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Thannhausen

10.01.2019

Dieses Gerät kann Senioren das Leben retten

Die Einrichtungsleiterin des Thannhauser Stadlerstifts, Anita Kugelmann, zeigt einen der Transponder, mit denen Senioren mit Weglauftendenz ausgestattet werden. Die Geräte haben etwa die Form und das Gewicht einer Armbanduhr.
Bild: Christian Gall

In Thannhausen fand eine Zeitungsausträgerin eine hilflose Frau, die nachts ein Altenheim verlassen hatte. Wie Menschen mit Demenz geschützt werden.

Thannhausen In der Nacht auf den dritten Dezember war es eiskalt. Etwa minus fünf Grad zeigte das Thermometer, als Manuela Stegmaier um 2.30 Uhr durch Thannhausen fuhr, um ihre Runde als Zeitungsausträgerin zu beginnen. Ihr Weg führte sie durch die Stadlerstraße – dort hörte sie plötzlich Hilferufe. Davon alarmiert sah sie, dass eine Seniorin auf einer Grünfläche lag, trotz der Kälte nur mit einem dünnen Nachthemd bekleidet. „Mir war klar, dass die Frau aus dem Altenheim stammen muss, das direkt dort steht“, erzählt Stegmaier.

Sie rief telefonisch eine Kollegin zu Hilfe, deren Austrage-Gebiet auch das Areal rund um das Altenheim Stadlerstift umfasst. „Ich habe der Frau am Boden meine Jacke und meinen Schal gegeben, damit sie es etwas wärmer hat“, sagt sie. Auf die Beine helfen wollte sie ihr nicht – offenbar war die Frau gestürzt und Stegmaier befürchtete, dass sich die Frau durch plötzliches Aufstehen weiter verletzen könnte. Ihren Beobachtungen nach hatte die Seniorin ein aufgeschürftes Knie und einen Blutgerguss im Hüftbereich. Stegmaiers Kollegin verständigte währenddessen das Personal im Stadlerstift. Zwei Mitarbeiterinnen kamen hinzu, halfen der gestürzten Frau auf die Beine und brachten sie in das Gebäude zurück.

Die Frau wurde zum Glück schnell gefunden

Die Ereignisse der Nacht gingen glimpflich über die Bühne. Wie die Einrichtungsleiterin Anita Kugelmann sagt, habe die Frau keine gesundheitlichen Folgen davongetragen: „Am nächsten Morgen konnte sie schon ganz normal wieder am Frühstück teilnehmen.“ Die Mitarbeiterinnen des Hauses, die der Frau in der Nacht halfen, verzichteten darauf, einen Krankenwagen zu rufen. „Unser Personal schätzt im Einzelfall ein, ob das nötig ist. Bei Verletzungen am Kopf etwa wird sofort ein Arzt verständigt. Bei dem aktuellen Vorfall war das aber nicht notwendig.“ Als die Seniorin von Manuela Stegmaier gefunden wurde, habe laut Kugelmann das Hauspersonal gerade einen Rundgang durch die Einrichtung gemacht. „Ihnen wäre sicherlich das Fehlen der Frau aufgefallen. Ich bin dennoch froh, dass die Austrägerin so schnell eingegriffen hat.“

Die Einrichtung in Thannhausen arbeitet wie viele andere Altenheime im Kreis mit technischen Hilfsmitteln, um das Weglaufen bestimmter Personen zu registrieren. Wie der Zuständige der Heimaufsicht im Landkreis und Fachbereichsleiter der Betreuungs- und Seniorenfachstelle, Gerhard Weiß, erklärt, werden vom Weglaufen gefährdete Personen mit einem Transponder ausgestattet. Dieses kleine Gerät tragen sie an einem Band um ihr Handgelenk. Wenn sie damit eine gesicherte Tür durchschreiten, wird das Personal darüber informiert – die Technik ähnelt der elektronischen Warensicherung in Kaufhäusern.

Transponder: Sicherheit, aber auch Überwachung

„Ein solcher Transponder ist aber eine freiheitsbeschränkende Maßnahme, da die Person ja überwacht wird“, sagt Weiß. Daher werden nur Personen damit ausgestattet, die eine Weglauftendenz zeigen. Bei der Seniorin in Thannhausen war das bisher nicht der Fall. „Die Frau ist zwar in einem gewissen Grad dement, allerdings galt sie nicht als weglaufgefährdet“, sagt Einrichtungsleiterin Kugelmann. Inzwischen trägt jedoch auch sie einen Transponder.

Im Stadlerstift sind alle Türen nach draußen elektronisch gesichert, wie Kugelmann sagt. Der Anteil der Personen, die einen Transponder tragen, ist jedoch verhältnismäßig gering – von rund 80 Senioren im Stadlerstift tragen nur etwa vier ein solches Gerät. „Der Transponder ist auch nur dann eine Lösung, wenn die Person durch gutes Zureden dazu bewegt werden kann, wieder in das Heim zurückzugehen“, sagt Kugelmann. Ist das nicht mehr der Fall, müssen andere Maßnahmen getroffen werden. Eine Möglichkeit ist die Unterbringung in einem beschützenden Bereich.

Einen Solchen gibt es etwa im Kreisaltenheim Burgau. Diesen Bereich können Senioren nicht jederzeit verlassen – im Gegensatz zum restlichen Altenheim. Damit eine Person in einem geschützten Bereich untergebracht wird, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein, wie Kugelmann erklärt: „Drei Instanzen müssen dafür beansprucht werden. Ein Psychologe muss für die Person ein Gutachten erstellen, eine Betreuungsstelle muss eine Aussage machen und letztendlich wird die Entscheidung von einem Richter gefällt.“

Um aus dem Vorfall mit der gestürzten Seniorin zu lernen, wollen sich Weiß, Kugelmann und die Angehörigen der Seniorin zu einem Gespräch treffen.

Wie Weiß sagt, wird man auch über Sicherheitsmaßnahmen nachdenken. Er ergänzt: „Eine hundertprozentige Sicherheit wird es aber nie geben. Die hätte man vielleicht, wenn man die Leute einsperrt. Und das wollen wir sicher nicht.“

Lesen Sie dazu den Kommentar: Demenz: Ein Spagat zwischen Freiheit und Schutz

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