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Krumbach

08.09.2019

Wie man selbst Wege aus der „Suchtfalle“ findet

Wege aus der „Suchtfalle“: Sozialpädagogin Franziska Baumeister (links) und Barbara Habermann (Leiterin der Suchtfachambulanz der Caritas in Günzburg) erläutern das neue Angebot der Caritas in Krumbach.
Bild: Peter Bauer

Die Suchtfachambulanz der Caritas bietet in Krumbach ein neues Selbstkontrolltraining an. Wie sich beim Thema Abhängigkeit auch der gesellschaftliche Wandel widerspiegelt.

„Es ist auch dieses immer schneller, immer weiter, immer besser unserer Gesellschaft“, sagt Barbara Habermann. Die 56-jährige Leiterin der Suchtfachambulanz Günzburg, der Caritas, beschäftigt sich seit gut 20 Jahren beruflich mit dieser Thematik, sie kennt den gesellschaftlichen Wandel gut. Der Manager, der bis in die Nacht arbeitet. Die Studentin, die am nächsten Tag ihre Masterarbeit abliefern muss. Der Griff zu scheinbar leistungsfördernden Mitteln wie Amphetaminen ist in solchen Situationen nicht selten verlockend. Doch es ist – eine Falle.

Aus gelegentlichem Konsum wird rasch Abhängigkeit, Sucht. Ähnlich ist das bei Alkohol oder Zigaretten. Und es gibt in der digitalen Welt neue Formen dieser Gefahren, wenn das Smartphone zum Lebensbegleiter wird. Die digitale Welt lässt auch die zeitlose Spielsucht neue Formen annehmen.

Smartphone hat ein nicht zu unterschätzendes Suchtpotenzial

Die Suchtfachambulanz Günzburg der Caritas bietet nun in den Räumlichkeiten der Caritas in Krumbach in der Luitpoldstraße 7 erstmals ein Selbstkontrolltraining („SKOLL“) an. Acht bis zehn Personen können teilnehmen, am Freitag, 13. September, um 17 Uhr gibt es in Krumbach den ersten Informations- und Vorstellungsabend. Danach sollen wöchentlich zehn Abende zu je 90 Minuten folgen (erstmals am Freitag, 27. September, von 17 Uhr bis 18.30 Uhr). Ziel ist es, wie es die Kursleiterin Franziska Baumeister formuliert, das riskante Verhalten und den Konsum zu stabilisieren, wenn möglich zu reduzieren und im Idealfall ganz darauf zu verzichten. Die 34-jährige Sozialpädagogin arbeitet seit 2009 für die Suchtfachambulanz Günzburg der Caritas.

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2009: Das Smartphone steckte damals noch „in den Kinderschuhen“. Und wohl niemand vermochte sich nur annähernd vorstellen, wie diese Technik die gesamte Gesellschaft geradezu auf den Kopf stellen würde. Das Smartphone wurde der Türöffner zu einer neuen Informationsgesellschaft, aber es hat eben auch ein nicht zu unterschätzendes Suchtpotenzial. Barbara Habermann und Franziska Baumeister berichten, dass sich zunehmend auch Eltern über den digitalen Konsum ihrer Kinder sorgen würden.

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Zu beobachten sei, dass sich heute Arbeitgeber mit dem Thema Abhängigkeit weit intensiver beschäftigen würden als in früheren Jahren. Dies geschehe auch in dem Bewusstsein, dass eine Abhängigkeit die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter dauerhaft gefährde und mindere. So wurde früher unter anderem die eine oder andere „Halbe Bier“ am Arbeitsplatz toleriert. Dies sei heute in der Regel nicht mehr der Fall. Auch diese Thematik wird beim Selbstkontrolltraining wohl eine wichtige Rolle spielen.

Zu entrichten ist eine Kursgebühr von 50 Euro. Die Teilnehmer müssten individuell prüfen, ob es eine finanzielle Unterstützung von der jeweiligen Krankenkasse gebe. Teilnehmen könne prinzipiell jeder unabhängig von Alter oder Geschlecht. Es könnten auch Personen sein, die gerichtliche Auflagen erhalten hätten.

Strategien zur individuellen Krisenbewältigung von Suchtkranken

Wichtig sei, dass alle Teilnehmer eine „Gruppenfähigkeit“ mitbrächten. Denn das Gespräch und der Erfahrungsaustausch in der Gruppe seien, wenn es um Selbstkontrolle gehe, sehr wichtig, betonen Franziska Baumeister und Barbara Habermann. Selbstkontrolle, Reduktion und im Idealfall gar Verzicht: Die zehn Gesprächsabende könne man sich gewissermaßen wie zehn Stufen zu diesen Zielen vorstellen, erläutern die beiden.

Wichtig sei, dass jeder Teilnehmer für sich ein klares Ziel formuliere. Ein solches Ziel und das „Halten“ im Alltag seien für die Lebensgestaltung von herausragender Bedeutung. Zur Erfolgsüberprüfung soll es acht Wochen nach Abschluss der Kursabende ein Nachtreffen geben.

Das Leben hält bekanntermaßen auch immer wieder Krisen bereit. So sollen in den Gruppenabenden unter anderem auch Strategien zur individuellen Krisenbewältigung entwickelt werden. Dabei spielt nicht zuletzt auch das eine Rolle, was oft mit dem Stichwort „Selbsterkenntnis“ umschrieben wird.

Im ersten Informationsgespräch am Freitag, 13. September, ab 17 Uhr, sollen wichtige Fragen vorab geklärt werden. Dann werde sich, so Franziska Baumeister und Barbara Habermann, auch die Zusammensetzung der Gruppe entwickeln. Denkbar ist, dass im kommenden Frühjahr ein Selbstkontrolltraining auch in Günzburg angeboten wird.

Weitere Informationen unter der Telefonnummer 08221/32673. Montag bis Freitag, 8 bis 12 Uhr und von Montag bis Donnerstag, 14 bis 16 Uhr.

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