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Waltenhausen

05.09.2019

Landratsamt wird im Waltenhauser Asylstreit aktiv

In Waltenhausen gab es mehrere Beschwerden über die im Ort untergebrachten Asylbewerber. Ein Schreiben des Bürgermeisters an das Landratsamt und die Umsiedlung eines Heimbewohners haben die Situation entschärft. Dennoch ist die Stimmung im Dorf gespalten. (Archivbild)
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Nachdem ein Streit zweier Flüchtlinge eskalierte und sich Bürger beschwerten, bat der Bürgermeister das Landratsamt um eine Reaktion. Die ist nun erfolgt.

Nachdem im Juli ein Streit zweier Asylbewerber in Waltenhausen eskalierte, kochten die Emotionen in dem Ort hoch. Nach einem Fußballspiel waren zwei Bewohner der Waltenhauser Unterkunft aneinander geraten. Im Zuge der Auseinandersetzung hatten sich die Kontrahenten jeweils mit einer Eisenstange und einem Besteckmesser bewaffnet. Augenscheinlich blieb es bei Drohgebärden, verletzt wurde niemand und die hinzugerufene Polizei konnte die Situation auflösen. Allerdings hatte der Streit in Waltenhausen für Unbehagen gesorgt und bei manchen Anwohnern ohnehin vorhandenen Unmut etwa über nächtliche Ruhestörungen noch verstärkt.

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Waltenhauser Bürgermeister schreibt Brief ans Landratsamt

Mit verschiedenen Beschwerden wandten sich mehrere Waltenhauser an ihren Bürgermeister Karl Weiß. Der ist sich der Komplexität des Themas durchaus bewusst. „Irgendwo müssen die Asylbewerber ja unterkommen“, sagt er. Dennoch richtete er in einem Brief die Bitte an das Landratsamt, die Situation vor Ort zu entschärfen. Inzwischen wurde einer der beiden Streithähne, der in der Vergangenheit schon öfters als leicht reizbar aufgefallen ist, mit seiner Familie in eine andere Einrichtung im Landkreis verlegt. Was auch aus anderer Perspektive Sinn ergebe, da die Wohnsituation für den Mann und seine Familie in einem 4 bis 5 Quadratmeter großen Zimmer ohnehin problematisch gewesen sei. Zudem habe er erreicht, sagt Weiß, dass keine weiteren Flüchtlinge nach Waltenhausen gekommen seien.

Aktuell sind in der Einrichtung im alten Forsthaus 25 Menschen untergebracht. Was weitere Beschwerden über die im Ort untergebrachten Asylbewerber betrifft, rät Weiß seinen Bürgern, „wenn was ist“, die Polizei zu rufen. „Wenn die Polizei kommt, ist Ruhe, aber auch wenn Betrieb im Bürgerheim ist, sei es bislang stets ruhig in dem benachbarten Gebäude gewesen, berichtet Weiß aus eigener Erfahrung. Grundsätzlich habe sich die Situation in Waltenhausen nun beruhigt.

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Helferkreis in Waltenhausen hat sich aufgelöst

Jürgen Itzfeldt, der die Flüchtlinge in Waltenhausen ehrenamtlich unterstützt, hält die Aufregung im Ort für übertrieben. Was ihn besonders ärgert ist, dass angesichts des einen Streitfalls im Juli, der tatsächlich aus dem Ruder gelaufen sei, so getan wird, als würden im Umfeld der Unterkunft ständig derartig gewalttätige Auseinandersetzungen stattfinden. „So verurteilenswert dieser Vorfall war. Es war ein Einzelfall“, betont Itzfeldt.

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Dass es bei den beengten Verhältnissen auch einmal Reibereien gebe, sei durchaus nachvollziehbar. „Irgendwann geht sich jeder auf den Keks.“ Dass die Heimbewohner zunehmend aggressiver gegenüber der Bevölkerung auftreten würden, ist für Itzfeldt völlig neu. „Wann immer ich mit Bürgern im Ort über die Asylbewerber spreche, höre ich, dass sie stets freundlich grüßen und winken – was beileibe nicht jeder Einheimische tut.“ Und dass sich aus diesem Grund der ehrenamtliche Helferkreis aufgelöst habe, sei schlicht nicht wahr. „Wie dem Amtsblättchen zu entnehmen war, erfolgte die Auflösung bereits Ende vergangenen Jahres“, sagt Itzfeldt.

Itzfeldt: Um die jungen Männer in Waltenhausen hat sich niemand gekümmert

Von Anfang an herrschte im Dorf eine ablehnende Haltung gegenüber den Asylbewerbern, sagt Itzfeldt, dem die entsprechende Bürgerversammlung, in der die Nachricht verkündet wurde, noch in Erinnerung ist. Der kleine Helferkreis habe sich nur um die Familien gekümmert, für die jungen Männer im Haus habe sich niemand zuständig gefühlt. Bürgermeister Weiß ist der Ansicht, dass die jungen Leute keine Hilfe benötigten. Man könne ihnen durchaus zumuten, dass sie die zwei Kilometer zum Bahnhof nach Haupeltshofen laufen oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Außerdem seien die Helfer oft für verschiedenste Fahrdienste ausgenutzt worden.

„Die Menschen mögen die Leute hier nicht“, sagt Itzfeldt. Er bedauert, dass nicht einmal der Versuch unternommen werde, miteinander ins Gespräch zu kommen. Am 11. August begingen die Heimbewohner den höchsten islamischen Feiertag, das Opferfest, mit einem Grillnachmittag im Garten der Unterkunft. Dazu seien die direkten Nachbarn schriftlich zur Teilnahme eingeladen worden, erinnert sich Itzfeldt. „Nur ist leider keiner gekommen. Schade um die vertane Chance, sich etwas besser kennen zu lernen.“

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