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Illertissen

31.01.2017

Wenn der Weiher zur Spielbahn wird

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3 Bilder
Eine Gruppe Illertisser beim Eisstockschießen auf dem zugefrorenen Weiher in Illertissen. Siegfried Sommer (Mitte, gebückt) hat gerade den Stock losgeschleudert. Rechts zu sehen ist Walter Groß, der Geschichten aus der Zeit kennt, als der Weiher noch jedes Jahr zugefroren war.
Bild: Regina Langhans

Dank eisiger Temperaturen wird das zugefrorene Gewässer in Illertissen zum Treffpunkt für Familien und Wintersportler. Eine Gruppe Eisstockschützen erzählt, wie es früher war.

Frostige Temperaturen machten am Wochenende den Stadtweiher Illertissen zum Zentrum winterlicher Aktivitäten. Das lockte insbesondere die Eisstockschützen nach fünfjähriger Pause wieder an die Öffentlichkeit. So lange ist es her, dass der Weiher das letzte Mal zugefroren und sportbegeisterten Illertissern das „Eiskegeln“ vor der Haustüre ermöglicht hat. Doch Vorsicht: Illertissens Bauhofleiter Michael Kienast gibt zu bedenken, dass mildere Temperaturen dem eisigen Vergnügen ganz schnell ein böses Ende bereiten können. Er verweist auf das Schild am Weiher, das ein „Betreten der Eisfläche auf eigene Gefahr“ signalisiert und warnt: „Das Eis ist nicht überall gleich stark, zudem könnte jemand Löcher geschlagen haben, die dann zur Falle werden.“

Die Illertisser Eislaufsaison begann vor genau einer Woche: Eine lose Clique, zumeist alteingesessene Freunde, arbeitet dann Hand in Hand. Einer misst mit der Bohrmaschine die Eisstärke, darauf wird beratschlagt und bei „grünem Licht“ verhilft die Feuerwehr mit einer Ladung Wasser dem Weiher zu einer spiegelglatten Oberfläche. So geschehen am vergangenen Montag, und seit Dienstag waren die Illertisser Eisstockschützen täglich bei ihrem Sport anzutreffen.

„Wir telefonieren und sprechen uns ab“, erzählt Siegfried Sommer, „ob die Eisschicht trägt, wissen wir aus Erfahrungswerten“. Nicht umsonst würde das Schild am Ufer warnen. Derzeit dürfte das Eis 17 bis 20 Zentimeter dick sein, so die Eisstockschützen, ab 15 Zentimeter sehen sie kaum eine Gefahr, es zu betreten. Ihre Eisbahn pflegen die Freunde selbst, indem sie beispielsweise nach intensiver Nutzung die matschig gewordene Oberfläche mit dem Schneeschieber glätten, um ein Festfrieren der Unebenheiten über Nacht zu verhindern. Gabi Riedel-Kögel ergänzt, dass alle Unternehmungen auf freiwilliger Basis beruhten: „Wir machen in der Freizeit auch andere Dinge gemeinsam.“

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Waren wochentags neben Kindern großteils Eisstockschützen im Rentenalter anzutreffen, so tummelten sich Samstag und Sonntag ganze Familien auf dem Eis, zum Eiskegeln, Eislaufen oder für eine Schlittenpartie. Zum allgemeinen Trubel spendierte eine örtliche Bäckerei Krapfen für jeden sportelnden Teilnehmer.

Doch auch die Eisstockschützen selbst hatten vorgesorgt, indem sie an der Steininsel, wo sonst Wasserfontänen hochschießen, eine kleine Imbissstation eröffneten: „Wir haben Glühwein, Punsch und die letzten Weihnachtsplätzchen mitgebracht“, sagte Andrea Schmid.

Dass der Weiherplatz den Ansturm an Wintersportlern kaum fassen konnte, erinnert Walter Groß, der in dessen unmittelbarer Nähe aufwuchs, an die eigene Kindheit: „Der Weiher war früher immer zugefroren und Mittelpunkt vielerlei Aktivitäten.“ Für die Kinder habe der Winter mit der Suche nach dem „Eiskönig“ begonnen. „Wer sich als Erster aufs Eis getraut hat“, so Groß, „errang den Titel“. Die Gefahr, beim Einbrechen zu verunglücken, habe nicht bestanden, glaubt Groß: „Es waren stets viele Augenzeugen dabei“, erzählt er schmunzelnd, „die den mutigen Schritt des Eiskönigs beobachten wollten und notfalls hätten helfen können“. Die Oberhoheit auf dem Eis hatten die Eisstockschützen als die älteren Herren, die nicht mehr auf Schlittschuhen unterwegs waren, so Groß. „Sie achteten strengstens auf ihre Bahnen, die wir nicht zerkratzen durften.“ Nach ihnen kamen Eishockeyspieler und Schlittschuhläufer. „Zeitweise“, erinnert sich Groß, „gab es sogar einen älteren Herrn, der sein Kofferradio am Ufer spielen ließ, dazu zogen Eisläufer ihre Bahnen“.

Für Groß und seine Altersgenossen aber war es erst dann ein guter Wintertag, wenn sie in „Vollausrüstung“ losziehen konnten. Das hieß, sie waren unterwegs mit Schlitten, Schlittschuhen, Hockeyschläger und Skiern, welche am benachbarten Katzenbuckel oder Silbersteig zum Einsatz kamen. Auch das Winterende hat Groß noch in lebhafter Erinnerung: „Wenn die Eisfläche in einzelne Platten zerbrach, war die Zeit zum „Bugen“ gekommen. Dazu bestiegen sie, mit Stecken bewaffnet, die Eisschollen und versuchten, sich auf ihnen fortzubewegen. Wer ins Wasser plumpste, kehrte mit gefrorener Hose heim, was schon mal vorkommen konnte. Groß hatte beim Erzählen nicht vergessen, Eisstöcke auf die Bahn zu schießen, wenn er an der Reihe war. „Es gewinnt, wer mit dem Kegel am nächsten an die Daube – das ist ein Holzwürfel – kommt“, erklärte Siegfried Sommer das Traditionsspiel, „wobei die Stöcke addiert werden“. Wer als Erster die Zahl 21 erreicht, ist Sieger.

Beim Erzählen und Spielen ist die Zeit vergangen und mit der untergehenden Sonne stellte sich wieder eisige Kälte ein. Die Wintersportler rüsteten zum Heimweg und es war Zeit für die Eisstockschützen, ihre Bahn glatt zu schieben.

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