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Macht der Konsumenten

13.01.2019

Essen, Heizen, Reisen: Mit diesen Tipps wird Ihr Konsum nachhaltiger

Kleine Veränderungen im Alltag können aufs Ganze berechnet einen großen Unterschied ausmachen.
Bild: SG- design Adobe stock

Mit Jutebeuteln allein lässt sich die Welt nicht retten. Einen Unterschied machen die kleinen Schritte trotzdem auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.

Es ist ein Gedanke, der erst einmal so groß klingt, dass man ihn am liebsten gar nicht zu Ende denken würde: das eigene Leben ändern. Nachhaltig einkaufen, umweltbewusst reisen, kurz: alles ein bisschen anders machen, damit auch die nächsten Generationen noch etwas von dieser Erde haben. Oftmals hilft es, klein anzufangen. Zum Einkaufen einen Jutebeutel mitzunehmen. Die Heizung ein wenig runterzudrehen. Oder öfter mal Leitungswasser zu trinken, statt ständig Plastikflaschen zu kaufen. Wir haben sechs Tipps gesammelt, mit denen Sie vielleicht nicht sofort die Welt retten, aber doch einen kleinen Unterschied machen.

Ernährung: Öfter mal vegetarisch

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, kurz DGE, hat eine genaue Vorstellung davon, wie viel Fleisch jeder Deutsche essen sollte: Nicht mehr als 300 bis 600 Gramm pro Woche, also etwa ein bis zwei Portionen. Von der Realität in deutschen Esszimmern, Kantinen und Restaurants ist das allerdings weit entfernt. Etwa 60 Kilogramm Fleisch und Wurst isst ein einzelner Deutscher durchschnittlich im Jahr, also etwa 1150 Gramm pro Woche. Das ist nicht nur schlecht für die Gesundheit, sondern auch für das Klima. Der WWF hat ausgerechnet, dass sich jährlich etwa neun Millionen Tonnen Treibhaus-Emissionen einsparen ließen, wenn jeder Deutsche nur einmal in der Woche auf Fleisch verzichtet.

Die Umwelt profitiert deutlich davon, wenn jede zweite Fleischmahlzeit durch eine vegetarische Alternative ersetzt wird.
Bild: blitzrechner.de/fleisch

Energie sparen: Jeder Topf braucht seinen Deckel

Wer regelmäßig kocht, kann viel Energie sparen – zumindest, wenn er seine Töpfe und Deckel richtig einsetzt. „Der Topf muss die Herdplatte genau bedecken“, sagt Martin Sambale, Experte des Energie- und Umweltzentrums Allgäu, kurz Eza. Ansonsten verpuffe unnötige Energie: Pro Zentimeter, der nicht bedeckt ist, etwa 20 bis 30 Prozent. Wird ohne Deckel gekocht, geht ebenfalls viel Herdwärme verloren: Die Strommenge, die zum Kochen gebraucht wird, verdreifacht sich auf einen Schlag. Ist der Deckel gekippt, wird immer noch doppelt so viel Energie verbraucht wie mit einem geschlossenen Topf, rechnet Sambale vor. Der Experte empfiehlt auch, den Herd bereits einige Minuten vor dem Ende der Garzeit abzustellen und die Restwärme zu nutzen. Außerdem könnten Verbraucher meistens darauf verzichten, den Backofen vorzuheizen. Das spart Strom – genau wie der Wechsel zur Umluftfunktion. „Die Temperatur bei Umluft liegt rund 20 Grad unter der, die mit Ober- und Unterhitze benötigt wird“, erläutert Sambale. Das senke den Stromverbrauch um 40 Prozent.

GRAFIK Energieverbrauch in deutschen Haushalten

Recycling: Papier muss nicht blütenweiß sein

Toilettenpapier und Küchenrollen haben eine kurze Lebensdauer: Das Papier wird einmal benutzt und dann heruntergespült oder in den Müll geworfen. In Deutschland verbraucht jeder dem Umweltbundesamt zufolge im Schnitt 18 Kilogramm sogenanntes Hygienepapier pro Jahr. Dazu gehören zum Beispiel auch Taschentücher oder Servietten. Für jedes dieser Produkte gibt es allerdings auch eine Recycling-Variante. Wer darauf umsteigt, tut nach Angaben des Umweltbundesamts auch etwas für das Klima: Für die Herstellung von Recycling-Papier braucht die Industrie weniger Rohstoffe. Pro Kilo werden etwa 67 Prozent Wasser, 50 Prozent Energie und 2,4 Kilogramm Holz eingespart. Verbraucher sollten auf das Siegel „Der blaue Engel“ achten. Das Label garantiert, dass das Papier zu 100 Prozent aus Altpapier hergestellt ist und keine schädlichen Chemikalien verwendet wurden.

