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Krumbach

08.03.2018

Fünf Tote zu viel

Im September vergangenen Jahres ereignete sich bei Muttershofen ein tödlicher Unfall. Während sich die Beifahrerin leicht verletzt aus dem Wagen befreien konnte, starb der junge Mann, der das Fahrzeug steuerte, an seinen schweren Verletzungen. (Symbolbild)
Bild: Marc Tirl, dpa

Im vergangenen Jahr starben auf den Straßen im Zuständigkeitsbereich der Krumbacher Polizei fünf Menschen. Dabei spielten Alkohol, Unachtsamkeit oder zu hohes Tempo eine Rolle.

Fünf Menschen starben im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen im Bereich der Polizeiinspektion Krumbach. Bei Muttershofen kam ein junger Mann mit seinem Wagen von der Straße ab, krachte in einen Baum und erlag seinen schweren Verletzungen. Zwischen Krumbach und Nattenhausen starben zwei Männer, die mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit mit ihrem Auto ebenfalls an einem Baum zerschellten.

Ein Motorradfahrer wurde bei Burg durch ein Auto, das laut Polizei durch Unachtsamkeit auf die Gegenspur geraten war getötet und in der Krumbacher Bahnhofstraße wurde ein älterer Mann beim Versuch, mit seinem Rollator zwischen den stehenden Autos die Straße zu überqueren, von einem Lkw überrollt und starb einen Tag nach dem Unfall. „wir schauen bei den schweren Verkehrsunfällen sehr genau auf die Ursachen“, sagt Hans Willbold, Leiter der Krumbacher Inspektion. Kontrollen und Präventionsmaßnahmen würden verstärkt daraufhin ausgerichtet. Bei den genannten Unfällen spielten entweder überhöhte Geschwindigkeit, Alkoholkonsum oder Unachtsamkeit von einem der Verkehrsteilnehmer eine entscheidende Rolle für den tödlichen Ausgang. Besonders die Situation im nördlichen Bereich der Krumbacher Bahnhofstraße bereitet den Beamten der PI Krumbach Kopfzerbrechen.

PI-Leiter Willbold: „Es gibt Leute, die ignorieren Geschwindigkeitsbegrenzungen rigoros“

Obwohl hier zwei Ampeln im Abstand von rund 200 Metern ein sicheres Überqueren der Straße ermöglichten, beobachten die Polizisten hier immer wieder Menschen, die höchst riskant zwischen den stehenden Autos oder kleinen Lücken im fleißenden Verkehr über die Straße huschen. Erst kürzlich habe er eine junge Frau mit Kleinkind und Kinderwagen gesehen, die zwischen den an der Ampel wartenden Autos die Straße überqueren wollte. Der Versuch, durch ein Sperrgitter entlang der Straße die Fußgänger dazu zu bringen, die Ampelübergänge zu nutzen erwies sich als ungeeignet, erklärt Marcus Praschivka, der Zankers Nachfolge antreten wird. In der Regel liefen die Fußgänger dann auf der Straße entlang der Gitter, die aufgrund dieser Erfahrungen inzwischen wieder abgebaut worden sind. Durch eine Änderung der Ampelschaltung auf längere Grünphasen für Fußgänger erhofft sich die Polizei eine bessere Nutzung durch die Fußgänger und appelliert an die Vernunft der Bürger, diese sicheren Überwege zu nutzen, um schwere oder tödliche Verkehrsunfälle zu vermeiden. Das bislang schwere Unfälle eher die Ausnahme waren, hält Praschivka angesichts des Gefahrenpotenzials an der vierspurigen und starkbefahrenen Straße für einen Glücksfall.

Beim Thema Geschwindigkeit kontrollierte die Krumbacher Polizei in der jüngeren Vergangenheit verstärkt die Streckenabschnitte zwischen Billenhausen und Krumbach und auf der B300 zwischen Krumbach und Ebershausen. Die gemessenen Übertretungen geben Anlass zur Sorge. „Es gibt Leute, die ignorieren Geschwindigkeitsbegrenzungen rigoros“, sagt Willbold. Teilweise wurden dort Raser mit Tempo 170 herausgezogen. „So jemand ist nicht anders zu belehren als mit einem hohen Bußgeld, Fahrverboten und Punkten in Flensburg“, sagt Willbold. Der Vorteil der Messungen durch die Polizei mit der Laserpistole sei, so Verkehrspolizist Zanker, dass die Raser unmittelbar nach dem Verstoß angehalten und zur Rechenschaft gezogen werden.

Dauerthema bleiben auch Unfallfluchten

Ein leichtes Plus verzeichnen die Krumbacher Polizisten bei Unfällen, bei denen Menschen zu Schaden kamen. Die Zahl erhöhte sich von 141 im Vorjahr auf 149 in 2017. Angestiegen ist auch die Zahl der sogenannten Kleinunfälle, worunter auch Wildunfälle und Parkrempler zählen. Nachdem die Versicherer nun vermehrt Zusammenstöße mit Tieren generell abdecken, ist deren Zahl in der polizeilichen Statistik ebenfalls deutlich angestiegen, von 349 auf 391.

Dauerthema bleiben auch Unfallfluchten. Allerdings, berichtet Inspektionsleiter Willbold, kann die Krumbacher Polizei auf eine relativ hohe Aufklärungsquote verweisen. Von 180 Unfallfluchten seien immerhin 83 Fälle aufgeklärt worden. Oft spielten finanzielle Überlegungen oder Kurzschlussreaktionen der Unfallverursacher dazu, den ’Tatort’ schleunigst zu verlassen. „Wir profitieren hier aber von der gesunden ländlichen Struktur“, sagt Willbold. Hier achten die Menschen noch verstärkt auf solche Vorkommnisse und meldeten sich in der Regel auch eher bei der Polizei als in Großstädten.

Eine wichtige Rolle bei der Aufklärung spielten auch die in der Zeitung veröffentlichten Meldungen, worauf sich immer wieder Zeugen meldeten und wertvolle Hinweise geben und somit zur Aufklärung beitragen konnten.

Unverändert hoch ist die Zahl der Unfälle, bei denen Alkohol (13) oder Drogen (2) eine Rolle gespielt haben. „Das liegt im Schnitt der vergangenen Jahre“, sagt Willbold. „Alkohol ist ein Dauerthema. Da geht es um die grundsätzliche Einstellung, wie stehe ich zum Thema Alkohol und Autofahren.“ Natürliche spiele bei einigen Autofahrern auch Sucht eine Rolle. Manche Alkoholsünder treffen die Beamten häufiger. „Das ist das pure Glück, wenn das gut geht“, sagt Willbold. Insofern legt die Polizei auch auf dieses Thema ihren Kontrollschwerpunkt. Insbesondere bei jüngeren Verkehrsteilnehmern spielt Drogenkonsum eine größere Rolle als Alkoholkonsum. Willbold ist überzeugt, „das wird uns in Zukunft stärker beschäftigen als heute.“ Für die Beamten eine Herausforderung, weil vorangegangener Drogenkonsum meist schwerer zu erkennen ist als wenn es aus dem Autofenster wie aus einer Kneipe riecht.

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