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Kino

11.05.2018

Zwischen Kunst und Politik

Sommer, Sonne, Spanien: Penélope Cruz und Javier Bardem in „Everybody Knows“.
Bild: dpa

In den ersten Tagen des Festivals in Cannes richtete sich die Aufmerksamkeit vor allem auf Filme aus Iran und Russland

Mit Festivalbeginn wird deutlich, wie Cannes in Zeiten von #MeToo auf seinem Status als „wichtigstes Filmfestival der Welt“ bestehen will. Zwar musste der Eröffnungsfilm eher als Enttäuschung verbucht werden, aber die markanten Auftritte der Jury-Präsidentin Cate Blanchett machten das fast im Alleingang wieder wett. Die australische Schauspielerin gibt mit eloquenten Statements nicht nur ein gutes Aushängeschild ab gegen den ewigen Vorwurf, dass in Cannes zu selten Frauen das Sagen hätten. Sie erweist sich auch als glänzende Verteidigerin des Kinos als Kunstform.

„Es geht hier nicht um den Friedensnobelpreis, sondern um die Goldene Palme“, war eine ihrer Antworten auf die Frage, ob die Jury die politisch aufgeladene Situation um einige Filme und ihre Regisseure berücksichtigen werde. Nicht ohne vorher ihrer Sympathie für den Russen Kirill Serebrennikov und den Iraner Jafar Panahi ausgedrückt zu haben, die von ihren Heimatländern daran gehindert werden, an der Premiere ihrer Filme in Cannes teilzunehmen.

Der Eröffnungsfilm „Everybody Knows“ von Panahis Landsmann Asghar Farhadi bot mit seinen Stars Javier Bardem und Penélope Cruz als Traumpaar des spanischen Films leider in erster Linie nur gutes Futter für die Fotografen am Roten Teppich. Der Regisseur, der mit „Nader und Simin“ und „The Salesman“ je einen Auslands-Oscar erhalten hat, versucht in „Everybody Knows“ sein Talent für gut erzählte Gesellschaftsporträts nach Spanien zu übertragen. Cruz spielt die verlorene Jugendliebe von Bardem, die mit ihren Kindern für eine Hochzeit zurück in ihr Heimatdorf kommt. Während der Feier verschwindet ein Kind, und in den anschließenden Tagen der Suche kommt so manches verdrängte Familiengeheimnis ans Licht. Man folgt den Protagonisten mit Sympathie, kann aber nie ganz den Eindruck abschütteln, dass die Handlung überkonstruiert und die Inszenierung mit viel Sonne und Dorfszenen eine Spur zu folkloristisch geraten ist.

Das Filmteam des Russen Kirill Serebrennikow nutzte die Aufmerksamkeit am Roten Teppich mit Protest-Buttons und -Plakat. Den im Wettbewerb laufenden Film „Leto“ hatte der Filmemacher während seines Hausarrests fertiggeschnitten. Er thematisiert in schwarz-weißen Bildern die wahre Geschichte einer musikalischen Gegenbewegung im Leningrad Anfang der 80er Jahre. Mike Naumenko ist bereits ein etablierter Musiker, während Wiktor Zoi noch kurz vor seinem Durchbruch steht. Ihre Idole sind Stars aus dem Westen. Sie selbst dürfen zwar nicht offen gegen das System auftreten, dennoch genügen allein ihre langen Haare und die rockige Musik, um als Sympathisanten des Feindes zu gelten. Mit seiner energetischen Mischung aus Punk und Rock fängt „Leto“ stimmungsvoll das Lebensgefühl dieser Menschen und ihrer Zeit ein. (epd, dpa)

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