Heizen: Heiß, heißer, überhitzt

In vielen Räumen ist es im Winter zu warm, weil sie falsch geheizt werden. Dabei lassen sich schon mit wenig Aufwand Geld und Energie sparen – zum Beispiel, indem die Heizung nicht ständig hoch und wieder runter gedreht wird. Energie-Experte Martin Sambale empfiehlt, Thermostatventile an den Heizkörpern, außer bei längeren Abwesenheiten, konstant auf einer Temperatur zu halten. „Welche das ist, hängt vom individuellen Empfinden ab“, betont der Fachmann. Gängig seien im Wohnbereich allerdings 20 bis 22 Grad. Das entspricht etwa Stufe 3 auf dem Thermostatventil. Jeder Strich zwischen den Ziffern steht für ein weiteres Grad. In einem Altbau lassen sich pro Grad, das die Temperatur dauerhaft runtergeregelt wird, etwa sechs Prozent Energie sparen. Wer nach Hause kommt und die Heizung sofort von Stufe 2 auf 5 hochdreht, wird auch nicht dafür sorgen, dass es schneller warm wird. „Der Heizkörper heizt nur länger“, sagt Sambale. Nämlich so lang, „bis die der Thermostateinstellung entsprechende Temperatur erreicht ist“. Daneben rät der Experte, im Winter möglichst früh am Abend die Rollläden herunterzulassen. Dadurch bleibe mehr Wärme im Raum – und die Heizkosten würden gesenkt. „Am größten ist der Effekt bei alten Fenstern“, sagt Sambale.

In vielen Räumen ist es im Winter zu warm, weil sie falsch geheizt werden. Dabei lassen sich schon mit wenig Aufwand Geld und Energie sparen.
Bild: obs/E.ON Energie Deutschland GmbH/Andrey Popov

Sparen: Gutes Gewissen bei der Geldanlage

Es gibt in nahezu allen Lebensbereichen umweltfreundliche und faire Alternativen – auch bei Geldanlage und Kontoführung. Kreditinstitute wie die Ethikbank, die Umweltbank oder die GLS Bank richten ihr Geschäft an ethisch-ökologischen Kriterien aus, investieren also nicht in Projekte, die etwa Kinderarbeit oder die Rüstungsindustrie unterstützen. Auch in Ökofonds kann das Geld nachhaltig angelegt werden. Die Stiftung Warentest hat sich zuletzt 58 solcher Fonds angeschaut und festgestellt, dass viele von ihnen eine ähnlich gute Rendite erzielen wie herkömmliche Finanzmodelle.

Reisen: Urlaub, aber umweltbewusst

Die traurige Wahrheit ist: Verbraucher können daheim vorbildlich nachhaltig leben – und ihre Klimabilanz dennoch mit nur einer Fernreise zerstören. Tourismus ist eines der großen Risiken für das weltweite Klima. Nach Angaben des WWF ist das Reisen für fünf Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, besonders Flüge in weit entfernte Urlaubsziele vergrößern den ökologischen Fußabdruck enorm. Aber auch Reisende, die nur einmal im Jahr nach Mallorca fliegen, erzeugen dadurch nach Berechnungen der Organisation etwa 1221 Kilogramm CO2 – mehr als der empfohlene Wert für ein ganzes Jahr.

Tourismus ist eines der großen Risiken für das weltweite Klima. Besonders schlimm: Flugreisen.
Bild: Matthias Balk, dpa

Was also tun? „Flüge und Kreuzfahrten vermeiden ist der beste Klimaschutz“, schreibt Frank Herrmann. Er ist Autor des Buches „Fairreisen“. Auch das Auto könnten Verbraucher seiner Meinung nach so oft wie möglich stehen lassen und auf die Bahn oder – für kürzere Strecken – das Fahrrad umsteigen. Natürlich klappt das nicht immer – zumindest bei den meisten Menschen nicht. Soll es doch eine Fernreise sein, empfiehlt der Autor, sich für Urlaubsveranstalter oder Fluggesellschaften zu entscheiden, die sich für grünen und fairen Tourismus engagieren, also zum Beispiel gerechte Löhne zahlen und hohe Umweltstandards einhalten. Wer weit verreist, sollte außerdem zumindest länger am Urlaubsort bleiben. Daneben könnten Reisende die CO2-Emissionen ihrer Reise berechnen und kompensieren, also im Ausgleich dafür Klimaschutzprojekte unterstützen. Am besten sei es, schreibt Herrmann, wenn Reiseveranstalter oder Fluggesellschaft diesen Service schon in den Preis eingerechnet hätten.

Wir haben den Selbstversuch gewagt und getestet, wie wir nachhaltiger leben können. Wie es gelaufen ist, lesen Sie hier.

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