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Musikalisch-literarischer Abend

20.11.2019

Von der Liebe beseelte Briefe und Lieder

Sopranistin Susanne Müller und Pianist Markus Kreul widmeten sich im Ringeisensaal in Ursberg der Liebe und der virtuosen Musik von Clara und Robert Schumann.
Bild: Thomas Niedermair

Sopranistin Susanne Müller und Pianist Markus Kreul boten ein anregendes Porträt der romantischen Beziehung von Clara und Robert Schumann

Ein lebhaftes Bild der Liebe zwischen Clara und Robert Schumann zeichneten im Ringeisensaal in Ursberg die Sopranistin Susanne Müller und der Pianist Markus Kreul. Anlässlich des 200. Geburtstages der großen Klaviervirtuosin und Komponistin widmete das perfekt harmonierende Duo dem künstlerisch herausragenden Ehepaar aus der Ära der Romantik ein ansprechendes Programm. Mit stimmig ausgewählten Liedern, Briefen und Tagebucheinträgen (von 1832 bis 1839) wurden dabei faszinierende Einblicke in die trotz mancher Probleme letztlich glückliche Beziehung der beiden Vollblutmusiker ermöglicht.

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Gertrudis Pagel, Vorsitzende der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Günzburg, die in Kooperation mit dem Ringeisen-Gymnasium der St.-Josefskongregation Ursberg diesen literarisch-musikalischen Abend veranstaltete, zeigte sich erfreut darüber, dass sich unter dem Publikum im gut besuchten Saal auch viele Jugendliche befanden. Das Eintauchen in eine Ära, als das Verfassen handgeschriebener Briefe noch als selbstverständlich galt und dabei kunst- und fantasievoll regelrecht zelebriert wurde, entfaltete gerade, angesichts gegenwärtiger Digitalisierungsbestrebungen, einen besonderen Reiz. Auch inhaltlich dürften sich nicht wenige der jungen Zuhörer von der großen Liebe zwischen der jungen Starpianistin Clara Wieck (1819-1896) und dem aufstrebenden Komponisten Robert Schumann (1810-1856) angesprochen gefühlt haben, denn in den von Susanne Müller und Markus Kreul sorgsam ausgewählten Textbeispielen kam nicht nur die große Emotionalität zum Ausdruck, welche diese Beziehung prägte, sondern wurden auch die Schwierigkeiten verdeutlicht, die es dabei zu überwinden galt.

Generationenkonflikte gab es damals wie heute: Clara und Robert mussten sich damals vor allem gegen den anerkannten Musikpädagogen Friedrich Wieck durchsetzen, der zwar sowohl Clara als auch Robert unterrichtet hatte, als Claras Vater aber die Hochzeit des Paares zu verhindern suchte. Letztlich erfolglos, denn am 12. Mai 1840 kam es zur Hochzeit - allerdings erst nach einer gerichtlichen Eingabe der zwei Verlobten um den Heiratskonsens, da Friedrich Wieck seine Zustimmung bis zuletzt verweigert hatte.

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Susanne Müller und Markus Kreul erwiesen sich als hervorragend aufeinander eingestimmte Schumann-Experten. Den Sehnsüchten, Hoffnungen und Ängsten, welche in den vorgelesenen Briefen und Tagebucheinträgen der Verliebten zum Ausdruck kamen, ließen sie die jeweils passenden Lieder folgen. Susanne Müller, Sopranistin, Gesanglehrerin und Logopädin, intonierte makellos Robert Schumanns „Die Lotosblume“ (Text: Heinrich Heine), die „duftet und weinet und zittert vor Liebe und Liebesweh’“, wozu sie der mehrfach preisgekrönte Konzertmusiker Markus Kreul einfühlsam am Klavier begleitete. Stimmlich wie mimisch mit der jeweils passenden Portion Emotionalität gewürzt, entfalteten auch Susanne Müllers Interpretationen von Clara Schumanns Kompositionen „Warum willst du andre fragen“ und „Er ist gekommen in Sturm und Regen“ (beide von Friedrich Rückert getextet) große Strahlkraft. Robert Schumanns „Ich kann wohl manchmal singen (als ob ich fröhlich sei)“ nach einem Text von Joseph von Eichendorff und sein trauriges „Die letzten Blumen starben“ waren gut ausgewählte Liedbeispiele für die sich seinerzeit abzeichnenden Probleme mit Claras Vater. „Ich bin angegriffen an der Wurzel meines Lebens“ schrieb Robert (am 18. September 1837), aber auch Clara brachte (am 4. Oktober 1837) ihren „Schmerz über die Kränkungen des Vaters“ schriftlich zum Ausdruck.

Trotz mancher Irritationen betonte Clara (am 6. Dezember 1837) im Brief an Robert: „Ich hab’ nur zwei Wünsche: dein Herz und dein Glück.“ Nachdem das Gericht hatte bemüht werden müssen, wurde für Clara und Robert doch noch die Hochzeit möglich, sodass Clara (am 24. Dezember 1839) erleichtert schreiben konnte: „Der heutige Weihnachtstag war der schönste meines Lebens.“ Wunderschöne Liedbeispiele (Claras Kompositionen „Der Mond kommt still gegangen“ und „Liebst du um Schönheit“ sowie Roberts „Die Mondnacht“) reicherten die Dramatik dieser Künstlerbeziehung stilvoll und formvollendet an. Und mit der vom begeisterten Publikum stürmisch geforderten Zugabe, Robert Schumanns recht düsterem „Waldesgespräch“, deuteten Susanne Müller und Markus Kreul gekonnt an, dass das eheliche Glück der Schumanns, welches den anregend-abwechslungsreichen Abend im Ringeisensaal thematisch abschloss, später wegen der Nervenkrankheit Roberts in Tragik mündete. Eine Fortsetzung dieses ebenso informativen wie musikalisch ansprechenden Schumann-Programmes von Susanne Müller und Markus Kreul wäre also möglich – und übrigens auch sehr wünschenswert.

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