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Schießen

10.11.2018

Wie trainieren eigentlich Sportschützen?

Sven Martini, Trainer der Vöhringer Pfeilschützen, beobachtet seine Schützen im Training (oben und unten links). Das beinhaltet nicht nur Schießübungen, sondern insbesondere Konzentrationstechniken. Aber auch Fitnesseinheiten beim Joggen und im Fitnesstudio gehören zum Pensum, das Schützen wie Andreas Renz (links unten) absolvieren müssen.

Die Vöhringer Pfeilschützen haben am Wochenende frei und können die Zeit fürs Training nutzen. Aber wie sieht das im Schießsport überhaupt aus?

Es ist mehr ein lautes „klack“ als ein scharfes „peng“, wenn die Luftgewehrschützen feuern. Sind die Mitglieder des Bundesligateams vom SV Pfeil Vöhringen am Trainingsstand, macht es sehr oft „klack“. Im Schusstraining wohlgemerkt, denn trainiert wird beileibe nicht nur mit dem Gewehr in der Hand. Natürlich wird bei den Spitzenschützen das Schießen geübt, aber um Topergebnisse zu erzielen, bedarf es weiterer Trainingsmaßnahmen. Dieses Wochenende haben die Pfeil-Schützen keinen Wettkampf, sondern können wie unter der Woche an ihren sportlichen Fähigkeiten herumfeilen.

„Zwei- bis dreimal pro Woche mache ich reines Schusstraining“, berichtet Andreas Renz. „Vor einem Wettkampfwochenende reduziere ich das Training. Dann schieße ich dienstags noch einmal richtig, im Anschluss mache ich aber kein 40-Schuss-Training mehr und gehe auch nicht ins Fitnessstudio.“ Regelmäßig laufen, Rad fahren oder schwimmen sowie Fitnesstraining stehen auch auf dem Plan. Einige Kameraden handhaben das etwas anders und üben noch am Tag vor dem Bundesligawochenende, aber Andi Renz sagt: „Ich baue einen Spannungsbogen auf und will beim Wettkampf dann zum Kick kommen. Meine ganze Kraft und Konzentration gilt den Bundesligakämpfen.“ Und da ist allgemeine körperliche Fitness gefragt. Renz ist wie die anderen Teammitglieder mit Ausnahme des russischen Doppelweltmeisters Sergei Kamenskiy und des Ukrainers Oleh Tsarkov reiner Amateur. Trotzdem schießen die Vöhringer in der deutschen Spitze. Was an den teilweise individuellen Übungseinheiten liegt und an Trainer Sven Martini.

So trainieren Sportschützen

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Zum Training gehören auch Konzentrationsübungen, die in die Bereiche des autogenen Trainings oder ins Yoga gehen. „Da üben wir zum Beispiel, wie man seinen Puls regulieren kann“, erklärt Renz. „Dazu kommen Atemübungen. Wenn wir den Atem kontrollieren, ist das oft mitentscheidend.“ Für einen eher langsam schießenden Schützen wie Renz sowieso. Oft steht er noch am Stand, wenn alle anderen ihr Pensum schon absolviert haben. „Da muss man bei sich sein“, erklärt er. „Und man darf sich von äußeren Einflüssen wie dem Geschrei der Zuschauer oder lauter Musik möglichst wenig beeinflussen lassen.“ Vor allem, wenn es noch um Sieg oder Niederlage geht. Trainer Sven Martini sagt dazu: „Die Langsameren üben auch oft, einmal schnell zu schießen. Im Wettkampf ist man dann psychologisch im Vorteil.“ Zwischen sechs und zehn Stunden pro Woche trainieren die Vöhringer Amateure.

Wie die Profis Kamenskiy und Tsarkov genau trainieren, weiß Andreas Renz gar nicht. „Vor wichtigen Wettkämpfen wie Welt- oder Europameisterschaften wird Sergei in seiner Heimat abgeschottet“, erzählt der Vöhringer. „Er ist Profi und bekommt vom Verband einen genauen Trainingsplan. Er hat jeden Tag das Gewehr in der Hand und absolviert täglich 300 bis 400 Schuss.“ Mit einem Gewehr, das um die fünf Kilogramm wiegt. Dieser hohe Trainingsaufwand bringt Kamenskiy im Schnitt bei 40 Schuss um die drei bis vier Ringe mehr gegenüber seinen Kameraden. Aber bei den Luftgewehrschützen ist das eine Bank. Schließlich ist das Feld fürs Topergebnis, die Zehn, nur einen halben Millimeter im Durchmesser groß. Geschossen wird aus zehn Metern Entfernung.

Vöhringer Pfeilschützen zeigen, wie sie trainieren

Beim Schießen kommt es, so Trainer Sven Martini, zunächst darauf an, richtig zu stehen, das Gewehr richtig zu halten, gut abzuziehen und nachher gut zu halten. „Diese Bewegungsabläufe werden separat trainiert.“ Martini schaltet im Training oft die Bildschirme aus, auf denen die Schützen das Ergebnis ihres jeweiligen Schusses sehen können. „Die sollen vom Gedanken wegkommen, eine Zehn schießen zu müssen“, erklärt er. „Sonst aber müssen wir im Training auch wieder den Druck simulieren, den wir im Wettkampf haben. Die Nerven müssen mitspielen. Auch der psychische Effekt ist bei unserer Sportart sehr wichtig. Viele Übungen dazu macht jeder Schütze daheim individuell für sich.“ Im gemeinsamen Training gibt es oft Duelle wie im Wettkampf. Wer mit äußeren Einflüssen gewisse Probleme hat, bekommt schon einmal ein lautes Radio neben sich aufgestellt.

Sven Martini, der beim Training immer wieder leicht korrigierend eingreift, hat verschiedene Ideen, wie er Druck aufbauen kann. So sagte er kürzlich im Training zu Florian Krumm: „Du schießt jetzt, bis du zehn Zehner in Folge erzielt hast.“ Anschließend verließ er den Raum. Es dauerte nicht lange und Krumm kam mit einem breiten Grinsen herausspaziert.

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