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24.12.2008

Ehre sei Gott in der Höhe

Landkreis Der Dreißigjährige Krieg hat auch Mittelschwaben völlig ruiniert. Die Pest von 1627/28 hat die Dörfer und Städte nahezu aussterben lassen. Der Krieg hinterließ eine Spur der Verwüstung. Die Stifte wie Ursberg waren abgebrannt und ausgeplündert. Kaum aber war 1648 der Friede eingekehrt, machte man sich an den Wiederaufbau. Die Äbte von Ursberg und Roggenburg, der Propst von Wettenhausen und die Äbtissin von Edelstetten gingen an ein Wiederaufbauprogramm.

Junge Familien aus dem benachbarten Tirol kamen ins Schwäbische und erfüllten die Dörfer mit neuem Leben. Die Tiroler bewirtschafteten die Höfe. Sie waren von einer tiefen Religiosität. Sie pflegten das Gebet in den Familien, besonders den Rosenkranz. Auch am Werktag wurde der Gottesdienst von Kindern und der älteren Generation besucht. Am Sonntag gab es nur wenige, die nicht zur heiligen Messe kamen, und die waren entschuldigt, weil sie für kleine Kinder oder Kranke zu sorgen hatten. Im Singen und Musizieren fanden die zugewanderten Tiroler einen Ausgleich zur täglichen Arbeit. Im Advent aber wurden die Krippen aufgestellt, auch sie hatten sie aus ihrer Tiroler Heimat mitgebracht.

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Wirtschaftlicher Aufschwung

Allmählich ging es wieder wirtschaftlich aufwärts. Hatte Abt Matthäus Hochenrieder noch 1649 ein paar Kühe vom Stift Schlägl in Oberösterreich für den Wiederaufbau geschenkt bekommen, die quer durch Bayern nach Ursberg getrieben wurden, konnte man 1667 die völlig zerstörte Klosterkirche wieder aufbauen. Abt Matthäus Hochenrieder hat als Baumeister den Oberrohrer Maurermeister Christoph Weigel geholt. Seit 1644 behalfen sich die Prämonstratenser mit einer Notkirche und begnügten sich mit einem Behelfskloster auf dem Michelsberg. Nach Fertigstellung der Kirche ging es an den Bau des Klosters. Wieder war es Christoph Weigel, der mit dem Bau beauftragt wurde. Der wohlhabendere Propst von Wettenhausen, Dionysius von Rehlingen, holte sich für seine Kirche einen sehr viel prominenteren Baumeister, den Vorarlberger Michael Thumb. Er hatte zusammen mit dem Vorarlberger Michael Beer in Rottenmünster gebaut, außerdem das Jesuitenkolleg in Landshut und das Jesuitenkolleg in Mindelheim. Die Jesuiten hatten mit ihren Kirchen in Rom den Stil des Barock gewissermaßen erfunden. Der Bau, der Stuck, die Malerei, die ganze Innenausstattung wachsen in diesem Stil zu einer vollendeten Einheit zusammen. "Gott allein die Ehre!" Das war der Wahlspruch des heiligen Ignatius von Loyola, des Gründers der Jesuiten, der seine Primiz an Weihnachten 1538 in der Basilika Santa Maria Maggiore gefeiert hat, in der man die Krippe aus dem Stall von Bethlehem aufbewahrt. "Gott allein die Ehre!" wurde zum Leitmotiv der Kirchen des Barock. Die Baumeister schufen gewissermaßen das Haus Gottes, aber weitere Künstler sorgten für die Innenausstattung, in der etwas vom Himmel auf Erden sichtbar wurde.

Ehre sei Gott in der Höhe

Konzil von Trient

Die Jesuiten, die in Dillingen an der Universität dozierten, stammten aus vielen Ländern Europas und ebenso die Studenten. Nach Dillingen kamen nicht nur die angehenden Pfarrer, um dort Philosophie und Theologie zu studieren, nach Dillingen schickten auch die Klöster ihre Ordensangehörigen, besonders jene, die sehr begabt waren und einmal Führungsaufgaben übernehmen sollten. Wenn deshalb Schwaben eine solche Fülle barocker Bauten aufweist, ist dies auch dem Einfluss der Jesuiten und der katholischen Erneuerung nach dem Konzil von Trient zu danken.

Die wirtschaftliche Erholung nach dem Dreißigjährigen Krieg ging Hand in Hand mit einer religiösen Erneuerung. Bruderschaften wurden gegründet wie etwa die Heilig-Kreuz-Bruderschaft von Mindelzell. Wallfahrten entstanden wie Maria Vesperbild. Die Ordensgemeinschaften, die am Aussterben waren, blühten wieder auf. Mehr als 100 Jahre haben nicht nur den "Schwäbischen Barockwinkel" entstehen lassen, sondern das ganze katholische Süddeutschland nachhaltig geprägt.

Es waren nicht nur die berühmten Vorarlberger, die hier gebaut haben wie Michael Thumb in Wettenhausen und Wattenweiler Maria Feldblume, Valerian Brenner in Münsterhausen, und die Wessobrunner Johann Schmuzer in Ziemetshausen und Dominikus Zimmermann in Günzburg die Frauenkirche, die auch stuckiert haben, sondern auch zahlreiche Künstler aus unserer Gegend.

Huber und Fröschle

Beispielswiese Simpert Kraemer, Johann Kaspar Radmiller, Joseph Dossenberger und Johann Georg Hitzelberger. Man müsste Maler nennen wie Franz Martin Kuen, Johann Baptist Enderle, Konrad Huber und Jakob Fröschle. Sie alle haben an dem großen Werk zur Ehre Gottes mitgearbeitet. "Ehre sei Gott in der Höhe", davon singen die Engel in der Stiftskirche von Edelstetten ebenso wie in der Frauenkirche von Münsterhausen, in Deisenhausen ebenso wie in der Krumbacher Friedhofskirche.

Und dort wo man es nicht im Bild sehen kann, singen die Kirchenchöre auf den Orgelemporen an Weihnachten das Lob Gottes zusammen mit den Engeln des Himmels: "Ehre sei Gott in der Höhe". "Seite 33

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