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Krumbach

02.12.2017

Wenn das Bier schlecht war, musste es ausgeschüttet werden

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4 Bilder
Die Adlerbrauerei mit Brauereigasthof Munding in der Augsburgerstraße, aufgenommen im Jahr 1934.
Bild: Stadtarchiv Krumbach

Über Jahrhunderte galt Krumbach als Musterbeispiel des Brauwesens. 1982 wurde die letzte traditionsreiche Braustätte geschlossen.

Bayern ist Bierland. Und in der weiß-blauen Brauereilandschaft gilt seit 500 Jahren als Grundgesetz der Brauzunft das „Bayerische Reinheitsgebot“ von 1516. Dies legt fest, wonach Bier nur aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser hergestellt werden soll. Weit mehr als 500 Jahre ist in Krumbach Brauereigeschichte geschrieben worden, die im März 1982 mit Schließung der damals letzten traditionsreichen Braustätte „Traubenbrauerei“ Ringler abgeschlossen wurde. Zuvor schon hatten die Adlerbrauerei Munding, die Hirschwirt-Brauerei Scheppach, und die Roßbrauerei Wiedemann ihre eigenen Bierproduktionen eingestellt und die Sudkessel stillgelegt.

Über Jahrhunderte hinweg galt Krumbach geradezu als Musterbeispiel des Brauwesens für ganz Schwaben. Urkundlichen Berichten zufolge ist hierorts im Jahre 1676 ein „herrschaftliches Brauhaus aufgelassen“ worden, das sich neben einem Stadel im Lichtenstein’schen Schlosshof befand. Diese Feststellung legt den Gedanken nahe, dass dieses Brauhaus in irgendeiner Form bereits beim alten Reichshof geraume Zeit in Betrieb genommen war.

Urkundliche Beweise hierfür liegen zwar nicht vor, den Gedanken stützt jedoch ein Kaufbrief aus dem Jahr 1386, durch welchen im benachbarten Ichenhausen die Herren Burkhard und Pupelin von Ellerbach mehrere Höfe an Heinrich von Knöringen verkauften und in diesem Dokument wird auch eine „Täfern“ und ein „Täferhus“, also eine Wirtschaft und ein Bräuhaus genannt. Zur „Gerechtigkeit“ einer Taferne gehörte in der Regel auch „zu brauen, Bier, Wein, Met und andere Getränke zu schenken, fremden Leute zu setzen und zu beherbergen, zu backen, metzgen und anderes“.

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Auch in der Zeit während des 30-jährigen Krieges zeigte sich das örtliche Braugewerbe relativ widerstandsfähig, denn bereits damals werden Brauernamen genannt, so im Jahre 1619 Hans Bader, Wirt in Hürben, 1632 Jakob Spaun, 1634 hört man vom „Wellenwirt“ und um die gleiche Zeit von einem „Bierpreu“ Georg Kidler. Die weiteren geschichtlichen Aufzeichnungen zeigen, dass sich in Krumbachs Bräu- und Wirtshäusern in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts einiges rührte. Um diese Zeit traten auch die Brauereien und Wirtschaften allgemein mit ihren Hausnamen auf. Man hört 1672 vom „Löwenwirt“, 1673 vom „Schwarzen Adlerwirt“.

Für das Jahr 1702 ist der Erlass einer Zunft- und Handwerksordnung für die „ehrbaren Bürpreuen (Bierbrauer) und Böcken (Bäcker)“ dokumentiert. „Zu diesem Begehren erschienen am 2. Januari 1702 vor dem „allhiesigen des heiligen römischen Reiches hochwohlgeborenen Grafen und Herrn Franciser Caroli Grafen zu Liechtenstein“ die ehrbaren Meister Melchior Steichele, Christoph Singer (Ochsenwirt), die beide zudem Ratsmitglieder waren, Caspar Pauly (Hirschwirt), Antoni Miller (Engelwirt), allesamt ehrenwerte Bierbrauer. Der hohe Graf erkannte jener „Bierpreuer und Böcken“ billiges Verlangen für löblich gut und nützlich an und erließ über das Pflegamt, das Bürgermeisteramt und Gericht jene gewünschte Handwerksordnung, deren Original im Krumbacher Heimatmuseum einsehbar ist.

Die 31 Artikel umfassende Zunft- und Handwerksordnung zählt folgende Brauerein auf: Melchior Steichele „Weißes Rössl“, Marktplatz; Christoph Singer „Ochsenwirt“ (heute Franz-Aletsee-Straße); Kaspar Pauly „Hirschwirt“, in der heutigen Karl-Mantel-Straße; Antoni Miller „Engelwirt“, heute Kirchenstraße; Georg Miller „Sonnenwirt“, ebenfalls Kirchenstraße; Georg Böck „Wellenwirt“.

Der „Traubenwirt“ wird nicht erwähnt, obwohl die Wirtschaft nachweislich bereits 1460 und 1581 erwähnt wird. Wer ab 1702 zu Krumbach „Preu-Meister“ werden wollte, der sollte zuvor wissen, „wann die Gersten geweicht und wie man den Haufen ansetzt bei Weiß Bier und Braunen“.

Für den Wirtschaftsbetrieb musste das Ungelt (Umgeld) für Bier, Wein, Met und Branntwein an die Herrschaft bezahlt werden. Das war der in Höhe des Schenkpreises fixierte Ersatz für die ursprünglich in natura entrichtete 13. Maß. Beim Wein musste zusätzlich von jedem Fass noch eine sogenannte Bodenmaß und eine halbe Maß Besuch- oder Kostwein gegeben werden. 1797 wurde bestimmt, dass die Krumbacher Wirte, ebenso wie die Günzburger, fremdes Braunbier ein- und ausführen dürfen, wenn ihre eigenen Bräuer nicht genügend Bier produzieren. Selbstverständlich musste auch aus diesem eingeführten Bier das Ungelt und der sogenannte Bierheller entrichtet werden.

Wie aus Aufzeichnungen lokaler Geschichtsforscher hervorgeht, wurden um 1736 die Bierbräuer „hochkommissarisch“ ermahnt, „kein schlechtes, wässriges oder ganz dickes und saures Bier“ zu haben. Ansonsten ist jede Maß um 1,2,3 oder mehr Pfennig herunterzusetzen und dies an der Wirtstür anzuschreiben. Der Bierpreis wurde übrigens nicht von den Bräuern, sondern vom Pflegamt und je nach dem geltenden Gerstenpreis angesetzt. Der für den Markt Krumbach eingesetzte Kommissär von Hormayr schreibt in seinen damaligen diversen Anweisungen: „Bei ganz schlechtem Bier müssen die Fässer auf die Gassen herausgeführt werden, die Böden sollen die Bierschauer dann einschlagen und das Bier ausrinnen lassen…“.

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