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Lokalgeschichte

15.03.2014

Als Wilderer trieb er sein Unwesen

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2 Bilder
Auf einer Postkarte mit dem Galgen-Kaspar heißt es: „Pflegte fleißig das Weidwerk zur Freude der Bauern, zum Ärger der Jagdherrn; revidierte unangekündigt Privatkassen, Vorratskammern, Schweineställe u. s. w. und starb als Pensionär, wahrscheinlich in der Villa am Katzenstadel (= Justizvollzugsanstalt) bei Augsburg.“
Bild: Sammlung Fischer

Kaspar Müller aus Niederraunau (1796 bis 1830) wird immer wieder auch mit dem „Bayerischen Hiasl“ verglichen

Schriftliches über den Galgen-Kaspar findet sich im Sonderheft zu den Deutsche Gauen von 1908. Dort heißt es: „Am 5. Januar 1796 wurde auf der Josephslust geboren Kaspar Müller als Sohn des herrschaftl. Baumeisters Michael Müller und dessen dritten Hausfrau Anna Kramerin von Kirchberg.“ Beschrieben wird dort auch, dass der Knabe schon von Jugend auf zu tollen Streichen aufgelegt war, weshalb seine Mutter öfters zu ihm gesagt haben soll: „Auf dem Galgen bist du geboren, am Galgen wirst du sterben.“

Weiter heißt es dort, dass der „Galgen-Kaspar“, wie er genannt wurde, ein Schreiner war, sich jedoch auf das Wildern verlegt habe. Mit den Bauern habe er auf gutem Fuß gestanden: Sie sollen ihn heimlich mit Nahrungsmitteln versorgt haben, denn sie seien froh gewesen, dass er sie von der Wildplage befreite. Dem Galgen-Kaspar wurde jedoch zur Last gelegt, dass er in der Wirtschaft in Haupeltshofen einen Gendarmen, der zum Fenster hinausschaute, vom Wald aus durch einen Schuss in den Kopf getötet habe. Von da an wurden regelrechte Streifen nach ihm unternommen, eine Belohnung auf ihn ausgesetzt. Gefasst wurde er vom Jäger Josef Amann und dann an das Landgericht Ursberg abgeliefert. Laut dieser Quelle starb er 1830 im Gefängnis in Augsburg.

Die Suche nach dem Übeltäter wird verstärkt

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Am 21. Mai 1830 berichtet Das Inland – Ein Tagblatt für das öffentliche Leben in Deutschland, mit vorzüglicher Rücksicht auf Bayern über den Schuss auf den Gendarmen: „Der königl. Gensd´arme Eberle von der Station Ursberg ist am 14. d. M. vor dem Dorfe Haupeltshofen erschossen worden und zwar, wie man gegründet vermuthet, durch den berüchtigten Kaspar Müller, gewöhnlich Galgen = Kaspar genannt, auf welchen die Gensd´arm Stationen Ursberg, Babenhausen und Pfaffenhausen streiften.“ Genau wird der Wortwechsel geschildert, dem der tödliche Schuss folgte. Mit den Worten „Meine Herren, ich kann noch einmal schießen“ soll sich der Täter davongemacht haben. Daraufhin wurde die Suche nach dem Übeltäter durch die Gendarmerie erheblich verstärkt.

Sechs Wochen später meldet das Tagsblatt der Kreishauptstadt Augsburg: „Ursberg, den 30. Juli. Heute Mittags 11 ½ Uhr wurde in dem Walde zwischen Niederraunau und Mindelzell der berüchtigte Gauner Caspar Müller (volgo Galgen=Caspar) mit seiner Concubine Ursula Schmidt von Niederraunau durch den Gendarmerie = Brigadier Wilhelm Rittler und den Stations = Kommandanten Trübel, in Verbindung mit dem Revierförster von Niederraunau, J. Amann, ergriffen und verhaftet, und Nachmittags 4 Uhr in das königl. Landgericht Ursberg eingebracht. Galgen = Caspar und dessen Concubine hatten sich, um sich vor dem starken Regen zu schützen, unter einem Gebüsch gelagert. Er hatte einen geladenen Stutzen, eine Pistole, ein Stilet, Pulver und Blei, und Feuerzeug bei sich.“

Der Fall musste damals von größtem öffentlichem Interesse gewesen sein. Denn als das Gerücht aufkam, dass der Gefangene nach Augsburg überführt werden soll, versuchten zahlreiche Augsburger Bürger, darunter naturgemäß viele Kinder, den Galgenkaspar irgendwie zu Gesicht zu bekommen und belagerten Augsburgs Gefängnis und die Augsburger Polizeistation.

Das Augsburger Tagsblatt schreibt in seiner Ausgabe vom 3. Juli 1830, dass der Galgen-Kaspar nach seiner Verurteilung in Memmingen zunächst nach Kaisheim in die dortige Korrektionsanstalt kam, um am 9. Oktober 1830, mit „reichlicher Bedeckung“, zwei Mann zu Pferd und zwei Mann zu Fuß, nach Augsburg überführt zu werden. Dort gab es offenbar weitere Beschuldigungen. Seine Konkubine Ursula Schmidt war nach ihrer Verhaftung zunächst nach Ursberg, dann nach Zusmarshausen und schließlich nach Augsburg gebracht worden.

Der Galgen-Kaspar war offenbar schwer krank

Im Tagsblatt im Februar 1831 findet sich ein Bericht, wonach der Galgen-Kaspar ernstlich erkrankt ins Augsburger Krankenhaus eingeliefert worden sein soll, worüber sich etliche zahlende Patienten beschwerten. Um die erregten Gemüter jedoch möglichst rasch zu beruhigen, versäumt es der Schreiber des Artikels nicht, im gleichen Satz zu erwähnen, „dass die Patienten sich nicht in Gesellschaft mit dem Galgenkaspar befinden.“

Der Gesundheitszustand des Galgenkaspars muss jedoch ernst gewesen sein, denn in der Zeitungsnotiz heißt es auch: „…und wird wahrscheinlich nicht wieder hergestellt werden.“

Wie, wann und wo der Galgen-Kaspar tatsächlich gestorben ist, entzieht sich jedoch wegen mangelnder Aktenlage meiner Kenntnis. Wie weitere Recherchen ergaben, wurden die Strafakten vernichtet.

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