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Thannhausen

08.07.2017

Musik und Glauben kombiniert

Mit 27 Jahren Komponist: Wolfram Seitz aus Thannhausen.
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Mit 27 Jahren Komponist: Wolfram Seitz aus Thannhausen.
Bild: Anna Schmid

Wolfram Seitz ist Komponist. Was Musik für ihn bedeutet und warum ihm Religion im Zusammenhang mit Musik wichtig ist.

„Bei einem guten Musiker müssen Technik und Handwerk stimmen“, sagt Wolfram Seitz und legt seine rechte Hand auf den linken Unterarm. Er überlegt kurz, dann beugt er sich leicht nach vorne: „Deswegen sollte man auch nicht ohne Unterricht ans Komponieren gehen, egal, ob man viel Talent hat“. Er selbst veröffentlichte vor Kurzem seine erste eigene Komposition, „Missa Guntia“, und hat diese Regel befolgt. Denn der erst 27-Jährige studierte sechs Jahre lang am Mozarteum in Salzburg katholische und evangelische Kirchenmusik, mit 13 hatte er bereits eine Organistenstelle in Mindelzell und begleitete Gemeindegottesdienste. Heute arbeitet er als A-Diplom-Kirchenmusiker in Günzburg.

Musik und Religion spielen in Seitz’ Leben schon von Anfang an eine wichtige Rolle. Der Kirchenmusiker wächst in Thannhausen auf, sein Vater ist Hobbyorganist und spielt die Orgel bei verschiedenen Gottesdiensten in der Pfarrei Heilig Kreuz in Burg. „Ich bin religiös aufgewachsen und war als Kind zum Beispiel oft in Maria Vesperbild“, erklärt der junge Mann, der ein hellblaues Hemd trägt. Auch heute noch spiele er manchmal dort, fügt Seitz hinzu. Nachdem er bereits mit 13 Jahren in Mindelzell Gottesdienste auf der Orgel begleitet, entscheidet er sich schließlich, Kirchenmusik zu studieren und geht dazu ans Mozarteum nach Salzburg. Diese Universität ist eine Kunsthochschule für Musik, Schauspiel und verwandte Fächer und bietet dem jungen Mann die ideale Grundlage, um später als Musiker zu arbeiten. Seitz absolviert sein Grundstudium dort, anschließend wird eine Stelle in der Heilig-Geist-Kirche in Günzburg frei. Er bewirbt sich und wird angenommen, spielt nun unter anderem Orgel bei Gottesdiensten und leitet das Heilig-Geist-Ensemble.

„Trotzdem wollte ich meinen Master noch machen“, ergänzt der 27-Jährige mit der filigranen Brille. Also pendelte er während dieser Zeit zwischen Günzburg und Salzburg. „Meine Schwerpunkte im Studium waren Dirigieren, Komposition und Gregorianik“, sagt er. Als Musiker, so wie Seitz einer ist, muss man gut organisiert sein. Besonders während seines Masters musste der Kirchenmusiker Studium und Beruf unter einen Hut bringen, wurde, wie er sagt, zeitweise zum „Nachtarbeiter mit wenig Schlaf“. „Am Ende zahlt es sich aber aus, schließlich ist man als Musiker sowieso viel unterwegs und muss lernen, an die körperlichen Grenzen zu gehen“. Er nimmt einen Schluck Kaffee. Seitz ist auch in der Filmmusik tätig. Allerdings nimmt er nicht jedes Angebot an, das er bekommt, nicht zu jedem der vorgeschlagenen Filme komponiert er die Musik. „Ich habe mich auf den Stummfilm der 20er Jahre spezialisiert und nehme in der Regel nur Filme mit religiösem Inhalt an“, sagt er. Nur: Schränkt ihn diese eingegrenzte Auswahl nicht in seiner Kreativität als Musiker ein? „Einschränkungen sind gleichzeitig Freiheiten“, erklärt der 27-Jährige. Damit meint er, dass er an der Filmmusik zu den Streifen, bei denen er zugesagt hat, besonders intensiv arbeitet und daher für ihn nicht unbedingt etwas von seiner Kreativität verloren geht. Er lebt sie in ausgewählten Stücken gezielter aus, das ist seine Strategie, seine Herangehensweise.

Musik und Glauben kombiniert

„Missa Guntia“, jenes Stück, das Seitz selbst komponiert hat und das am Pfingstsonntag diesen Jahres in der Heilig-Geist-Kirche in Günzburg uraufgeführt wurde, entstand durch die Verbindung, die Seitz von seinem Heimatort zu Günzburg gezogen hat. „Missa Guntia“ ist der alte lateinische Name der Stadt Günzburg, schon am Titel lässt sich die angesprochene Parallele erkennen. Über das Stück möchte Seitz „symbolisch Günzburg und Thannhausen zusammenführen“ sagt er. Intensiv an der Komposition gearbeitet hat er fünf bis sechs Monate lang, die Idee dazu habe er aber schon vorher gehabt. „Bei mir entsteht der Großteil der Kompositionen nicht am Klavier, sondern am Schreibtisch“, fährt der junge Kirchenmusiker fort. Jemandem, der das Stück noch nie gehört hat, würde er es so beschreiben: „Es sind verschiedene Stile, die verschmelzen, barocke Elemente mit Romantik und moderner Filmmusik“.

In Zukunft wird es wohl noch das ein oder andere von Wolfram Seitz zu hören geben. Er bekommt mittlerweile Anfragen für größere Kompositionen, zum Beispiel Musicals. Seitz ist dabei aber neben der religiösen Thematik vor allem eines wichtig: Dass er sich mit den Stücken und der Musik identifizieren kann. „Es ist wie bei einem Theaterschauspieler“, sagt er. „Er spielt seine Rolle auch besser, wenn er sich mit der Figur, die er verkörpert, identifizieren kann“. Aber solange sich Seitz treu bleibt und die Musik verinnerlicht, werden wohl noch mehr Kompositionen aus Musik und Glauben von ihm zu hören sein.

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