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Sommermärchen

11.08.2018

Verein will Kunstwerk in Deisenhausen erhalten

Der Innenraum der Kirche St. Stephan in Deisenhausen.
Bild: Franz Hopfenzitz

In Deisenhausen gründete sich ein Verein, um eine Rokoko-Kirche für die Zukunft zu bewahren.

Mitten im kleinen Dorf Deisenhausen bei Krumbach steht die Kirche St. Stephan. Schon von außen sieht das Gotteshaus mächtig aus. Der fast 50 Meter hohe Kirchturm erhebt sich stolz über die knapp 1000 Einwohner zählende Gemeinde – und dabei wäre dieser vor 30 Jahren beinahe umgestürzt. Die Kirche war insgesamt in keinem guten Zustand mehr. Stuck fiel von der Decke. Lange Risse zogen sich durch die Fassade. Da fasste sich Franz Hopfenzitz zusammen mit einigen anderen ein Herz …

Sie gründeten einen Förderverein. „Wir sahen dieses herausragende Kunstwerk und fragten uns, welche Möglichkeiten haben wir, es langfristig zu bewahren“, sagt der 73-Jährige über die Rokoko-Kirche. Zusammen mit 16 anderen Gründungsmitgliedern ging er von Haus zu Haus und versuchte, weitere Mitglieder zu finden. Innerhalb eines Jahres machten rund 160 mit. 120 Mark kostete der Beitrag. Das war 1989. „Der Förderverein wurde anfangs leicht kritisch beäugt, so etwas war früher ein Novum“, sagt Hopfenzitz.

Die Rokoko-Kirche im Ortskern von Deisenhausen.
Bild: Denis Dworatschek

Bis 1991 lief die große Gesamtrestaurierung der Kirche. Der Turm wurde vor dem Fall gesichert und sogar wieder leicht aufgerichtet. Fresken ausgebessert und gereinigt, Risse geschlossen. Innen wie außen wurde die ursprüngliche Farben verwendet. Wie vor 250 Jahren, als sie gebaut wurde. Neben dem Finanzbeitrag der Pfarrkirchenstiftung und Zuschüssen von Diözese und öffentlichen Zuschussgebern half und hilft der Förderverein mit seinen Mitteln mit. Neben Mitgliederbeiträgen sind dabei in den 30 Jahren mehr als 800 Spenden eingegangen. Insgesamt kamen mit den Beiträgen und zahlreichen Aktivitäten rund 360.000 Euro zusammen.

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160 Mitglieder des Fördervereins sind bis heute aktiv

„Es helfen sehr viele zusammen, auch die Vereine aus dem Dorf beteiligen sich“, sagt Hopfenzitz. Er selbst ist ein „Zugezogener“. Der Oettinger kam Mitte der 1970er Jahre beruflich nach Deisenhausen. Bis heute ist er Vorsitzender des Fördervereins und seit 1998 auch der Kirchenpfleger. „Das hat etwas von einem Fulltime-Job“, scherzt Hopfenzitz. Wenn er durch das Kirchenschiff geht, merkt man sofort, wie aufmerksam er das Gebäude betrachtet. „Wenn uns ein Schaden auffällt, und ist der noch so klein, wird er sofort angegangen“, erklärt er. Immer wieder höre er von erstaunten Besuchern bei Führungen wie sauber und gut erhalten die Kirche sei.

Aber: „Wir können auch nie behaupten, wir sind am Ende mit den Arbeiten.“ Eine endlose Geschichte sei der Erhalt der Kirche, und in 15 bis 25 Jahren stehe die nächste große Restaurierung an. Bis dahin versuche der Verein, einen Grundstock anzusammeln. Denn billig wird das nicht: bis zu zwei Millionen Euro. Eine Aufgabe für Generationen.

160 Mitglieder des Fördervereins sind bis heute aktiv. Jeder Fünfte kommt von außerhalb. „Und wir haben eine gute Mischung aus jungen und alten Mitgliedern“, sagt Hopfenzitz. 2016 erst bekam die Kirche drei neue Glocken. Veranstaltungen wie Konzerte, Ausstellungen oder Hochzeiten fanden und finden in dem Gotteshaus statt. „Die Tür ist untertags immer auf und viele kommen im Sommer vorbei zum Verweilen“, sagt er stolz. Ihm sei vor allem eins wichtig an dem Projekt, das er schon so lange betreut: „Durch die Initiative von vielen sieht man, dass etwas Sinnvolles herauskommen kann.“

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