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Ichenhausen

26.04.2015

Sie flüchteten an den Stadtrand –  genau dort schlugen Granaten ein

Eine junge Mutter und drei kleine Kinder sind am 26. April 1945, dem letzten Kriegstag für die Menschen in Ichenhausen, auf besonders tragische Weise ums Leben gekommen. Auf Initiative von Stadträtin Gabi Walter erinnert nun eine kleine Tafel am Kriegsopfergrab auf dem Ichenhauser Friedhof an die vier Toten.
Bild: Walter Kaiser

Am letzten Kriegstag kamen eine Mutter und drei Kinder in Ichenhausen auf besonders tragische Weise ums Leben. Jetzt erinnert die Stadt an sie.

Am Sonntag vor 70 Jahren, am 26. April 1945, endete der Zweite Weltkrieg für die Menschen in Ichenhausen. Auf ihrem Weg von Günzburg in Richtung Krumbach überrollten US-amerikanische Truppen an jenem Tag die Stadt. Vier Menschen, eine junge Mutter und drei kleine Kinder, kamen an diesem letzten Kriegstag auf besonders tragische Weise ums Leben. An sie erinnert jetzt eine neue Tafel am Kriegsopfergrab auf dem Ichenhauser Friedhof.

Die bei Kriegsende 34 Jahre alte Else Stolz sowie ihre beiden Kinder Christine (fünf Jahre) und Peter (drei Jahre) lebten in der Wiesgasse in Ichenhausen. Bei der Einnahme Günzburgs am 25. April 1945 hatten amerikanische Einheiten die Stadt mit Artillerie beschossen. In der Sorge, am Tag darauf könnte auch die Ichenhauser Innenstadt unter Feuer genommen werden, verließ Else Stolz mit ihren beiden Kindern die Wohnung in der Wiesgasse, um bei einer Freundin am Wettenhausener Weg Unterschlupf zu finden. Die Hoffnung war, dass der Stadtrand nicht beschossen würde. Der Entschluss von Else Stolz war fatal. Genau im Haus der Freundin schlugen die Granaten ein. Die junge Mutter und ihre beiden Kinder kamen ums Leben.

Ähnlich tragisch war der Tod des damals gut dreijährigen Adolf Findler. Er war an jenem 26. April 1945 am Ichenhauser Marktplatz unterwegs. Die letzten Reste deutscher Truppen verließen vor den heranrückenden US-Einheiten fluchtartig die Stadt. Im allgemeinen Chaos erfasste ein Wehrmachtsfahrzeug den kleinen Buben und verletzte ihn tödlich.

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Auf Initiative von Gabi Walter, Stadträtin, Kulturreferentin und Heimatforscherin, ließ die Stadt nun am Kriegsopfergrab des Ichenhauser Friedhofs eine neue Tafel anbringen, mit der an die vier Toten des letzten Kriegstages erinnert wird. „Es ist traurig, dass sie bislang vergessen wurden“, erklärt Gabi Walter, die im Rahmen ihrer Friedhofsführungen und ihrer Forschungen im Stadtarchiv schon vor Jahren auf das Schicksal der jungen Mutter und der drei kleinen Kinder aufmerksam geworden war.

Bislang hat das Kriegsopfergrab nur an sieben Frauen und zwei Männer erinnert, die zwischen 1945 und 1948 gestorben waren – mutmaßlich in der Folge von Verletzungen oder Krankheiten, die sie noch während des Krieges erlitten hatten. Falls die zugänglichen Quellen nicht trügen, waren Else Stolz und die drei kleinen Kinder die einzigen zivilen Opfer, die der Zweite Weltkrieg in Ichenhausen kurz vor Schluss noch unmittelbar gefordert hat, sagt Gabi Walter. Deutlich weniger als in vielen anderen Städten und Gemeinden des Landkreises.

Ichenhausen hat dafür an anderer Stelle schwer gelitten. Die jüdische Gemeinde, vor Beginn des Dritten Reiches die zweitgrößte in Schwaben, wurde von den Nazis weitgehend ausgelöscht. Die meisten Juden der Stadt waren, wie Millionen ihrer Leidens- und Schicksalsgenossen, verjagt, verschleppt und in den Konzentrationslagern ermordet worden.

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