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Landkreis Günzburg

19.06.2018

In diesem Raum wird nicht nur getrauert

In der Malteser Dienststelle an der Ludwig-Heilmeyer-Straße in Günzburg gibt es für trauernde Kinder und Jugendliche einen freundlich gestalteten Raum, in dem sich die Trauergruppe treffen kann. Die ehrenamtlichen Helfer kommen jetzt aber auch zu Familien nach Hause – beispielsweise um Kinder zu unterstützen, deren Vater oder Mutter im Sterben liegt.
Bild: Bernhard Weizenegger

Wie die Malteser Familien helfen, wenn ein Angehöriger stirbt – und wie Kinder gemeinsam mit anderen ihre Erfahrungen verarbeiten können.

„Krümel, wir sehen uns in Nagijala wieder!“ Der 13-jährige Jonathan hat seinem kleinen Bruder ganz genau erklärt, wie wundervoll es sein wird, dort drüben in dem Land Nangijala, in das er gehen wird, wenn er gestorben ist. Krümel hält sich in Astrid Lindgrens „Die Brüder Löwenherz“ daran fest, als statt dem schwer kranken Neunjährigen sein geliebter großer Bruder stirbt. Bald wird Krümel ihm folgen – und die beiden werden wunderbare und schreckliche Abenteuer im Kirschtal erleben.

Auch Kinder und Jugendliche in der Region, die Geschwister, Freunde, Eltern oder Großeltern verlieren, brauchen einen Halt – und genau den wollen die Malteser ihnen geben. „Leider wissen immer noch viele Familien nicht, dass es uns gibt und dass sie sich an uns wenden können“, bedauert Petra Lagarde. Sie leitet die Trauergruppe für Kinder und Jugendliche, die sich seit fünf Jahren immer am ersten Mittwoch im Monat in einem bunt eingerichteten Raum beim Malteser Hilfsdienst an der Ludwig-Heilmeyer-Straße in Günzburg trifft. „Wir wissen von Kindern und Jugendlichen, die um Angehörige oder Freunde trauern, aber sie kommen nicht zu uns.“

Die fünf Kinder, die den Weg zu den Maltesern gefunden haben, bleiben jedoch ausdauernd dabei. Eine zeitliche Obergrenze gibt es nicht, die Kinder und Eltern entscheiden selbst, wie lange sie in der Gruppe bleiben wollen. „Manche lassen sogar an diesem Mittwoch andere Aktivitäten wie Sport oder Musikunterricht ausfallen, nur um bei uns zu sein.“

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Den Begriff „Trauergruppe“ würden die Kinder übrigens gar nicht gerne hören, sagt Petra Lagarde, und sie selbst mag ihn eigentlich auch nicht verwenden. Gerade sind die Beteiligten dabei, einen neuen Namen zu finden, der besser zu ihnen passt. Denn in der Gruppe, die einmal im Monat von 15.30 bis 17 Uhr beisammen ist, werde nicht dauernd geweint und getrauert. „Es geht um die Trauer, aber nicht im Vordergrund. Wir spielen, wir lachen, wir weinen auch zusammen.“ Eigentlich seien es ja sogar die Kinder, die den Erwachsenen vorleben, wie man mit Trauer umgeht. In der Gruppe freilich treffen sie Gleichgesinnte – Mädchen und Buben, die ähnliches erlebt haben. Gemeinsam wird aufgearbeitet und verarbeitet, was passiert ist – auch wenn das manchmal erst nach langer Zeit zum Vorschein kommt.

Die Malteser wollen aber noch mehr helfen. Deshalb bieten sie seit Kurzem auch eine Familienbegleitung an. Petra Lagarde: „Wir begleiten schwer kranke und sterbende Menschen mit ihren Familien.“ Wenn Eltern oder Geschwister im Sterben liegen, unterstützen die Begleiter vor allem die Kinder. „Wir sind als Helfer emotional nicht beteiligt, können also anders umgehen mit den Betroffenen als Verwandte und Freunde.“ Die Ehrenamtlichen der Malteser helfen zum Beispiel, wenn die Mutter noch einen Brief schreiben möchte, den die Kinder nach ihrem Tod zum 18. Geburtstag bekommen sollen. Oder sie unterstützen die Kinder, die noch ein letztes Geschenk für den Sterbenden basteln wollen.

Auch dieses Angebot versuchen die Malteser bekannter zu machen – sie besuchen Schulen, Ärzte und Kliniken, um darüber zu informieren, was sie für die Familien tun können. Die Helfer, erklärt Petra Lagarde, sind in der Trauerarbeit ausgebildet. Spender finanzieren Angebote wie die Trauergruppe, für die Teilnehmer ist sie kostenlos. Lediglich eine kleine Gebühr für Bastelmaterial wird eingesammelt. Der Halt, den die Kinder und ihre Familien durch die Angebote bekommen, ist dagegen einfach unbezahlbar.

 Der Malteser Kinder- und Jugendhospizdienst in der Ludwig-Heilmeyer-Straße 19 in Günzburg ist erreichbar unter Telefon 08221/207 07 92 sowie E-Mail an die Adressesylvia-maria.braunwarth@malteser.org

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