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Versammlung

07.04.2015

Dramatische Entwicklung in der Landwirtschaft

Vorstandsmitglied im BDM-Kreisteam Johann Wachter (rechts) bedankte sich mit einem kleinen Präsent beim ehemaligen Präsidenten der Schweizer Milchproduzenten Peter Gfeller (2. v.rechts)und Fachberater vom AELF Nördlingen, Hannes Geitner (3. v.rechts). Links das weitere Vorstandsmitglied im BDM-Kreisteam, Martin Sauter.

Milchviehhalter diskutierten über das Ende der Milchquote und Chancen und Risiken durch erneuerbare Energien

„Neue Zeiten auf dem Milchmarkt“ das und andere Schlagworte prägten in den vergangenen Tagen die Medien, läuft doch nach mehr als 30 Jahren die Milchkontingentierung aus. Die Bauern können damit künftig so viel Milch liefern, wie sie wollen. Aber was hat das für Folgen für den einzelnen Milchproduzenten? Viele Experten befürchten, dass die Landwirte nun „Gas geben“ und deutlich mehr produzieren und damit letztlich der Preis sinkt.

Einleitend zu diesem Thema blickte Vorstandsmitglied im BDM-Kreisteam Günzburg/Neu-Ulm, Johann Wachter, bei der Jahresversammlung des Kreisverbandes zurück auf die Einführung dieser Milchmengen-Steuerung im Jahre 1984 bis heute. Angesichts von „Butterbergen und Milchseen“ sei es damals richtig gewesen, die Produktion zu drosseln, aber es gab laufend Änderungen und Ausnahmen, wie Abschlachtprämien für Aussteiger, Quotenvergaben für Wiedereinsteiger, Quotenaufkauf vom Staat in den Milchpool zur Mengenreduzierung und andere. Wachter: „Die Quote als solche wurde immer wieder in ihrer eigentlichen Wirkung ausgehebelt, die Garantiemengenregelung wurde circa 40 Mal geändert.“

In Sachen Milchmarkt, bezüglich der Handhabung der Quote und Milchpreisbildung, habe der Bauernverband Wachter zufolge total versagt. Dagegen habe sich der BDM für die Quote und eine flexible Mengensteuerung eingesetzt.

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Die zahlreich anwesenden Landwirte aus den Kreisen Günzburg und Neu-Ulm hörten anschließend mit Interesse den Ausführungen von Peter Gfeller zu, selbst praktizierender Milchbauer und neun Jahre Präsident der „Schweizer Milchproduzenten“. Er referierte zum Thema „Der Quotenausstieg in der Schweiz und dessen Folgen – Was erwartet uns?“ Die 1977 eingeführte Milchkontingentierung sei ein starres System gewesen und wurde 2003 mit einer Übergangszeit bis 2009 wieder gestoppt. In diesen sechs Jahren seien zwei Drittel der 22000 Schweizer Milchproduzenten vorzeitig ausgestiegen und es entstand eine komplexe Marktordnung, denn der Wille, selbst zu gestalten sei stärker gewesen als die staatliche Reglementierung. Fragen zum Milchmarkt seien regional nicht lösbar, sagte Gfeller. Ohne Quote gäbe es bessere Entwicklungsmöglichkeiten, vorausgesetzt, die Milchbauern halten zusammen, entwickeln eine Qualitätsstrategie, und können sich darauf einigen, welches Mengengerüst notwendig ist, vor allem wenn man auf den Weltmarkt geht. Das Fazit von Gfeller: Kämpfen, gemeinsam Ziele fixieren.

Hannes Geitner, Fachberater für Landtechnik, Energie und Umwelttechnik am AELF Nördlingen, zeigte in seinen Ausführungen „Entwicklung der Landwirtschaft im Zeitalter der Energiewende: Chancen und Risiken (erneuerbare Energien-Flächenkampf)“ ein düsteres Bild über die Zukunft der Landwirtschaft. Abgesehen von der ungewissen Zukunft in puncto Milcherzeugung sei auch das zweite Standbein der Landwirte, Stromerzeugung nicht mehr so rentabel. Sowohl in der Rinder- wie auch in der Schweinehaltung gäbe es teils starke Rückgänge sowohl in Gesamtschwaben als auch in den Landkreisen Günzburg und Neu-Ulm.

Die Gängelung der Landwirte durch ständig neue Auflagen und Vorschriften, steigende Betriebskosten sowie teilweise schlechte Erlöse, führten zu Betriebsaufgaben. Die hohen Pachtpreise, unter anderem bedingt durch die Betriebsentwicklung weit über die eigene Flächenausstattung hinaus, tragen zu dieser Situation bei. Auch Geitner appellierte an die Anwesenden: „Nur miteinander und einem fairen Umgang untereinander gibt es mehr Schlagkraft nach außen, diese Entwicklung aufzuhalten.“ (wgl)

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