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Vöhringen

28.03.2019

Teil für Teil zum eigenen Roboter

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So stellen sich wohl die meisten Menschen zukünftige Roboter vor. Dass diese aber auch ganz andere Formen annehmen können, beweisen die Robotiker am Lessing-Gymnasium in Neu-Ulm.
Bild: Guido Kirchner, dpa (Symbol)

Technikinteressierte Jugendliche können sich weltweit bei sogenannten Robotik-Wettkämpfen austoben. Mit von der Partie ist auch ein Vöhringer Unternehmen.

Julius Hense nimmt vorsichtig den kleinen Roboter aus dem Koffer, entfernt die Schutzfolie und setzt den Fußballer auf den Tisch. Dass das kleine technische Wunderwerk, gerade mal rund 30 Zentimeter hoch, ein Kicker ist, wissen nur diejenigen, die mit dem Begriff Robotik etwas anfangen können. Das sind mittlerweile viele Tausend junge Menschen weltweit. Sie beteiligen sich an Wettbewerben und tauschen Erfahrungen aus. Nicht fehlen darf dabei die Vöhringer Firma Blech & Technik.

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An diesem Nachmittag treffen sich fünf Schüler vom Lessing-Gymnasium Neu-Ulm mit Schulleiter Martin Bader bei dem Vöhringer Betrieb. Das Unternehmen mit 40 Beschäftigten, darunter zwölf Auszubildende, ist zum unentbehrlichen Partner für die jungen Robotiker geworden. Die Mitarbeiter des Betriebs fertigen in diffiziler Kleinarbeit Teile aus feinem Blech, die für Bau und Funktion eines Roboters nötig sind. Das alles macht die Firma zum Nulltarif – was keineswegs selbstverständlich ist.

Robotik: Die Ingenieure von morgen sind am Werk

„Wir machen das sehr gerne“, sagt Firmenchef Thomas Zenzinger. Denn das, was die jungen Leute brauchen, könne man nicht in einem Geschäft kaufen, das müsse angefertigt werden – zugeschnitten auf das, was für den Roboter notwendig ist. Die gewünschten Blechteile seien keine Standardware. Als die ersten Anfragen bei Blech & Technik ankamen, sei Zenzinger begeistert gewesen. Er sagte spontan Unterstützung zu. „Wenn junge Leute sich mit Technik beschäftigen, dann ist das für uns immer eine Freude“, so der Firmenchef. Erstaunt sei er immer wieder von den Vorleistungen, die die Robotiker erbringen. „Sie legen uns Konstruktionszeichnungen vor, die so präzise gemacht sind, dass man nur staunen kann. Einfach professionell. Für uns war es leicht, diese Wünsche zu erfüllen.“ Dabei geht es zum Beispiel um Bodenplatten, Halterungen um den Motor zu fixieren und andere kleine Details, die anpasst sein müssen.

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Für die Hilfestellung, die sein Unternehmen anbietet, nennt Zenzinger mehrere Gründe. „Die Schüler haben ja nicht so viel Geld, um Einzelanfertigungen bezahlen zu können. Allein schon das Interesse an Technik ist für uns Anreiz zu helfen.“ Aber für Zenzinger spielt noch mehr eine Rolle. „Wir können jungen Menschen bei der Berufsfindung helfen. Ein Land wie Deutschland braucht doch Techniker, Ingenieure, Informatiker. Man darf ja den Anschluss an die internationale Entwicklung nicht verpassen“, sagt er. In den Robotikern sieht er auch eine Chance für die Region. Denn die Nachwuchstüftler seien die Zukunft von morgen. Und da sich die jungen Menschen wirklich für eine Sache einsetzen, die sie begeistere, könne und wolle er dafür schlichtweg kein Geld verlangen.

Robotik: Einige beginnen mit Legosteinchen

Angefangen hatte alles 2001. Martin Bader, damals noch Lehrer am Illertal-Gymnasium, hatte die jungen Robotiker unter seine Fittiche genommen. Das IGV war damals schon ein Hotspot für die Robotik. Daraus entwickelte sich später auch das RoCCI, was für Robotik-Competence Center Illertal steht. Auf spielerische Weise entdecken Schüler technische Zusammenhänge, es gibt die Sparten Dance, Rescue und Soccer. Das gilt auch für das Lessing-Gymnasium in Neu-Ulm. Und Schulleiter Bader wollte für die Teilebeschaffung regionale Unternehmen mit einbinden. „Wir haben zahlreiche Firmen angeschrieben und vorgestellt was wir uns wünschten, aber es kamen nur Absagen, wenn überhaupt geantwortet wurde.“ Allerdings seien die Roboter-Projekte auf Sponsoren angewiesen gewesen. Die Antworten waren ernüchternd: „Kostenlos wollte niemand etwas tun. Bis wir dann bei Blech & Technik Erfolg hatten.“

Berufswahl: Schüler wollen später in den Technikbereich gehen

Baders Engagement für die Schüler ist bekannt. Der Lehrer erkennt aber auch eine „soziale Verantwortung“, die Zenzinger und seine Firma nun übernommen hätten. „Auf diese Weise bekommen die Jugendlichen auch Kontakt zur Industrie, was sehr nützlich ist, schon allein mit Blick auf die Berufswahl“, erklärt Bader.

So hat die Robotik-Kooperation beispielsweise dem 20-jährigen Christian Häußler geholfen. Er ist dem Lessing-Gymnasium zwar schon entwachsen und studiert Maschinenbau, sein Praktikum hat er aber bei Blech & Technik in Vöhringen absolviert. Noch heute hilft er den Robotikern an seiner ehemaligen Schule. Und Julius Hense, 15, hatte einst mit dem Lego-Stecksystem angefangen. „Das tun viele, weil es ein Einstieg in die Robotik ist.“ Sein Berufswunsch geht in Richtung Informatiker oder Ingenieur. Der 15-jährige Maximilian Schummer entwirft seine Konstruktionen – wie andere auch – mit einem Spezialprogramm am Computer. Er möchte später in Richtung Elektrotechnik, Informatik oder Maschinenbau gehen, sagt er.

Bleibt nur noch eine Frage: Was müssen die Robotiker von morgen eigentlich alles können? Schulleiter Bader formuliert es so: „Liebe zur Sache, Geschicklichkeit, soziale Kompetenz und nicht zuletzt Frustrationstoleranz.“

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