar. Erst durch Recherchen unserer Redaktion wurde dieser Fall nun bekannt, ereignet hatte er sich bereits Ende März. Und nicht nur das wirft Fragen auf. Auch interessant: Illertissen: Von den positiven Seiten einer Gang

Laut Schulleiterin Monika Scherzer soll sich die Prügelei wie folgt zugetragen haben: Die involvierten Siebtklässler haben ihr zufolge ausgesagt, dass sich die mindestens sechs beteiligten Buben im Vorfeld gegenseitig provoziert und beschimpft hätten. „Wer wen beleidigt hat, müssen wir klären“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Nach der ersten Pause sei einer der Jungen zu einer Lehrerin gegangen und habe ihr von den Beschimpfungen erzählt, so Scherzer. Die Pädagogin habe ihn zur Besonnenheit aufgefordert – offenbar vergeblich.

Warum wurde der Vorfall erst jetzt bekannt?

Denn während der zweiten Pause lief alles aus dem Ruder: Vier Siebtklässler sollen zwei Schüler aus der zehnten Jahrgangsstufe geschlagen und getreten haben, sodass diese stationär behandelt werden mussten. Rektorin Scherzer spricht von „erheblichen Verletzungen“. Auch zwei der Siebtklässler mussten ambulant behandelt werden. „Aufgrund der Verletzungen haben wir sofort die Polizei informiert“, sagt die Schulleiterin. Ihr zufolge sind Emotionen hochgekocht, sie ist sich sicher, dass der Konflikt nichts mit der Mittelschule zu tun hat. Was genau dahinter steckt, kann sie nicht sagen. „Ich habe so etwas so massiv noch nie erlebt und ich bin seit 35 Jahren im Schuldienst.“ Die Stimmung nach dem Vorfall sei sowohl unter den Eltern als auch unter den Schülern und Lehrern angespannt gewesen. „Schüler und Lehrer waren entsetzt, viele Eltern beunruhigt. Das war auch der Grund, warum wir sofort reagieren mussten.“ Mit „sofort reagieren“ meint die Rektorin die Beurlaubung der vier Siebtklässler, die getreten und geschlagen haben sollen. Außerdem wurde im Disziplinarausschuss, zu dem neun Lehrer und die Rektorin gehören, entschieden, dass die vier die Illertisser Schule verlassen müssen. Die Buben seien inzwischen auf verschiedene Schulen verteilt worden. Da die Zehntklässler zu jener Zeit mitten in der Prüfungsphase steckten, wurden sie laut Scherzer noch nicht mit dem Geschehenen konfrontiert – das soll aber folgen.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Schlägerei: Von einem ethnischen Konflikt ist die Rede

Was auffällt: Die Rektorin vermeidet in ihren Ausführungen ethnische Zugehörigkeiten. Es soll sich aber um einen Konflikt zwischen Türken und Kurden gehandelt haben, wie uns Christl Zepp, Sprecherin des Beirats Asyl in Altenstadt, mitteilt. Scherzer sagt indes: „Für mich gilt grundsätzlich, dass an der Schule alle Schüler Schüler sind und da gilt für alle das Gleiche, egal woher sie kommen, welchem Kulturkreis oder welcher Religion sie angehören und welche Sprache gesprochen wird.“

Deutlichere Worte findet Zepp, die unserer Redaktion auch weitere Informationen zu dem Vorfall lieferte. Sie spricht von Diskriminierung und Ungerechtigkeit gegenüber den kurdischen Siebtklässlern. Zepp kennt einige von ihnen, betreut teils deren Familien. Sie engagiert sich als Flüchtlingshelferin und ist Geschäftsführerin der Kulturbrücke Schwaben. Was der Altenstadterin nun sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass die vier kurdischen Siebtklässler von der Schule verwiesen wurden. Die türkischstämmigen Zehntklässler besuchten jedoch weiterhin die Einrichtung und seien in keiner Weise belangt worden. Das sei nicht fair – sie hat Widerspruch beim Schulamt gegen die Entlassungen eingelegt und rechtlichen Rat eingeholt.

Widerspruch gegen die Entscheidung der Schule

Eindeutig liege hier ein ethnischer Konflikt zugrunde, ist sich Zepp sicher. Die Siebtklässler seien durch üble Ausdrücke provoziert worden, die Zehntklässler hätten mit den Schubsereien begonnen und die Jüngeren hätten sich verteidigt. „Die türkischen Feindseligkeiten gegen kurdische Flüchtlinge haben Dimensionen angenommen, die ich nicht mehr hinnehmen werde“, teilt sie mit. Und dass die kurdischen Buben laut Zepp nach der Schlägerei wieder – über den Kopf der Mutter hinweg – an die Mittelschule in Vöhringen geschickt worden waren, obwohl sie dort schlechte Erfahrungen gesammelt hätten, kann sie nicht nachvollziehen. Mittlerweile besuchten sie durch Zepps Hilfe wieder eine andere Schule. Auch versteht die Altenstadterin nicht, warum die Lehrer nicht eingegriffen haben. Rektorin Monika Scherzer sagt hierzu, alles sei sehr schnell gegangen – ein Eingreifen sei gar nicht möglich gewesen. „Wir dulden an der Schule keine Gewalt. Man kann versuchen Dinge zu klären, aber nicht mit körperlicher Gewalt.“

Was hinter der Schlägerei steckt, wissen letztlich nur die Buben. Ermittelt wird nach Aussage von Alexander Kurfürst, stellvertretender Leiter der Illertisser Polizei, nun wegen Körperverletzung gegen mehrere Beteiligte. Die Schlägerei sei keine „Lappalie“, Menschen seien verletzt worden. Lesen Sie auch: Diebstähle und Gewalt: Was wurde aus der Illertisser Jugendgang?

Gerade deswegen drängt sich die Frage auf, warum die Polizei die Öffentlichkeit nicht sofort informiert hat? Laut Kurfürst, weil Kinder und Jugendliche einen besonderen Schutz, was die Veröffentlichung solcher Vorfälle angeht, genießen. Ein Teil der Schüler sei über 14 Jahre alt, sie gelten als Jugendliche. Andere seien unter 14, nach deutschem Recht also noch Kinder. Allerdings, so Kurfürst, werde immer je nach Fall abgewogen und entsprechend entschieden. Auch das ist Schule: Bienenwachs statt Frischhaltefolie: Schüler besuchen Umweltstation

Christian Eckel, einer der Pressesprecher des Präsidiums Schwaben Süd/West, erklärt, er kenne den vorliegenden Fall zwar nicht, die Beamten orientierten sich bei Veröffentlichungen ihrer Meldungen aber grundsätzlich an den „publizistischen Grundsätzen“. Und bei Vorfällen, in die Kinder oder Teenager verwickelt seien, würden in der Tat strengere Maßstäbe gelten. „Das hängt aber von der Schwere des Delikts ab“, sagt Eckel. Eine bloße Schlägerei werde also nicht immer publiziert – da müsse abgewogen werden.

Im Illertisser Fall sind vermutlich längst nicht alle Fragen geklärt. Das Alter der beteiligten Kinder und Jugendlichen könnte für die Bemessung eines Strafmaßes aber eine bedeutende Rolle spielen. (mit caj)

Apropos Konflikt: Müssen die sechs Gedenkstelen in Altenstadt nun doch weichen?

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren